Stand: 10.08.2020 08:47 Uhr

Claude Cuenis neuer Thriller über eine Pandemie

von Annemarie Stoltenberg
Cover des Buchs "Genesis - Pandemie aus dem Eis" von Claude Cueni © Nagel & Kimche
Claude Cuenis neuer Thriller beschreibt, wie Ratten auf einem Forschungsschiff ein tödliches Virus aus der Antarktis nach Europa bringen.

Der Schweizer Schriftsteller und Drehbuchautor Claude Cueni hat schon einmal einen Roman geschrieben, bei dem die Wirklichkeit seine Phantasie überholt hat. Der dritte Teil seiner Trilogie über die Geschichte des Geldes hat seinerzeit die Finanzkrise beschrieben, ehe sie sichtbar war. Nun erscheint: "Genesis - Pandemie aus dem Eis", ein Roman über eine Krise, wie wir sie zurzeit erleben, den Cueni aber verfasst hat, bevor Corona ausgebrochen ist.

Der Wissenschaftler Luis Mendelez unterhält sich mit seinem Kollegen Barry Venison über die Zukunft auf unserem Planeten:

"Barry, die WHO warnte kürzlich vor einer Post-Antibiotika Ära und rechnet für das Jahr 2050 mit zehn Millionen Toten." "Ich halte das für übertrieben. Überall auf der Welt arbeiten Labors an neuen Antibiotika…"… "Barry, machen wir uns nichts vor, das war vor zehn Jahren so. Nach Astra-Zeneca, Sanofi und Johnson&Johnson stellt nun auch Novartis die Forschung im Bereich antibakterieller und antiviraler Wirkstoffe ein und überlässt dieses Feld kleineren Firmen. Doch denen geht das Geld aus, weil sich Investoren zurückziehen. Neue Wirkstoffe gegen Krebs und chronische Erkrankungen sind lukrativer."

Luis Mendelez vermutet, dass Ratten auch Krankheiten, gegen die es irgendwann kein Antibiotikum mehr geben wird, überstehen, dass sie überhaupt die Menschheit überleben werden. Darum will er genetische Codes von Ratten in den Gencode von Menschen einbauen. Der Plan stößt international auf Widerstand. Auch sein Partner im Forschungsinstitut steigt aus.

"Nein, Luis, weil es für mich Grenzen gibt, rote Linien, ethische Normen."

Ratten gelangen auf Forschungsschiff nach London

Kurz zuvor ist das Forschungsschiff Ernest Shakleton in die Antarktis gefahren, nach Südgeorgien, eine Insel, auf der vor langer Zeit Tonnen von Gift ausgebracht wurden, um die dortige Rattenplage zu bekämpfen. Die Ratten hatten damals begonnen, sämtliche andere Tierarten zu töten. Das Eis in der Antarktis schmilzt, Viren und Bakterien werden freigesetzt und ein paar Ratten, die damals überlebt haben, gelangen an Bord des Forschungsschiffes und kommen als blinde Passagiere nach London.

Es sind wahre Virenschleudern. Schon im 14. Jahrhundert gelangten Ratten auf Handelsschiffen in die europäischen Häfen und brachten damals Pesterreger mit. Während Mendelez nach Möglichkeiten sucht, sein Genmanipulationsprojekt zu verwirklichen, bricht in London eine seltsame Krankheit aus, die offenkundig von Ratten übertragen wurde. Fieber, Übelkeit, Atemnot. Viele Menschen sterben.

Die junge Nadi ist resistent gegen Krankheitserreger

Ein weiterer Handlungsstrang erzählt die Geschichte von Nadi. Nadi ist eine schöne junge Frau, die vor ihrer Zwangsverheiratung aus ihrem Heimatdorf geflohen ist. Sie liebt Ratten. Für sie sind es heilige Wesen. Sie nennt ihre Ratte Ganesh und offenbar ist sie selbst resistent gegen den Krankheitserreger, den ihre Ratte verbreitet. Nadi gerät in die Fänge des unverdrossen weiterforschenden Mendelez. Aber es gibt da noch Hank, ein Mann, der zwar ein Schurke ist, aber er liebt Nadi und in einem atemberaubenden Showdown versucht er sie zu retten.

Claude Cuenis unaufgeregter Ton

Claude Cueni hat wieder einen rasanten, fabelhaft recherchierten Thriller geschrieben. Erstaunlich ist, dass bei aller Brisanz und Spannung, die Cueni so kunstvoll auftürmt, ein gelassener, unaufgeregter Ton die Szenerie beherrscht. Die Umstände sind so, wie sie sind. Hysterie macht es nicht besser. Das scheint, wenn es denn eine gibt, die Botschaft dieses Romans zu sein.

Genesis - Pandemie aus dem Eis

von Claude Cueni
Seitenzahl:
304 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
Nagel & Kimche
Bestellnummer:
978-3-312-01192-6
Preis:
24,00 €

Dieses Thema im Programm:

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