Stand: 16.08.2019 11:40 Uhr

Lesen für alle: 100 Jahre Bücherhallen-Stiftung

von Jens Büchsenmann

Hamburgs größter Kulturbetrieb feiert Geburtstag. Die Bücherhallen-Stiftung wird 100 Jahre alt. Fast fünf Millionen Besucherinnen und Besucher kommen jedes Jahr in die Zentralbibliothek am Hühnerposten und in die 32 Stadtteil-Bibliotheken. Am Freitag gab es einen Senatsempfang mit Hamburgs Erstem Bürgermeister Peter Tschentscher. Am Sonnabend wird das Jubiläum mit einem Aktionstag und mehr als 100 Veranstaltungen gefeiert.

Die Zentralbibliothek der Hamburger Öffentlichen Bücherhallen

100 Jahre Bücherhallen

Hamburg Journal -

Knapp fünf Millionen Besucher im Jahr zählen die vor 100 Jahren gegründeten Öffentlichen Bücherhallen in Hamburg. Das Jubiläum feiern die Bücherhallen mit zahlreichen Aktionen.

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Die Jubilarin ist längst im Heute angekommen und hat sich in 100 Jahren immer wieder neu erfunden. Fünf Millionen Kunden nutzen das Unterhaltungs- und Bildungsangebot der Bücherhallen im Jahr. Mehr als 400 Mitarbeiter sorgen dafür, dass das auch klappt.

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Die scheidende Bücherhallen-Chefin Hella Schwemer-Martienßen (r.) übergibt ihr Amt am 17. August an ihre Nachfolgerin Frauke Untiedt (l.).

Seit 25 Jahren an der Spitze: Hella Schwemer-Martienßen. "Bücherhallen sind die Informations-Spezialisten schlechthin", findet sie. "Wenn wir nicht das Avantgarde-Material zur Verfügung stellen, dann können wir unsere Türen zumachen. Man erwartet natürlich auch das Buch, aber wir müssen auch Medienkompetenz auf höchstem Niveau anbieten."

Lesen im digitalen Zeitalter

Entsprechend zeitgemäß präsentiert das Jubiläumsprogramm neben der Soulsängerin Meo die ganz junge Band Chasing Cookies. Die kennt nur, wer auf Instagram unterwegs ist. Auch für die Kleinsten, die noch nicht selbst lesen können, hat sich viel verändert. So gibt es für eine Reihe von Sachbüchern spezielle Stifte. Hält ein Kind den Stift auf ein Bild, wird eine Erklärung oder ein passendes Geräusch abgespielt. Am Computer können Kinder kreativ werden und mithilfe einfacher Software selbst programmieren, etwa Alltagsgegenstände in Musikinstrumente verwandeln. "Nehmt in die eine Hand die Banane und berührt mit der anderen die Knetkugeln und schon kann das Musizieren losgehen", erklärt das Computerprogramm den Kindern.

Begegnungszentrum mit Gratis-WLAN

Es ist unüberhörbar: Die Bücherhallen haben sich in den hundert Jahren dramatisch gewandelt. Aus der Bücherstube um die Ecke, wo man liest und ausleiht, ist ein Begegnungszentrum mit Gratis-WLAN für alle geworden, wo man surft und chattet und seine E-Mails schreibt. Die Bücherhallen sind längst in der digitalen Welt angekommen.

Besucher freuen sich über offene Türen

"Ich fühle mich hier wie zu Hause", sagt eine Besucherin über die Bücherhallen. Viele Menschen halten sich gern hier auf, ob in der Freizeit oder zum Arbeiten. "Es ist super, wenn man auch einmal vor oder nach der Arbeit hier hingehen kann, wenn man kurz Zeit hat." Eine weitere Besucherin erklärt:"Ich nutze das hier zum Arbeiten, auch wenn es manchmal natürlich lauter ist."

Interview
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"Wir sind das größte Wohnzimmer der Stadt"

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Die Bücherhallen Hamburg sind der größte Kulturbetrieb in Hamburg. Nun feiern sie 100-jähriges Stiftungsjubiläum. Hella Schwemer-Martienßen stand 25 Jahre an der Spitze der Bücherhallen. mehr

Ein Treffpunkt in guter Atmosphäre

"Eine gute Atmosphäre ist wichtig", betont Schwemer-Martienßen. "Hier sind Räume des Ausgleichs. Bei uns treffen sich wirklich Menschen aller Generationen, Ethnien, Kulturen und Geschlechter und das ist wunderbar." Die Direktorin, die zeitgleich mit dem Fest an ihre Nachfolgerin übergibt, nennt ihre langjährige Wirkungsstätte den dritten Ort neben Wohnen und Arbeiten. "Bibliotheken sind die dritten Orte schlechthin, weil man ohne Ausweis dort hineingehen kann, sich frei bewegen darf und tun kann was man möchte", beschreibt Schwemer-Martienßen das offene Konzept, das so viele Menschen anlockt.

Kirsten Boie fordert mehr Lesekompetenz

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Die erfolgreiche Kinderbuchautorin Kirsten Boie wird beim Aktionstag aus ihrem Buch "Vom Fuchs, der ein Reh sein wollte" vorlesen.

Hinter den Kulissen flitzen im komplett digitalisierten Verteilzentrum die Bücher und Datenträger aller Art hin und her: 4.000 sind es pro Tag. Und doch wird gelesen wie eh und je. Beim Jubiläumsfest sind Vorleser gefragt wie Kirsten Boie, die prominente Kämpferin dafür, dass alle Kinder lesen können. "Es ist ja beschämend, dass Deutschland von 53 Ländern dasjenige ist, bei dem die Lesefähigkeit am stärksten von der sozialen Herkunft abhängig ist. In einem Land, dessen wichtigste wirtschaftliche Ressource Bildung ist, darf das nicht so sein", findet die erfolgreiche Kinderbuchautorin.

Und das ist natürlich auch ganz im Sinne der künftigen Direktorin der Hamburger Bücherhallen Frauke Untiedt, die an die erfolgreiche Arbeit ihrer Vorgängerin anknüpfen möchte.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 16.08.2019 | 09:20 Uhr

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