Stand: 29.03.2020 21:08 Uhr  - NDR Kultur

Uwe Timm: Der "Entdecker der Currywurst" ist 80 geworden

Uwe Timm schreibt gerne über die deutsche Geschichte: Nachkriegszeit, Zweiter Weltkrieg und die 68er-Bewegung. Aber auch das Nachkriegsbuch wie die "Entdeckung der Currywurst" und Kinderbücher wie "Rennschwein Rudi Rüssel" gehören zu seinen Erfolgsromanen. Nun ist Uwe Timm 80 geworden.

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Uwe Timm setzt sich viel mit Geschichte auseinander - seiner eigenen und der deutschen.

Geboren wurde Uwe Timm 1940 während des Zweiten Weltkriegs in Hamburg. Schon als Kind war Timm fasziniert von den Geschichten seines Großvaters, einem Kapitän, der dem Jungen "Seemansgarn" erzählte. In der Küche seiner Tante im Hafenviertel traf er auf Menschen aus dem Rotlichtmillieu, die ihre Lebensgeschichten zum Besten gaben. Schon damals fing er an Geschichten zu schreiben. Mit seinem Vater und seinem älteren Bruder, der sich freiwillig zur Waffen-SS meldete und im Krieg starb, hatte Uwe Timm ein schwieriges Verhältnis. 2003 verarbeitete er das in seinem Buch "Am Beispiel meines Bruders".

"Handwerk ist wichtig für die Kunst"

Timm machte eine Kürschner-Ausbildung wie sein Vater und übernahm dessen Geschäft. 1963 holte er aber noch das Abitur nach. Daraufhin studierte er Philosophie und Germanistik in München und Paris. Aber seine handwerkliche Ausbildung war nicht vergebens, denn auch im Schreiben sieht der Autor etwas Handwerkliches, wie er 2015 in einem Interview mit der Wolfsburger Allgemeinen Zeitung verriet: "Das Handwerkliche ist ganz entscheidend für jede Kunst. Für die Malerei, die Musik, die Literatur. Gerade an der Literatur oder Komposition kann man sehen, dass man bestimmte Dinge beherrschen muss, erst dann kann man daraus Kunst machen."

Ganz nah an der 68er-Bewegung

Als Student in den 60er-Jahren erlebte er auch die Studentenbewegung aktiv mit. Seinen ersten Roman "Heißer Sommer" aus dem Jahr 1974 schrieb er daher über die Studentenrevolte.

2007 schrieb er in "Der Freund und der Fremde" über seine Freundschaft mit Benno Ohnesorg. Ohnesorg war bei einer Anti-Schah-Demonstration 1967 in Berlin von einem Polizisten erschossen worden und wurde damit zu einer Symbolfigur der Bewegung.

Die Aufarbeitung der 68er-Bewegung und allgemeiner Geschichte beschäftigen Uwe Timm immer wieder in seinen Werken. In seinem neuesten Roman "Ikarien", der 2017 erschien, geht es um den Arzt Alfred Ploetz, den Großvater von Timms Frau. Ploetz gilt als Begründer der Eugenik, die den Nazis als Vorlage für ihre Rassentheorien diente. Uwe Timm versteht seine Literatur nicht zwingend als politisch, aber will, dass sie kritisch bleibt. "Literatur hat immer auch eine Bindung an Wirklichkeit, an Gesellschaft - sie sollte kritisch sein", sagte Timm in einem NDR Interview. "Das hängt damit zusammen, dass ich über den Schreibtischrand hinausblicke und sehe, welche Probleme um mich herum im Alltag da sind."

Von Currywurst bis Rudi Rüssel

Daher findet Uwe Timm auch immer wieder Inspiration in alltäglichen Dingen. So handelt eines seiner bekanntesten Werke von der "Entdeckung der Currywurst". Timm, Vater von vier Kindern, hat auch Kinder- und Jugendbücher geschrieben. Das bekannteste ist wohl "Rennschwein Rudi Rüssel". Die Geschichte wurde mit dem deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet und 1995 mit Iris Berben und Ulrich Mühe verfilmt.

Heute lebt Uwe Timm in München. Er hat in verschiedenen Ländern studiert und reist viel. Er war unter anderem in Peru, Namibia, auf den Osterinseln und berichtete aus einem Flüchtlingslager im Tschad. Seine Heimat sei für ihn hauptsächlich die deutsche Sprache, erzählt er in einem Zeitungsinterview. Sprache sei für ihn "die Möglichkeit, sein Land, seine Identität, seine Vergangenheit zu verstehen." Am 30. März 2020 feierte Uwe Timm seinen 80. Geburtstag.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | NDR Kultur à la carte | 30.03.2020 | 13:00 Uhr

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