Stand: 13.03.2018 00:01 Uhr

Buchbox: Schatztruhe mit Überraschungsfaktor

von Katharina Mahrenholtz

Die Zahl der Buchkäufer geht zurück - eine Tatsache, die im Vorfeld der Leipziger Buchmesse die Branche bewegt. Den beunruhigenden Zahlen zum Trotz gibt es gerade unter den jungen Menschen viele, die das Lesen regelrecht feiern. Sie ordnen ihre Bücher nach Farben und dekorieren die Regale mit Fanartikeln rund um ihre Literaturhelden. Für diese Lesefreaks gibt es einen neuen Trend: Buchboxen.

Man sammelt "buchige" Accesoires

Wencke Woizeck ist ein bisschen aufgeregt. Zum ersten Mal hat sie sich eine "Fairy Loot" bestellt, eine der begehrtesten Buchboxen aus England. Dort und in den USA sind Buchboxen schon länger ein Trend. Zielgruppe sind vor allem junge Frauen, die für Fantasy-Literatur brennen. In dieser Szene liest man nämlich nicht nur, nein, man sammelt "buchige Accessoires" wie "Funko Pops" - kleine Plastikfiguren, die Charakteren wie Harry Potter nachgebildet sind - oder Buchkerzen. Ja, die gibt es wirklich - "meist unter den englischen Begriff bookish candle, aber die meisten kennen es wirklich und viele haben auch ganze Regale damit voll", erläutert Wencke.

Auch in der lila Fairy-Loot-Box ist eine Kerze, außerdem Socken, ein Lesezeichen, natürlich ein Buch samt schicker Schutzhülle und - Wencke freut sich - "eine Tasse, von allen möglichen Grimms Märchen inspiriert!"

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Der Überraschungsfaktor der Buchboxen ist hoch.
Alles andere ist Überraschung

Denn jede Buchbox steht unter einem bestimmten Thema, das der Käufer vorher kennt. Alles andere ist eine Überraschung. In Amerika und England gibt es zig Anbieter - einige richtig berühmte wie Fairy Loot oder Owlcrate. Sie lassen sogar extra Accessoires mit dem Firmenlogo anfertigen. "Das ist das Besondere bei den Boxen: Das sind alles Dinge, die man nur bekommt, wenn man diese Box bestellt. Und die sind immer sehr limitiert."

Buchboxen auch in Deutschland

Diesen Kultstatus haben deutsche Buchboxen-Anbieter noch nicht erreicht. Aber es gibt inzwischen einige, zum Beispiel Annika Dick, die monatlich etwa 80 Buchfreaks mit ihrer "Lesekatzen-Box" beglückt. Sie fand die Idee aus den USA gut und hatte einfach Lust, selbst solche Boxen zusammenzustellen: "Ich war schon immer so ein Weihnachtsfan. Geschenke machen und sehen, dass es anderen gefällt, so war auch das mit den Boxen", sagt sie. Reich werden könne man damit nicht, beteuert Annika Dick, es sei eher ein Hobby, das sich gerade eben selbst trägt.

Buchpreisbindung reduziert Möglichkeiten

Wenn sie ein Thema gewählt hat, durchstöbert Annika Dick das Internet nach passenden Gimmicks. Sie versucht dabei, auch deutsche Kleinunternehmer zu unterstützen, zum Beispiel als sie Schneeflocken-Ketten einer befreundeten Schmuckhändlerin für die "Winter"-Box auswählte. Allerdings hat sie - wie alle deutschen Anbieter - wegen der Buchpreisbindung weniger Möglichkeiten: "Meine Box kostet 29,95. Wenn das Buch 19,95 kostet, bleiben noch 10 Euro für den Rest. Das war auch ein Kritikpunkt am Anfang: 'Boah, die ist so teuer und da ist viel weniger drin als in den englischen Kisten' - ja, aber die kriegen auch die Bücher günstiger."

Deswegen bestellen Hardcore-Fans wie Wencke ihre Boxen lieber in England oder Amerika - obwohl sie wegen der immensen Versandkosten dann etwa 40 Euro hinblättern muss: "Das finde ich in Ordnung für richtig schöne Items, die es nur in dieser Box gab. Ich bin extrem zufrieden. Ein superschönes Überraschungsgeschenk, was ich mir selbst gemacht habe."

Die Lesebox - mehr als "nur" ein Buch

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