Stand: 25.04.2019 11:00 Uhr

Afrikas Sklavenmarkt in vorkolonialer Zeit

Die Frauen von Salaga
von Ayesha Harruna Attah, aus dem Englischen von Christiane Burkhardt
Vorgestellt von Amelia Wischnewski
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Ayesha Harruna Attah erzählt die Geschichte der Ghanaerin Aminah. Sie soll auf dem Sklavenmarkt verkauft werden.

Mit ihrem Roman "Die Frauen von Salaga" stellt sich die ghanaische Autorin Ayesha Harruna Attah erstmals dem deutschen Publikum vor. Ganz unerfahren ist die Schriftstellerin aber nicht: Auf dem englischsprachigen Markt ist dies bereits ihr dritter Roman. Attah hat in den USA studiert und lebt heute mit ihrer Familie im Senegal. Ihr Buch "Die Frauen von Salaga" ist von dem Schicksal einer ihrer Vorfahren inspiriert.

Es ist die Geschichte zweier Frauen im vorkolonialen Ghana: Aminah, die als Sklavin verkauft wird, und Wurche, die Aminah irgendwann besitzt. Die beiden Frauen unterscheiden sich nicht nur in ihrem sozialen Stand: während Wurche politische Ambitionen hegt - sie ist ehrgeizig und eckt an allen Seiten an -, träumt Aminah in den Tag hinein.

"Aminahs Charakter basiert auf meiner Ur-Ur-Großmutter", erzählt die Autorin. "Eine Frau, die meine Familie nur 'die Sklavin' nennt. Als ich das zum ersten Mal gehört habe, hat mich das gleichermaßen abgestoßen wie auch fasziniert. Mein Vater hat mir dann erzählt, dass sie aus einem Ort kam, der heute entweder in Burkina Faso, Mali oder Niger liegen müsste. Und dass sie schön war. Mehr wusste er nicht."

Suche nach Information über Sklavenhandel an der Goldküste

Attah liest sich ihr Wissen über Sklavenhandel an der Goldküste schließlich an, als sie in ihrer eigenen Familie auf Unkenntnis und Schweigen stößt. Im Gegensatz zu den relativ gut dokumentierten Königsfamilien wurde zu den mittellosen Sklaven allerdings nicht viel schriftlich festgehalten. In "Die Frauen von Salaga" lässt Attah ihre Figur Aminah dann aus der Innensicht erzählen, wie sie ihren eigenen Verkauf erlebt.

Er führte Aminah zu einem Baum, fesselte sie an den Knöcheln und zeigte auf einen großen Stein. "Bitte", flehte Aminah. "Bitte, zieh mir etwas an. Bitte, alles, nur das nicht." Er sagte nichts mehr. Andere Sklavenräuber brachten ihre Gefangenen und ließen sie neben ihr Platz nehmen. Sie senkte den Kopf und betrachtete ihre Brüste, ihr schwarzes, buschiges Dreieck. Seit sie aus Botu weggemusst hatte, hatte sie sich noch nie derart nackt gefühlt. Leseprobe

Vorkenntnisse helfen beim Verstehen der Geschichte

Trotz der einfachen Sprache ist es nicht ganz einfach, in die Geschichte einzutauchen. Wer keine Vorkenntnisse zum vorkolonialen Westafrika mitbringt, muss zu Beginn darum kämpfen, sich in der Erzählung zurechtzufinden. Wie in dieser Szene, in der Aminah die Ankunft einer Karawane in ihrem Dorf beobachtet:

Das Getrommel erreichte einen Höhepunkt und wurde anschließend leiser. Die beiden Männer umarmten sich, und der Madugu beugte sich vor, um mit Obado zu reden. Gleichzeitig wies er seine Leute an, die Karawane in den Zongo, den von Muslimen gegründeten Stadtteil, zu führen. Gemeinsam gingen sie zu Obados Haus, gefolgt von Eeyah und ihren Griottes, die mit hohen Stimmen ein Loblied auf den Madugu und Obado sangen. Leseprobe

Die Erzählung bleibt oberflächlich

"Ich denke, man sollte die Worte aufsaugen, ihren Klang, das Gefühl, dass sie in einem auslösen. Für uns ist es nicht anders: Man liest europäische Bücher, russische Autoren und ist mit Dingen konfrontiert, die sich uns nicht erklären. Sie sind einfach. Und entweder es erschließt sich dann im Kontext oder man schlägt es nach", sagt Attah. "So ist es auch bei meinem Buch: Ich versuche es - aber ich sollte nicht jedes Detail aus meiner Lebensrealität erklären müssen."

Attah setzt dazu an, ein sinnliches Bild von Salaga zu zeichnen. Sie lässt sich aber nicht die Zeit, es voll auszumalen. Bis die Protagonistinnen aus einem Wust von Charakteren hervortreten und erzählen dürfen, dauert es auch noch. Etwas oberflächlich huscht sie dann durch die eigentlich epischen Geschichten einer Sklavin und einer eigensinnigen Königstochter und lässt die Leserin nach 320 Seiten zwar mit einem Geschmack auf der Zunge, aber einem leerem Magen zurück.

Die Frauen von Salaga

von
Seitenzahl:
320 Seiten
Genre:
Krimi
Verlag:
Diana
Bestellnummer:
978-3-453-29219-2
Preis:
20,00 €

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