Stand: 19.12.2019 12:40 Uhr  - NDR Kultur

Mord am Heiligabend

Die Morde von Mapleton
von Brian Flynn, aus dem Englischen von Barbara Först
Vorgestellt von Katja Lückert
Brian Flynn: "Die Morde von Mapleton" © DuMont
Flynns Krimi "Die Morde von Mapleton" ist eine Detektivgeschichte im klassischen Stil.

Brian Flynn gehört wie Agatha Christie und Sir Arthur Conan Doyle zu den Vertretern des Goldenen Zeitalters des britischen Detektivromans. Flynn lebte von 1885 bis 1958 und hat mehr als 50 Romane geschrieben. Viele drehen sich um seinen Seriendetektiv Anthony Bathurst - ein netter Kerl, kaum manieriert, von starkem Charakter. Krimifans lernen hier einen neuen Ermittler kennen, denn der DuMont-Verlag veröffentlicht den Roman erstmals in deutscher Übersetzung.

Drei Detektive wollen einen Fall lösen

Aber auch in England wird der Autor gerade wiederentdeckt. Seine Bücher sind dort in einer aufwendig gestalteten Reihe neu herausgekommen. Gleich drei Detektive, neben Bathurst dessen Scotland-Yard-Kollege Sir Austin Kemble und der lokale Polizist Inspektor Craig, machen sich an den äußerst komplizierten Fall, der dem beschaulichen Örtchen Mapleton ausgerechnet zur Weihnachtszeit mehrere Todesfälle beschert.

Wir sind in Vernon House beim festlichen Weihnachtsdinner. Der Hausherr Sir Eustace Vernon hat seine engsten Freunde eingeladen, doch bereits seine Ansprache vor dem Abendessen hat einen leicht morbiden Unterton:  

"Lassen Sie uns noch einmal anstoßen, Ladies und Gentlemen, bevor die Damen uns verlassen! Ein Toast, den wir zu Weihnachten, wie ich meine, stets ausbringen sollten. Ich möchte Sie alle bitten", begann er in gemessenem Ton, "Ihre Gläser zu erheben und auf die 'leeren Stühle' anzustoßen. Auf jene Lieben, die einst unter uns weilten, nun jedoch 'das Zeitliche gesegnet' haben, denn das wird uns allen eines Tages widerfahren." Leseprobe

Ein Todesfall in einer eigentlich friedvollen Zeit

Auf einmal geht es Vernon selbst nicht gut. Er bittet seine Gäste, Billard, Bridge und Sherry ohne ihn zu genießen und zieht sich zurück. Noch am selben Abend wird er tot aufgefunden, allerdings nicht in seinem Haus, sondern an einem Bahnübergang, vom Zug überrollt.

Die beiden natürlich rein zufällig in der Weihnachtsnacht im Auto vorbeireisenden Inspektoren von Scotland Yard, Austin Kemble und Anthony Bathurst, denken zunächst an einen Selbstmord. Die Konstellation ist klassisch: Alle Verdächtigen befinden sich an einem abgeschiedenen Ort, und eigentlich muss einer von ihnen der Täter sein.

Doch plötzlich nimmt die Geschichte eine ganz andere Wendung. Der eilig ins Haus gerufene Dorfpolizist Inspektor Craig sieht sich mit einem weiteren Verbrechen konfrontiert, denn auch der Butler lebt nicht mehr. Dr. Carrington, Arzt und Freund des Hausherrn, hat dabei eine erstaunliche Entdeckung zu vermelden:

"Bevor Sie, Dr. Tempest, die Leiche untersuchen und Sie Inspektor, anfangen Fragen zu stellen, muss ich Ihnen etwas sehr Wichtiges mitteilen, etwas Wichtiges und zugleich Erschreckendes. Ich habe es eben erst herausgefunden. Bei dieser Leiche handelt es sich um eine Frau." Leseprobe

Eine tadellose Gesellschaft, aber jeder ist verdächtig

Die Abendgesellschaft ist ein Abbild der besseren Gesellschaft von Mapleton. Neben dem Arzt, dem Pfarrer und dem Bürgermeister sind auch die Nichte des Hausherrn, Helen, und ihr Freund zugegen. Eustace Vernon hat sich, seit er in Mapleton lebt, nur als tadelloses Mitglied dieser Gesellschaft gezeigt, mildtätig und zuletzt sogar tatkräftig - bei der Rettung eines Dutzends hilfloser Kinder aus einem brennenden Haus.

Warum sollte ausgerechnet er aus dem Leben scheiden wollen? Oder warum sollte ihn jemand ermorden? Und wer hat jene als Butler verkleidete Frau auf dem Gewissen? Die Auflösung und somit die Wiederherstellung der Ordnung durch die Ermittler ist überraschenderweise schon sehr bald gelungen und macht wegen der staunenswerten Verwicklungen, die Brian Flynn gestrickt hat, richtig Spaß. Inspektor Craig fasst die Fakten zusammen:

"Ladies und Gentlemen", begann er, "vor einer guten Woche waren Sie in diesem Haus bei dem verstorbenen Sir Eustace Vernon zu Gast. Es ist, glaube ich, nicht nötig, noch einmal die Art und Weise zu schildern, wie er zu Tode kam. Persönlich glaube ich, dass wir Ihnen eine Erklärung schulden, denn jeder von Ihnen stand, zumindest für eine gewisse Zeit, unter Verdacht." Leseprobe

Ein Buch für Freunde des Detektivromans

Das Genre des Weihnachtskrimis nutzt den an Weihnachten umso drastischer wirkenden Einbruch des Verbrechens in eine vermeintlich friedvolle Zeit. Dass zudem eine Reliquie, nämlich das größte bekannte Fragment des Heiligen Kreuzes Christi, aus dem Tresor von Eustace Vernon gestohlen wurde, ist eine Zugabe des Autors zum Fest. Freunde des klassischen Detektivromans in gediegener Atmosphäre kommen unbedingt auf ihre Kosten.

Die Morde von Mapleton

von
Seitenzahl:
318 Seiten
Genre:
Krimi
Verlag:
DuMont
Bestellnummer:
978-3-8321-8106-2
Preis:
18,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 20.12.2019 | 12:40 Uhr

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