Stand: 05.09.2019 11:59 Uhr

Deutscher Buchpreis: Longlist-Abend in Hamburg

20 Romane stehen auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis. Darunter einige von bekannten Autorinnen und Autoren wie Karen Köhler und Saša Stanišić, aber auch einige Romandebüts schafften es in die engere Auswahl. 20 Bücher - da einen Überblick zu bekommen, das braucht Zeit. Am Mittwochabend gab es die Möglichkeit, 13 Autorinnen und Autoren und ihre Romane kennenzulernen, beim langen Longlist-Abend des Hamburger Literaturhauses in der Freien Akademie der Künste. Ein Gespräch über die Veranstaltung.

13 Bücher an einem Abend - das klingt ambitioniert. Wie viel Zeit bleibt eigentlich, um einen Roman vorzustellen?

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NDR Kultur Redakteur Jan Ehlert war beim langen Abend der Nominierten für den Deutschen Buchpreis in Hamburg dabei.

Jan Ehlert: Die Veranstalter haben sich bemüht, jeder Autorin und jedem Autor zumindest so viel Zeit zu geben, dass man einen guten Eindruck von ihrem Buch bekommen konnte. 20 Minuten waren pro Person vorgesehen. Zehn Minuten Gespräch, zehn Minuten Lesung, so der Plan. Selbst wenn man das geschafft hätte, wäre es also ein langer Abend geworden. Aber wie das so ist bei Veranstaltungen: So ganz hält sich dann doch keiner an den engen Zeitplan. Insgesamt waren es gut fünfeinhalb Stunden, von halb sieben bis kurz vor Mitternacht. Und das ist natürlich wirklich nur etwas für hartgesottene Literaturfans.

Je später der Abend, desto leerer wurde es auch - auch wenn die Moderatoren, unser "Gemischtes Doppel" Annemarie Stoltenberg und Rainer Moritz, das wirklich charmant gemacht haben, was nicht leicht ist bei so vielen Büchern. Und das tat mir schon ein wenig leid für die beiden und für diejenigen, die ganz am Schluss lesen mussten. Nachdem Karen Köhler, die mit "Miroloi" auf der Longlist steht, gegen 22 Uhr fertig war, ging Norbert Zähringer als nächster Autor nach vorn. Da standen wirklich sehr viele Menschen auf und gingen. Als Miku Sophie Kühmel als letzte auf das Podium kam, hatte schon mehr als die Hälfte der Zuhörer den Saal verlassen. Was man auch verstehen muss, denn man muss konzentriert zuhören, und das fällt dann nach acht, neun, zehn Lesungen irgendwann wirklich schwer. Ich war auch irgendwann froh, dass in diesem Jahr nur 13 Nominierte zugesagt hatten. Im vergangenen Jahr waren es sogar 15 Nominierte, die an einem Abend gelesen haben.

Jan Ehlert © NDR Foto: Christian Spielmann

Longlistabend im Hamburger Literaturhaus

NDR Kultur - Klassisch in den Tag -

20 Romane stehen auf der Buchpreis-Longlist. Am Mittwochabend konnte man 13 Autoren und ihre Romane kennenzulernen: beim langen Longlist-Abend des Hamburger Literaturhauses.

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Das heißt aber, sieben Autorinnen und Autoren fehlten. Waren denn die bekannten Namen da?

Ehlert: Nicht alle, Marlene Streeruwitz und Alexander Osang waren nicht gekommen, auch Norbert Scheuer nicht. Den kennt man vielleicht noch, weil er mit seinen Romanen immer für einen der beiden großen Buchpreise in Frankfurt oder Leipzig nominiert war. Das war natürlich schade, aber umso mehr konnte man neue Autorinnen und Autoren entdecken, von denen man bislang vielleicht noch nichts gehört hatte - auch wenn sie, wie Andrea Grill oder Jackie Thomae, schon eine Weile im Literaturbetrieb dabei sind. Aber Saša Stanišić ist gekommen, Karen Köhler, Nora Bossong - die übrigens klugerweise von den Veranstaltern auf die hinteren Leseplätze gesetzt wurden.

Also sehr viel Input. Sie sind trotzdem bis zum Schluss geblieben. Wer hat Sie besonders beeindruckt?

Ehlert: Die Überraschung des Abends war für mich Jan Peter Bremer, ein Autor, den ich bisher nur vom Namen kannte. 1996 hat er den Bachmann-Preis erhalten und ist in Norddeutschland, in Lüchow-Dannenberg groß geworden. Sein Roman "Der junge Doktorand" erzählt von einem alten Künstler-Ehepaar, das Besuch von eben diesem jungen Doktoranden bekommt und irgendwie hofft, dass er ihre eingefahrene Ehe retten kann. Das ist ein unglaublich komischer Text, weil dieses Ehepaar eben den armen Doktoranden gar nicht zu Wort kommen lässt, sondern sich immer wieder ins Wort fällt, gegenseitig beschimpft und aneinander rumnörgelt.

Das war gerade zu später Stunde natürlich schön, wenn man einmal so richtig lachen konnte. Auch Tom Zürcher mit "Mobbing Dick" hat den Saal begeistert. Das muss man aber sagen: Unterhaltsame Texte haben es natürlich leichter bei Lesungen. Die anspruchsvolleren Bücher, etwa von Nora Bossong, "Schutzzone", wo sie die Arbeit der UNO parallel zu einer Liebesgeschichte konstruiert, gingen in dieser Vielzahl von Texten etwas unter. Vielleicht würde es den Büchern insgesamt doch mehr gerecht, wenn man zwei oder drei Abende machen würde, bei denen vielleicht alle Nominierten dabei sein können.

Das Gespräch führte Franziska von Busse.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 05.09.2019 | 09:20 Uhr