Stand: 15.09.2020 13:46 Uhr

Deutscher Buchpreis: Shortlist steht fest

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat die Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2020 bekannt gegeben. Neue und bekannte Namen teilen sich die Plätze darauf. Insgesamt sind vier Frauen und zwei Männer auf der Shortlist zu finden. Die Siegerin oder der Sieger des mit 25.000 Euro dotierten Deutschen Buchpreises wird am 12. Oktober verkündet. Wegen der Corona-Pandemie wird die Verkündung in Frankfurt diesmal nur per Livestream zu verfolgen sein.

Erst die Longlist, dann die Shortlist und in weiteren vier Wochen dann die tatsächliche Auszeichnung. Alexander Solloch aus unserer Literaturredaktion mit Enschätzungen

NDR Kultur: Die Shortlist ist also seit einer guten Stunde öffentlich. Welche sechs deutschsprachigen Romane sind denn nun nach Ansicht der Jury die "besten des Jahres"?

Alexander Solloch: Die bekanntesten Namen auf der Liste sind sicherlich Bov Bjerg und Thomas Hettche. Hettche, der schon zweimal auf der Shortlist stand (zuletzt 2014 mit "Pfaueninsel") ist nun nominiert für "Herzfaden", ein "Roman der Augsburger Puppenkiste", so der Untertitel. Bov Bjerg wiederum, dem vor 5 Jahren mit "Auerhaus" ein erstaunlicher Bestseller gelang, ist nun mit dem Roman "Serpentinen" zum Buchpreiskandidaten geworden, ein Vater erzählt seinem Sohn die kurvenreiche Familiengeschichte.

Interview
Bücherstapel liegt im Laub © Fotolia.com Foto: Lilyana Vynogradova

Wer bekommt den Deutschen Buchpreis? Die Kandidaten.

Wer bekommt den Deutschen Buchpreis? Ein Überblick über die Nominierten mit Joachim Dicks aus der NDR Kultur Literaturredaktion. mehr

Das sind die zwei nominierten Männer und wir haben vier Kandidatinnen: Dorothee Elmiger, eine junge Schweizer Autorin, wobei: "Aus der Zuckerfabrik" ist streng genommen vielleicht kein Roman, eher ein Notizbuch, ein Recherchejournal, das der Frage folgt: Woher kommt eigentlich der Zucker? Eine Geschichte des Geldes also. Nominiert ist auch die seit langem in Paris lebende Übersetzerin und Erzählerin Anne Weber. "Annette, ein Heldinnenepos" heißt ihr Roman und ist die Jahrhundertgeschichte der Widerstandskämpferin Anne Beaumanoir.

Außerdem nominiert: Die Romandebütantin Deniz Ohde mit "Streulicht", ein Arbeiterkind blickt zurück aufs Aufwachsen in der engen Wohnung, auf die so mühsamen Versuche, das Bildungsversprechen der Gesellschaft einzulösen. Und schließlich Christine Wunnicke, die schon zweimal auf der Longlist stand und nun erstmals auf der Shortlist mit dem kleinen Roman "Die Dame mit der bemalten Hand".

Kristallisiert sich da für Sie schon ein Favorit heraus?

Solloch: Ich bin da eigentlich ganz und gar leidenschaftslos. Wir sagen ja eh schon seit Jahren, dass diese ganze Buchpreis-Sause in erster Linie als ein Spiel anzusehen ist. Ein Spiel zwar mit erheblichen Konsequenzen für die teilnehmenden Schriftstellerinnen und Schriftsteller, es geht ja um 25.000 Euro, aber dem allgemeinen Publikum wären auf jeden Fall Gelassenheit und ein ruhiger Puls zu wünschen.

Es ist nichts anderes als ein fröhlicher Wettbewerb, dessen Regeln und Kriterien einem nicht so ganz klar sind. Wir erleben hier gewissermaßen die Inszenierung eines Sportturniers mit Viertelfinale und Halbfinale und Endspiel, nur: Beim Speerwurf weiß man, dass 98 Meter ein sehr guter Wert sind. Aber welche Kriterien legt die Jury an, legen die sieben Menschen aus Buchhandel und Literaturkritik an, die beauftragt sind, den Buchpreis zu verleihen?

Es ist einem nie ganz klar, und problematische Entscheidungen wie die, einen zweifellos herausragenden Roman wie "Die Bagage" von Monika Helfer nicht einmal auf die Longlist zu schreiben, erhöhen das Vertrauen in die Jury jedenfalls nicht ins Unermessliche. Insofern: Es glaube bitte keiner, hier werde wirklich der beste deutschsprachige Roman des Jahres gekürt oder hier würde verhandelt, welche Romane man unbedingt lesen müsse. Das entscheidet die Leserin schon ganz allein.

Kurz und gut: Christine Wunnicke sollte gewinnen, allein schon deshalb, weil sie sich immer von so ungewöhnlichen Themen anspringen lässt, hier nun, in "Die Dame mit der bemalten Hand", erzählt sie poetisch und funkelnd von einer Forschungsreise im 18. Jahrhundert auf der Suche nach den Spuren des Alten Testaments, aber auf der Schiffsreise geht sehr viel schief, und schließlich landet der einzige Überlebende in Indien an.

Liste der Nominierten für den Deutschen Buchpreis 2020

Bov Bjerg: "Serpentinen" (Claassen, Januar 2020)
Dorothee Elmiger: "Aus der Zuckerfabrik" (Carl Hanser, August 2020)
Thomas Hettche: "Herzfaden" (Kiepenheuer & Witsch, September 2020)
Deniz Ohde: "Streulicht" (Suhrkamp, August 2020)
Anne Weber: "Annette, ein Heldinnenepos" (Matthes & Seitz Berlin, Februar 2020)
Christine Wunnicke: "Die Dame mit der bemalten Hand" (Berenberg, August 2020)

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 15.09.2020 | 11:20 Uhr

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