Stand: 12.12.2018 12:17 Uhr

Cornelia Funke: Die Bestsellerautorin wird 60

von Katja Weise

"Die wilden Hühner", "Der Herr der Diebe", "Tintenherz", "Reckless" - Cornelia Funke ist die international wohl erfolgreichste deutsche Kinder- und Jugendbuchautorin. 2005 zog sie von Hamburg nach Kalifornien, wo sie immer noch lebt. Am 10. Dezember wurde sie 60 Jahre alt.

Die Zahl hat keine Bedeutung für eine Frau, deren Augen so oft vor Begeisterung leuchten, deren strahlendes Lächeln mitreißend ist und die schon lange von sich sagt: Eigentlich sei sie zwischen acht und zwölf Jahre alt und keineswegs erwachsen: "Man ist erwachsen, sobald man kein Körperschlüpfer mehr ist. Das heißt, man verbietet sich, was jedes Kind tut, jederzeit in andere Gestalten zu schlüpfen."

Funkes Karriere: von "Tintenherz" bis "Reckless"

Mutig, ja furchtlos sind fast alle Figuren, die Cornelia Funke erfunden hat und in deren Körper sie beim Schreiben schlüpft: Meggie aus "Tintenherz", deren Vater Mo Dinge und Menschen aus Büchern herauslesen kann und die schließlich mit ihm in einem Buch, in der "Tintenwelt" verschwindet. Die Kinder, die sich in Venedig in einem alten Kino verstecken. "Herr der Diebe" war international der erste große Erfolg. Es wurde verfilmt, wie auch "Tintenherz" und "Hände weg von Mississippi".

Fantastische Welten mit viel Liebe zum Detail

Letzteres ist eines der wenigen Bücher von Cornelia Funke, das, wie auch die Kultreihe "Die wilden Hühner", in der realen Welt spielt: "Ich habe als kleines Kind schon immer am liebsten fantastische Bücher gelesen. Und ich glaube auch, dass, wenn man als Geschichtenerzähler geboren wird - aus was für einem Grund auch immer man das wird -, dass man diese Fabulierlust hat. Und dann arbeitet man mit der menschlichen Vorstellungskraft. Das Wunderbare an dieser Vorstellungskraft ist ja, dass sie unsere sogenannte Realität sprengen kann."

Deshalb hat Cornelia Funke ihre Welten erfunden, die keineswegs bessere, aber immer mit viel Liebe zum Detail gestaltete fantastische Welten sind. In denen aber auch Grausamkeit zunehmend eine Rolle spielt:

"Ich glaube einfach, dass, je älter man wird und je mehr man über die Welt weiß, man sagen wird: Ja, so ist sie nun mal, das kann man nicht ändern. Wir sind in diese Welt geboren, die diese seltsame Mischung aus Schönheit und Grausamkeit ist, ob das die Natur ist oder unsere eigene Zivilisation. Ich glaube, je älter man wird, desto mehr möchte man der Wahrheit der Welt näherkommen, und dazu gehört die Grausamkeit."

Vor fast zehn Jahren mit "Reckless"-Reihe begonnen

Seit beinahe zehn Jahren und drei Bänden ist Funke in die "Spiegelwelt" der "Reckless"-Reihe eingetaucht, für die sie sich inspirieren lässt durch die Märchen verschiedener Nationen und Kontinente. Der erste Band erschien gleichzeitig in mehreren Ländern, die Buchpremiere wurde in New York gefeiert. Denn das ist Cornelia Funke auch: eine kluge Geschäftsfrau, die weiß, was sie will. Sie hat ihren eigenen Verlag gegründet und schon 2013 eine Spiegelwelt-App entwickeln lassen: "Das ist für mich die wundersamste Ergänzung, also mit Illustrationen und Bildern auf eine Art zu arbeiten, wie das vom Buch her fast unmöglich ist - einfach nicht zu bezahlen. Ich möchte diese Welt so zeigen, wie ich sie sehe."

Cornelia Funke zeichnet gern selbst

Viele Zeichnungen macht Cornelia Funke, die Buchillustration studiert hat, selbst. Malen und schreiben, und das am liebsten an mehreren Büchern parallel. Vor gut einem Jahr ist sie noch einmal umgezogen, auf eine alte Avocadofarm in Malibu. Sie muss immer in Bewegung bleiben: "Ich glaube, dass ich heute ein besserer Mensch bin, als ich es mit 20 war, nicht mehr so selbstbezogen, ein bisschen netter. Aber trotzdem ist es so, dass ich nicht vorhabe, in dem Sinne älter zu werden. Ich denke, jetzt komme ich ja sogar schon in das Alter, wo man wieder kindischer wird. Von daher - mal sehen."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 10.12.2018 | 19:00 Uhr

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