Stand: 11.12.2017 17:23 Uhr

Die andere Seite der Honorarkonsulin

von Juliane Bergmann

Seit 20 Jahren ist die Hamburgerin Sabine Sommerkamp-Homann Honorarkonsulin der Republik Lettland. Neben ihrem Engagement für den deutsch-baltischen Austausch ist sie auch privat ziemlich umtriebig: Sie dichtet, singt und malt. Ein Porträt.

Im eleganten Hosenanzug sitzt Sabine Sommerkamp-Homann im Lesesessel ihres weiträumigen Wohnzimmers. Die schwarzen Haare streng zum spanischen Dutt gebunden, der Lidstrich: exakt. Ihr Haus, ihre Erscheinung, alles wirkt auf den Punkt. Auch mit Worten geht sie bedacht um. Sie schreibt täglich Haiku, japanische Kurzgedichte. 17 Silben, die klassischerweise ein Sinnbild aus der Natur beschreiben. Wie dieses:

Alleingelassen
eine letzte Garbe Korn -
kalt weht heut' der Wind.

Zu Besuch bei Sabine Sommerkamp-Homann

Haiku: Halbes Gedicht mit Erkenntnisprozess

Studiert hat die heute 65-jährige Sabine Sommerkamp-Homann unter anderem japanische Literaturwissenschaft. Ihre Dissertation schrieb sie über die Bedeutung des Haiku für die westliche Dichtung. Gerade das Reduzierte und Vage gefällt ihr an der lyrischen Kürzestform: "Die Japaner sagen: Das Haiku ist ein halbes Gedicht, das erst in der Vorstellung des Lesers zu einem ganzen Gedicht wird. Und darin liegt auch der Zauber des Haiku, dass der Leser es ergänzen muss. Dadurch entsteht eine Sogwirkung, könnte man fast sagen. Man ist eingefangen, man beschäftigt sich mit einem Bild und erkennt etwas, was für einen selber von Bedeutung ist. Praktisch ein kleiner Erkenntnisprozess."

"Blick für das Wunderbare bewahren"

Die Faszination für Japan hat Sabine Sommerkamp-Homann schon als Kind gepackt. Ihr Vater begann Anfang der 50er-Jahre für Fluggesellschaften zu arbeiten. Ein Beruf, der die Tochter mit vielen Kulturen in Berührung brachte. Bei ihrer ersten Japan-Reise war sie gerade mal fünf Jahre alt: "Ich war alt genug, um Dinge auch aufzunehmen und behalten zu können. Und jung genug, um eine wenig festgelegte Sicht auf die Dinge zu haben. Der große Haiku-Meister Matsuo Basho hat einmal gesagt: 'Um Haiku zu schreiben, werde ein drei Fuß großes Kind'. Das heißt: Man muss offen sein für alles. Man muss sich vielleicht noch den Blick für das Wunderbare bewahren. Und das, was ich in Japan erfühlt habe als Kind - diese unglaubliche Naturverbundenheit - ich glaube, dass das wie ein Samenkorn für mich war."

Der Garten als Inspirationsquelle

Sabine Sommerkamp-Homann, Honorarkonsulin der Republik Lettland in Hamburg © NDR Fotograf: Juliane Bergmann

Sabine Sommerkamp-Homann im Porträt

NDR Kultur -

2,6 bei 5 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Und die Natur ist ihr sehr wichtig. Der Lieblingsort in ihrem Zuhause ist deshalb ihr Garten: "Im Mittelalter sagte man: 'Der Garten ist Abbild eines geistigen Raumes eines Menschen.' Und in die Richtung hat der Garten auch für mich eine Bedeutung. Meinen Garten betrachte ich auch als Quelle der Inspiration und der Kraft." Die japanische Kirsche, ein Ginkgo, Ahornbäume, die Alster, die in Sichtweite vorbeifließt - vieles hier hat sie schon inspiriert:

Rot sinkt die Sonne -
am Strauch die Hagebutte
leuchtet samenschwer.

Für Lettland in Hamburg

Sie singt Jazz- und Popballaden, malt Landschaften und Porträts. Sie hat ein Haiku-Märchen geschrieben, die "Sonnensuche", dazu mehrere Gedichtbände. Gerade arbeitet sie an einem Buch mit eigenen Gedichten und Fotografien des Berges Fuji. Seit 20 Jahren ist Sabine Sommerkamp-Homann zudem Honorarkonsulin der Republik Lettland in Hamburg - und hat vieles bewegt. So ist auf ihre Initiative hin seit einigen Jahren in der Adventszeit der lettische Cantus Chor in Hamburg zu Gast. Sie sammelt Spenden für die lettischen SOS-Kinderdörfer. Außerdem hat sie den Hamburger Studiengang "Medien- und Kulturmanagement" an die Kulturakademie in Riga gebracht. Bei diesem Engagement für Lettland bleibt natürlich auch von der Sprache etwas hängen: "Ari turpmak laimi - Weiterhin alles Gute."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 12.12.2017 | 10:20 Uhr

Mehr Kultur

17:20
ZAPP

Wilhelm: "Wir eskalieren nicht"

25.04.2018 23:20 Uhr
ZAPP
04:31
Kulturjournal

Youn Sun Nah: Jazz aus Südkorea

23.04.2018 22:45 Uhr
Kulturjournal
02:36
Kulturjournal

Wahr. Schön. Gut. - Kulturkritik auf den Punkt

23.04.2018 22:45 Uhr
Kulturjournal