Stand: 02.12.2019 10:22 Uhr  - Bücherjournal

Persönlicher Blick auf die Obamas

Hope, Never Fear
von Callie Shell
Vorgestellt von Andreas Krieger

Für die einen ist Barack Obama die Nummer 44, für die anderen der Messias - der erste afroamerikanische Präsident. So viel Hoffnung lastete auf ihm, dass er eigentlich nur scheitern konnte. Tat er aber nicht. "Das Amt des Präsidenten ändert dich nicht. Es zeigt, wer du wirklich bist", sagt die Fotografin Callie Shield. "Und das kann eine gute Sache sein - oder wie wir es derzeit sehen - eine schlechte."

Kurze Momente des Privaten

Callie Shell fotografiert Barack Obama bereits, als er noch nicht der 44. Präsident der USA war. 2004 lernt sie ihn kennen, zuvor war sie acht Jahre lang die offizielle Fotografin von Al Gore. Obama und Shell freunden sich an. Sie begleitet die Obamas bei Wahlkämpfen und besucht sie immer wieder zu Hause. Ihr Bildband liefert einen persönlichen Blick auf die Obamas: Fotos in Wahlkampfbussen, beim Abwasch, aber natürlich auch im Weißen Haus. Große Inszenierungen sind darin zu sehen, vor allem aber kurze Momente des Privaten, denn Shell kam den Obamas nahe.

"Hope, Never Fear" gibt Einblick in das Eheleben

Callie Shell erinnert sich an den Morgen der Vorwahlen im Januar 2008, als sie mit den Obamas in New Hampshire unterwegs ist. "Sie fahren in einem Bus. Und sie haben nur 20 Minuten zusammen, dann werden sie wieder getrennte Wege gehen. Sie fangen also an, gemeinsam die Zeitung zu lesen. Ich liebe es, wie er die Zeitung liest und sie so entspannt ihren Kopf an seinen lehnt und dann einschläft. Sie hatten diesen privaten kleinen Moment."

Augenblicke vor dem Amtseid geht Michelle noch mal alle Abläufe mit ihm durch. Sie ist in Chicago South Side aufgewachsen - Mittelklasse. Sie verleiht ihm Glamour - und hält ihn auf dem Boden. "Das ist der 12. oder 13. Ball, auf dem wir in der Nacht der Amtseinführung waren. Sie waren im Aufzug. Ich liebe Aufzüge, weil ich dort in Ruhe Fotos machen kann. Er sagt ihr: 'Ich bin so stolz auf mich, weil ich nicht auf dein Kleid getreten bin, nicht ein einziges Mal.' Sie fand das lustig: 'Ist das deine größte Leistung heute, die Tatsache, dass du nicht auf mein Kleid getreten bist?' - 'Ich hätte den Eid vermasseln können, aber wenn ich dein Kleid ruiniert hätte, dann hätte ich richtig Ärger gehabt.'"

Momente der Einsamkeit

Ärger hat Obama in seiner Amtszeit genug. Er erbt von seinem Vorgänger George W. Bush viele Probleme. Armut in der Unterschicht, Terror weltweit, viele Soldaten im Krieg, die Autoindustrie in der Krise. Fotografin Callie Shell ist auch in den Momenten dabei, in denen es an die Substanz geht: Die Einsamkeit. "Obama kann sehr gut schlechte Nachrichten aufnehmen und zuhören. Ich habe ein Foto gemacht, wo er sich in einem Stuhl im Kabinettsraum zurücklehnt. Sie haben ihm gerade gesagt, dass es um die Wirtschaft dreimal so schlimm steht, wie er es sich jemals vorgestellt hätte. 'Nein, Sie werden nicht in der Lage sein es zu lösen.' - 'Können wir das in einem Jahr lösen?' Und die Berater sagen: 'Nein, Sie können das nicht mal in vier Jahren lösen.' Er brüllt dann aber nicht. Er schreit nicht, er wirft nichts herum. Er verharrt dann, nimmt alles in sich auf", erzählt Callie Shell. "Seine Art wütend zu werden und den Druck zu verarbeiten: Er hört zu, nimmt es in sich auf und denkt nach."

Die Menschen sehnen sich nach ihm

Obama ist der, nach dem sich der Westen gesehnt hat. Über 200.000 Menschen kommen 2008 zur Siegessäule in Berlin, um Obama sprechen zu hören. Da war er noch gar nicht Präsident. "Die Geschichte erinnert uns daran, dass Mauern niedergerissen werden können. Aber die Aufgabe ist nie einfach. Wirkliche Partnerschaft und wirklicher Fortschritt erfordern konstante Arbeit und andauernde Opfer."

Obama weiß, wie man für Augenblicke Nähe herstellt. Sein Eis kauft er sich selbst. Callie Shell erinnert sich eine Szene 2006 im US-Staat Illinois - Shake Hands direkt ins Auto: "Wir blieben auf einem Parkplatz stehen. Er stieg aus und plötzlich ließ das Auto das Fenster runter und sie sagten: 'Hey, sind Sie nicht unser Senator? Sie sind doch der junge Mann, der diese Rede gehalten hat.' Sie konnten sich noch nicht mal an seinen Namen erinnern. Was ich an diesem Foto liebe, ist, dass man diesen Moment nie mehr sehen wird. Es gibt keine Mitarbeiter, keinen Geheimdienst, keine Autokolonne."

Populär, aber kein Populist

Sie fotografiert Barack Obama auch beim Abspülen in der Küche. Damit ist er sehr einverstanden. Eine Inszenierung, natürlich. Aber um ein schönes, friedliches Bild bemüht zu sein, wem soll das schaden? Barack Obama ist populär, kein Populist. So sagte Obama selbst: "Ihnen ist vielleicht aufgefallen, dass der nächste amerikanische Präsident und ich nicht unterschiedlicher sein könnten. Wir haben sehr unterschiedliche Ansichten, aber die amerikanische Demokratie ist größer als einzelne Personen."

Talent, Menschen zusammenzubringen

Bis heute hält sich Obama mit Kommentaren zum Nachfolger zurück. "Die Obamas hatten nicht nur Respekt für das Amt, sondern für das ganze Land", sagt Callie Shell. "Das Talent, die Menschen zusammenzubringen. Es ist so schmerzhaft die Entfremdung zu sehen. Die Obamas haben alle Menschen umarmt, jedes Geschlecht, alle Hautfarben. Und die meisten vermissen das."

Bildband "Hope, Never Fear" über die Obamas

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"Das Amt des Präsidenten zeigt, wer du wirklich bist", sagt die Fotografin Callie Shell, die Michelle und Barack Obama über Jahre begleitet hat. Ihre Fotos zeigen Momente des Privaten.

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Hope, Never Fear

von
Seitenzahl:
232 Seiten
Genre:
Bildband
Verlag:
Elisabeth Sandmann
Bestellnummer:
978-3-945543-66-5
Preis:
25 €

Dieses Thema im Programm:

Bücherjournal | 04.12.2019 | 00:00 Uhr

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