Stand: 18.01.2019 15:33 Uhr

Gute Jugendromane über schwierige Familien

von Katja Eßbach

"Hinter Glas" von Julya Rabinowich

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"Hinter Glas" erscheint am 28. Januar im Hanser Verlag und kostet 16 Euro.

Darum geht es: Schwieriges Erwachsenwerden

Alice ist siebzehn und hat es zu Hause schwer. Ihre Eltern engen sie ein und ihr Großvater tyrannisiert die Familie. Als sie es nicht mehr aushält, flieht sie zu Nico, ihrer ersten großen Liebe. Der kommende Sommer ist voll von berauschenden Gefühlen und der ganz großen Freiheit. Doch dann gibt es immer mehr Probleme, Alice und Nico streiten häufig. In einem unbeherrschten Moment schlägt Nico zu. Alice muss sich die Frage stellen, wie es nun weitergehen soll.

Julya Rabinowich erzählt eine leise, zarte Geschichte, die sich erst nach und nach dem Leser erschließt. Ihre Sprache ist zurückhaltend und dennoch kraftvoll. Vor allem aber überzeugt die Vielschichtigkeit ihrer Figuren, die es genauso im echten Leben geben könnte.

"Jetzt ist alles, was wir haben" von Amy Giles

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"Jetzt ist alles, was wir haben" ist bei Random House erschienen und kostet 17 Euro.

Darum geht es: Gewalt in der Familie

Auch für Hadley, die Protagonistin dieses Romans, ist die Situation zu Hause kompliziert. Ihr kontrollsüchtiger und überaus strenger Vater schlägt sowohl sie, als auch ihre Mutter bei den kleinsten Fehlern. Schon lange träumt sie deshalb davon einfach wegzugehen, aber da ist noch ihre kleine Schwester, die sie beschützen will. Als sie sich eines Tages in Charlie verliebt, beginnt sie Hoffnung zu schöpfen. Doch ihr Vater rastet völlig aus und alles läuft auf eine Katastrophe zu. "Jetzt ist alles, was wir haben" beginnt wie einer dieser klischeebehafteten amerikanischen High-School-Romane, nimmt aber schnell an Fahrt auf. Er erzählt von einer Familie, hinter deren makelloser Fassade sich Schreckliches verbirgt. Amy Giles beschönigt nichts und zeigt, was Gewalt anrichtet.

"Gefährliche Freundinnen" von Cat Clarke

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"Gefährliche Freundinnen" ist im Fischer Verlag erschienen und kostet 14,99 Euro.

Darum geht es: schwierige Freundschaft im Internat

Internatsromane erfreuen sich nicht erst seit "Hanni und Nanni" großer Beliebtheit. "Gefährliche Freundinnen" spielt in einem exklusiven britischen Mädcheninternat. Die 17-jährige Harper kommt nach dem Tod ihrer Zwillingsschwester dorthin und findet sehr schnell Anschluss an eine nette Dreierclique. Das erste Mal seit langer Zeit ist sie wieder einigermaßen glücklich. Dann kommt eine Neue ins Internat - die eigentümliche Kirsty. Auch sie hat eine Schwester verloren und scheint Harper besser als jede andere zu verstehen. Andererseits benimmt sie sich sehr seltsam, hängt sich wie eine Klette an Harper und hintertreibt die Freundschaft Harpers zu ihrer Clique. Der Titel "Gefährliche Freundinnen" ist leider ein totaler Fehlgriff und führt in die Irre. Das Buch ist kein Krimi, sondern erzählt von der Komplexität von Mädchenfreundschaften und dem unbedingten Wunsch dazuzugehören.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Mikado | 19.01.2019 | 09:20 Uhr