Stand: 14.04.2018 19:30 Uhr

"Bittersweet - Die Bilderwelten des Noma Bar"

Bittersweet - Die Bilderwelten des Noma Bar
von Noma Bar
Vorgestellt von Stefanie Groth

Sein künstlerisches Schaffen fing mit großer Sprachlosigkeit an - doch das überwand er schnell und heute, mit 45 Jahren, ist Noma Bar längst einer der renommiertesten Illustratoren der Welt. Selbst wenn Sie ihn noch nicht bewusst wahrgenommen haben, haben Sie mit großer Wahrscheinlichkeit schon mal eine seiner Bildzeichnungen gesehen: auf einem Buchcover von Haruki Murakami zum Beispiel oder auf einem Titel des Magazins "The Economist". Noma Bar hat mehr als 100 Magazin-Cover gestaltet und über 500 Illustrationen veröffentlicht. Für seinen einzigartigen Stil ist er vielfach ausgezeichnet worden. Nun erscheinen seine Bilderwelten in einem umfassenden Gesamtwerk erstmals in Deutschland, im Bildband "Bittersweet".

Einblicke in "Bittersweet"

Ein Bild, eine Geschichte

Als junger Mann Mitte 20 kommt Noma Bar damals aus seiner Heimat Israel nach London. Er ist gelernter Typograf und muss feststellen, dass kaum jemand etwas mit seiner Kunst aus hebräischen Schriftzeichen anfangen kann. Aus dieser Sprachlosigkeit heraus, erfindet Noma Bar sich und seine Kunst neu. Und damit das Erzählen in grafischen Geschichten.

Das Profil von Bob Dylan, simpel gehalten, reduziert auf die Farben schwarz und weiß: schwarze Haare und Sonnenbrille, Konturen, weißes Gesicht, die Haarspitzen locken sich zu Notenschlüsseln, der Mund in Form einer Mundharmonika - und die Sonnenbrille? Eine Gitarre. Nicht irgendeine Gitarre, sondern die berühmte Fender Stratocaster, die einigen Fans übel aufstoßen dürfte. Als Dylan diese E-Gitarre 1965 erstmals beim Newport Folk Festival spielt, erntet er Buhrufe. Viele Fans werfen ihm vor, er verrate seine Wurzeln. Dylan ist darüber so erbost, dass er erst 2002 wieder bei dem Festival auftritt. Eine Geschichte in einem Bild.

Der 45. Präsident der USA - Donald Trump. Ein Geschenk für jeden Porträtzeichner und Illustrator, mit der markanten Frisur und dem rüpelhaften Gebaren. Noma Bar zeichnet Trump für den "Guardian": fleischiges Gesicht, verkniffener Blick, knirschende Zähne. Zähne, die zugleich aussehen wie eine geballte Faust. Ein Bild, eine Geschichte.

Esperanto für das Auge

Noma Bar findet damals in London seine ihm ganz eigene künstlerische Sprache: Bilder und Zeichen aufs Minimum reduziert. Eine Art Esperanto für das Auge. Bar findet zu seinem Stil, in dem er sich auf das besinnt, was er bereits als Kind getan hat. Er malt, alles und ständig. Bereits mit acht, neun Jahren zeichnet er Nachbarn und Menschen in seiner Umgebung. Den Geschäftspartner seines Vaters, zum Beispiel, dessen Zähne den Börsenkurs darstellen. Und genau so tut er es heute: Geschichten, die sich in einem Bild, in einem Gesicht erzählen. Geschichten, die auch stets Ironie, Hintersinn oder Gesellschaftskritik in sich tragen.

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Bob Dylan mit der markanten Stratocaster-Kopfplatte als Sonnenbrille.

Akkurate Frisur, Perlenohrring und Kette - ohne Zweifel ein Porträt von Prinzessin Diana. Ihr Gesicht hebt sich ab gegen eine überdimensionale Fotokamera. In Bars Zeichnung weint Prinzessin Di. Ihr weinendes Auge ist ein umgekipptes, zerschrottetes Auto, aus dem Blut läuft. Ein Mahnmal dafür, dass gerade diejenige, die es lange Zeit bestens verstand, Boulevardpresse und Öffentlichkeit für sich zu nutzen, am Ende daran zugrunde ging. Eine Geschichte, ein Bild.

Aus Krieg wird Kunst

In Israel 1973 geboren und aufgewachsen, ist Bar vom ständigen Kriegszustand geprägt. Und die Konflikte verfolgen ihn bis nach London. Als er sich 2013 bei einem Waldspaziergang zufällig mit einem Iraner unterhält, wird ihm klar, dass dieses Gespräch zwischen ihnen nie im jeweiligen Heimatland hätte stattfinden können. Er bittet Menschen aus Ländern, die in Konflikte verstrickt sind, ihm Material zuzuschicken. Material, dass etwas über diese Länder aussagt. Und er bekommt reichlich davon. So entsteht das Kunstprojekt: Cut the Conflict.

Eine Schokoladentafel aus dem Iran, neben einer Schallplatte aus den USA. Palästinensertuch neben israelischer Flagge. Daraus entsteht beispielsweise das Gesicht eines Soldaten mit Helm, das zugleich zur Taube wird. Der Arm eines Mannes mit Gewehr im Anschlag formt ein Herz. Noma Bar macht so aus ursprünglichen Kriegssymbolen ein Friedensmotiv.

Fragezeichen, Sprachlosigkeit, Unverständnis. Gefühle, die angesichts der angespannten weltpolitischen Lage immer häufiger in einem aufkommen. Wir suchen regelrecht nach Vermittlern, nach universal verständlichen Erklärungen und Bildern. Genau das gelingt Noma Bar mit seiner grafischen Kunst. Eine Zeichensprache, so reduziert, dass sie in jeder Sprache verständlich ist und mehr sagt als tausend Worte. Mit seiner Kunst macht er uns deutlich: Alles ist miteinander verbunden, bedingt sich gegenseitig, geht ineinander über. Yin und Yang. Gut und Böse. Bitter und Süß.

Bittersweet - Die Bilderwelten des Noma Bar

Seitenzahl:
400 Seiten
Genre:
Bildband
Verlag:
Knesebeck
Preis:
39,95 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 15.04.2018 | 17:40 Uhr

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