Stand: 14.10.2021 17:53 Uhr

Autor:innenzentrum: Treffpunkt für Schreibende in Hannover

Die Autorin Selene Mariani hat sich mit anderen Autorinnen und Autoren zusammengetan, um eine Anlaufstelle für Schreibende in Hannover zu etablieren. Zusammen mit Vorstandsmitglied Burkhard Wetekam berichtet sie über ihre aktuellen Projekte. Ein Gespräch.

Ihr seid schon mehrere Monate im Autor:innen Zentrum Hannover aktiv. 2019 hat das Ganze mal ganz klein angefangen. Was habt ihr bis heute erreicht?

Silene Mariani und Burkhard Wetekam © NDR
Selene Mariani und Burkhard Wetekam haben das Autor:innenzentrum gegründet.

Selene Mariani: Einiges. Wir müssen immer wieder zurückblicken, wo wir angefangen haben, weil wir ganz schön hin und weg sind, wie lange wir schon zusammengearbeitet haben. Wir sind eine relativ zufällig zusammengewürfelte Gruppe. 2019 gab es beim Autor:innen-Netzwerktreffen in Hannover die Frage, wer sich vorstellen könnte, in Richtung eines Treffpunkts für Autor:innen zu arbeiten. Ein paar Leute haben sich gemeldet, und dann haben wir uns getroffen, und daraus wurde etwas sehr Kontinuierliches. Im letzten Jahr haben wir uns jede Woche getroffen - natürlich immer über Zoom wegen Corona - und richtig viel geschafft, so viel, wie man alleine niemals hätte schaffen können. Von einer groben Idee zu einem ganz konkreten Konzept inklusive Finanzplan.

Wir haben mit den wichtigen Parteien in Hannover gesprochen, haben einen Vorschlag für einen Antrag im Kulturausschuss erstellt, der auch durchgegangen ist. Wir saßen im Kulturausschuss und konnten live erleben, wie alle Politiker:innen die Hand für uns gehoben haben. Wir sind seit dem 7. September offiziell ein Verein - das ist auch ein Riesending. Wir haben es geschafft, eine Satzung zu schreiben, was nicht so einfach ist.

Ihr habt euch wahrscheinlich auch nicht vorgestellt, dass das doch so viel ist, oder?

Burkhard Wetekam: Das ist auf jeden Fall so, aber wir können das auf die verschiedenen Schultern verteilen. Wir sind ein Team von sechs bis sieben Personen, die kontinuierlich an dem Projekt arbeiten. Das Erstaunliche ist: Wir haben uns mitten in der Corona-Zeit zusammengefunden, und es ist so ein tolles Team geworden, dass es auch Spaß macht, an dieser Sache weiterzuarbeiten.

Wie kommt diese Anlaufstelle bei den anderen Autoren und Autorinnen an?

Mariani: Die sind total perplex. glaube ich, dass wir so lange schon daran arbeiten und so viel schaffen. Der schönste Moment war vor ein paar Wochen: Wir haben ein Workshop-Programm ins Leben gerufen und hatten Thedel von Wallmoden vom Wallstein-Verlag zum Thema "Vom Manuskript zum Verlag" zu Gast. Das ist ein Thema, was alle Autor*innen beschäftigt, die nicht schon total etabliert sind. Sie konnten diesem tollen Verleger direkt Fragen stellen. Er hat dann auch Blankoverträge rausgeholt und ist die mit uns Schritt für Schritt durchgegangen. Ich habe in den Augen von allen so eine Mischung aus Dankbarkeit und "Passiert das gerade wirklich?" gesehen. Weil das ist etwas was man sonst nicht hat. Und genau das ist unser Ziel, dass Autor*innen mit Verleger*innen, mit Agenturen in Kontakt kommen kann und Lösungen findet.

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Es ist auch ganz wichtig, dass man sich austauscht. Gibt es Wünsche von den Autorinnen und Autoren, was die gerne wollen?

Wetekam: Letztlich ist alles, was wir tun, ein Ergebnis dieser Wünsche. Es wurden auch Umfragen unter den Autorinnen und Autoren gemacht. Wir haben das, bevor wir uns zusammengetan haben, auf der Basis einer großen Gruppe gemacht. Die hat den Wunsch geäußert, dass es so einen zentralen Anlaufspunkt geben soll. Mir ist bei den Feedbacks auf diese Workshops klargeworden, dass wir da eine Lücke treffen. Das ist so, wie wenn einem was fehlt, und man merkt es lange Zeit nicht. Und dann ist es plötzlich da. Dann sagt man: Gut, dass es das jetzt endlich gibt. Diesen Satz habe ich nach den ersten Workshops ein paar Mal gehört.

Wir starten gleichzeitig auch mit einer Serie von Textwerkstätten, wo sich die Autorinnen und Autoren in kleinen Gruppen über ihre eigenen Texte unterhalten können. Das ist auch etwas, was neu ist in Hannover und was auch gut angenommen wird, genau wie die Workshops. Diese sind im Augenblick alle ausgebucht, aber auch diese Textwerkstätten werden gut nachgefragt. Das ist für uns die beste Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Wie ist es denn über die Grenzen Hannovers hinaus? Es gibt ja in ganz Norddeutschland so viele Autorinnen und Autoren - kommen da teilweise auch Anfragen, wie ihr das gemacht habt?

Wetekam: Im Augenblick sind wir noch diejenigen, die andere fragen. Wir haben auch Reisen nach Hamburg, Köln und Stuttgart unternommen, um zu sehen, wie das in diesen Städten läuft. Da gibt es nämlich schon ähnliche Einrichtungen. Wir würden gerne auch das gesamte Land Niedersachsen bespielen, wenn wir könnten, aber wir müssen Schritt für Schritt vorgehen. Im Augenblick liegt unser Fokus auf Hannover und Umgebung.

Was soll in diesem Jahr noch kommen?

Mariani: In diesem Jahr haben wir noch einen Workshop zum Thema "Diskriminierungssensibles Schreiben" und einen zum Thema "Spannend schreiben". Diesen Sonnabend haben wir einen Workshop zum Umgang mit Selbstzweifeln, was sich auch total wichtig finde. Da werde ich auch persönlich mitmachen, weil ich glaube, dass das ein Riesenthema für uns Autor:innen ist, dass wir ganz viel Ideen haben, aber dann oft zu viele Zweifel, um sie niederzuschreiben.

Wetekam: Wir haben noch einen Workshop, wo es um Kooperation geht. Da haben wir ein relativ bekanntes Schriftstellerpaar aus Hannover eingeladen, Wolfram Hänel und seine Frau. Die beiden werden darüber berichten, wie man es schaffen kann, an einem Text gemeinsam zu arbeiten, ohne sich völlig in die Haare zu kriegen. Das haben sie schon seit mehreren Jahrzehnten erfolgreich praktiziert. Das ist auch ein wichtiger Trend, an dem wir anknüpfen: dass man auch im Bereich Literatur mehr kooperiert und gemeinsam Projekte entwickelt.

Was würdet Ihr Euch für die nächsten zwei, drei Jahre wünschen?

Mariani: Unser größter Wunsch von Anfang an ist natürlich ein Raum - darauf arbeiten wir ganz stark hin. Wir haben auch in Aussicht, dass wir vielleicht im nächsten Jahr irgendeine Förderung bekommen könnten, damit das ein bisschen konkreter wird.

Wenn jemand eine Villa hat oder eine Wohnung geerbt hat und nicht weiß, was er oder sie damit tun soll, dann meldet euch bei uns. Das ist erst mal unser größter Wunsch. Und wenn das steht, dann bräuchten wir eine Geschäftsführung, die sich um alles kümmert. Und natürlich, dass möglichst viele Autor:innen das Angebot nutzen können.

Wetekam: Ich wünsche mir auch, dass wir noch mehr Mitstreiter und Mitstreiterinnen bekommen, vor allem im Vorstand, zum Beispiel eine Schatzmeisterin oder einen Schatzeister und dass wir mit diesem Vernetzungsgedanken weitermachen und ihn ausweiten können. Denn wir sind letztendlich das einzige Zentrum in dieser Art in Niedersachsen.

Das Gespräch führte Martina Gilica

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Kulturspiegel | 12.10.2021 | 19:00 Uhr

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