Stand: 25.03.2019 10:00 Uhr

Der Geruch nach Pfingstrosen und Ringelblumen

Der Blumenladen der Mademoiselle Violeta
von Màxim Huerta, aus dem Spanischen von Anja Rüdiger
Vorgestellt von Annemarie Stoltenberg
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Huertas Debutroman ist in seinem Heimatland Spanien überaus erfolgreich.

Màxim Huerta ist in seinem Heimatland Spanien sehr bekannt, er moderiert im Fernsehen, veröffentlicht Beiträge in verschiedenen Zeitschriften und hat Theaterstücke geschrieben. Mit seinem Roman "Der Blumenladen der Mademoiselle Violeta" hat er einen Riesenerfolg gelandet und stand monatelang auf der spanischen Bestsellerliste.

Blumenläden verströmen immer einen speziellen, wunderbaren Geruch und der Blumenladen, um den es in diesem Roman geht, duftet intensiv nach Pfingstrosen und Ringelblumen. Er befindet sich mitten in Paris, im Stadtteil Saint-Germain. Ein charmanter, fast zerbrechlich wirkender Mann betreibt diesen Laden. Es ist Dominique Brulé, 74 Jahre alt und Witwer.

Brulé - das ist ein kleines Wortspiel im Namen. Denn er hat sich im Leben irgendwie verbrannt. Er hatte eine große Liebe, aber seine Frau ist sehr früh gestorben. Eines Tages hängt er ein Schild in die Ladentür: "Aushilfe für Blumengeschäft gesucht. Weitere Auskünfte hier im Laden. Trägerinnen von Blumennamen sind besonders willkommen."

Ein Job für Violeta

Eine junge Spanierin, die gerade nach Paris gezogen ist und in einer Wohngemeinschaft lebt, liest das und denkt:

Es war nicht von einem Lebenslauf die Rede, nicht von langen Bewerbungsgesprächen, aussagekräftigen Unterlagen, die man beilegen sollte, sie würde nicht hinter der Käsetheke stehen oder im Supermarkt schuften müssen. Ein Blumenladen! Sie hatte ihr Elternhaus hinter sich gelassen, beinahe könnte man sagen, dass sie geflohen war, mit den Ersparnissen von ein paar Sommerjobs, aber sie würde nicht mehr lange durchhalten, wenn sie nicht bald eine Möglichkeit fand, ihr leergefegtes Konto wieder aufzufüllen Leseprobe

Die wichtigste Bedingung erfüllt sie: Violeta ist ihr Name. Ordnungsgemäß ist Monsieur Brulé entzückt von der Anmut und Schönheit der jungen Frau, er stellt sie ein. Bald zeigt sich, dass Violeta schwanger ist, aber keinen Vater für das Kind hat. So bietet er ihr an, in die für ihn sehr einsame Wohnung über dem Laden zu ziehen. Er behütet seine Angestellte und unaufdringlich vermittelt er auch seine Lebensphilosophie:

"Ich lebe und arbeite mit Blumen. Ich versuche dafür zu sorgen, dass die Menschen ein Lächeln auf den Lippen haben, wenn sie mein Geschäft verlassen. Ich möchte keinen Tag verschwenden, ohne glücklich zu sein, denn es wäre nicht recht." Leseprobe

Ein Chanson trifft die richtige Stimmung

Noch zwei Spanierinnen, zwei ältere Damen, leben ebenfalls seit Jahren in der Nachbarschaft des Blumenladens. Sie gehören zum Kreis von Dominique Brulé. Mercedes hat immer hart für ihr Geld arbeiten müssen, sie wurde von ihrem Mann kurz nach der Hochzeit verlassen. Der Treulose hat das bald bereut und will nun Kontakt zu ihr aufnehmen, um sie um Vergebung zu bitten. Es ist nur fraglich, ob ihr Stolz und ihre gekränkte Seele das zulassen. Für eine zweite wichtige Kundin und Freundin von Monsieur Brulé spielt ein Lied ihrer Jugend eine wichtige Rolle: "Françoise Hardy: Tous les garçons ".

Die heiter melancholisch schwebende Melodie dieses Chansons von Françoise Hardy vermittelt ein wenig von der Stimmung dieses liebenswerten Romans, in dem ein paar Menschen Entscheidungen fällen, die geeignet scheinen, das Glück hienieden zu mehren. Es sind keine großen Veränderungen, aber sie helfen, Not zu verhüten oder zu mildern. Vielleicht wäre so etwas häufiger möglich als man denkt. So ist "Der Blumenladen der Mademoiselle Violeta" ein unterhaltsamen Roman auf hohem Niveau. Nahezu Seelenbalsam! 

Der Blumenladen der Mademoiselle Violeta

von
Seitenzahl:
360 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
Thiele & Brandstätter
Bestellnummer:
978-3-85179-377-2
Preis:
20 €

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