Stand: 22.12.2017 00:01 Uhr

Buch-Tipps: Familienromane fürs Fest

von Katharina Mahrenholtz

Für viele ist Weihnachten die Gelegenheit, mal wieder die ganze Familie zu versammeln. Manche freuen sich drauf, andere fürchten sich davor. In jedem Fall sind Familienromane die passende Lektüre für diese Tage. Hier sind vier sehr unterschiedliche Bücher dieses Genres.

"Das Licht der Insel" von Jean Pendziwol

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"Das Licht der Insel" von Jean Pendziwol ist im Penguin Verlag erschienen und kostet 10 Euro.

Der Roman beginnt in der Gegenwart: Elisabeth hängt im Garten eines Pflegeheims ihren Gedanken nach, als ein aufsässiges Teenie-Mädchen anrückt: Morgan, die den Zaun mit Graffiti besprüht hat und nun alles sauber machen muss. Ganz allmählich fasst Morgan Vertrauen zu Elisabeth und erzählt von ihren Problemen. Elisabeth wiederum bittet das Mädchen, ihr aus dem Tagebuch ihres Vaters vorzulesen. Der war Leuchtturmwärter auf einer kleinen, kargen Insel. Elisabeth und ihre Zwillingsschwester wuchsen dort in völliger Abgeschiedenheit auf, zusammen mit den Eltern und dem großen Bruder Charles. Doch eines Tages geschah ein schreckliches Unglück. Die Autorin schreibt abwechselnd aus Elisabeths und Morgans Perspektive, dazu kommen die Tagebucheinträge - so entsteht eine sehr dichte Geschichte mit unterschiedlichen Stimmungen. Aktuelle Teenager-Sorgen, das raue Leben mit der Natur, die letzte Lebensstation im Altenheim - die Übergänge sind manchmal hart, aber immer stimmig. Ein gelungenes Romandebüt mit einem überraschenden Ende. 

"Preiselbeertage" von Stina Lund

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"Preiselbeertage" von Stina Lund von Rowohlt kostet 12,99 Euro.

Arianes Eltern stammen aus der DDR, sind aber nach der Wende nach Schweden gezogen, wo Ariane und ihre Schwester geboren und aufgewachsen sind. Direkt nach der Schule ist Ariane, die sich nie gut mit ihrer Mutter verstanden hat, nach Leipzig gegangen und arbeitet dort als Fernsehjournalistin. Als ihr Vater stirbt, fährt sie nach Schweden zur Beerdigung - und erfährt, dass er ihr und ihrer Schwester ein Manuskript vererbt hat, das allerdings unauffindbar ist. Ariane beißt sich fest an dem Gedanken, dass in diesem Manuskript entscheidende Dinge stehen, die ihr eigenes Leben betreffen. Sie fühlt sich schon immer irgendwie heimat- und orientierungslos - und vermutet die Gründe in der Vergangenheit. Warum haben die Eltern Deutschland damals überhaupt verlassen? Auch wenn die Geschichte insgesamt ein bisschen ins Kitschig-Banale abrutscht, Stina Lund kann schreiben und die gute Idee, die man hier nicht verraten darf, fesselt den Leser bis zum Schluss.

"Rimini" von Sonja Heiss

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"Rimini" von Sonja Heiss ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen und kostet 16,99 Euro.

Wie passend: Weihnachten steht bevor, die Familie will zusammen feiern. Das sind Barbara und Alexander, seit über 40 Jahren verheiratet, Sohn Hans - erfolgreicher Anwalt - seine Frau Ellen plus zwei Kinder. Außerdem Tochter Masha, das schwarze Schaf. Mit fast 40 treibt sie immer noch orientierungslos durch Leben und Beziehung. Schon nach wenigen Seiten wird klar, dass Masha nicht das einzige Problem in dieser Familie ist. Barbara und Alexander leben zähneknirschend aneinander vorbei, Hans und Ellen zerreiben sich im Alltag zwischen Job, Erziehungsfragen und falschen Erwartungen. Außerdem hat sich Hans in seine Psychoanalytikerin verliebt und steht kurz davor, seinen Job zu verlieren. Sonja Heiss beschreibt diese desaströse Gesamtlage mit wunderbar schwarzem Humor - dabei werden auch diverse Klischees bedient, aber nie so kitschig wie sonst in solchen Romanen.

"Marlenes Geheimnis" von Brigitte Riebe

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"Marlenes Geheimnis" von Brigitte Riebe aus dem Diana Verlag kostet 19,99 Euro.

Nane ist Anfang dreißig und nicht gut drauf. Sie leidet am Leben und an sich selbst. Als sie zur Beerdigung ihrer Großmutter Eva an den Bodensee reist, trifft sie dort nicht nur ihre exaltierte Mutter Vicky, sondern auch ihre Tante Marlene, eine schroff-resolute Frau, die nun die Geschäfte der Mutter führt. Eva hatte sich kleine Schnapsbrennerei aufgebaut, die zu einem florierenden Unternehmen wurde. Vicky und Marlene haben sich nie verstanden - und Nane gerät mal wieder zwischen alle Fronten. So weit, so konventionell. Wenn man aber die leicht trutschigen und sehr vorhersehbaren ersten Kapitel (Nane findet angefahrenen Hund, trifft attraktiven Tierarzt) überwunden hat und zum Kern des Buches vordringt, dann bekommt man eine anrührende Geschichte über Verlust von Heimat, Vertreibung, Flucht und Neuanfang. Eva hat den Krieg im Sudetenland erlebt, ihre große Liebe verloren und musste 1945 fliehen. Nach harten Jahren des Entbehrens konnte sie sich am Bodensee eine neue Existenz aufbauen - und ihre großes Geheimnis bewahren. Erst in einem Brief, den sie vor dem Tod an ihre Enkelin Nane geschrieben hat, kommt alles ans Licht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 22.12.2017 | 10:55 Uhr

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