Stand: 10.04.2018 07:41 Uhr

Peter Stamm und seine "sanfte Gleichgültigkeit"

von Jürgen Jenauer

Mit "Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt" hat der Schweizer Autor Peter Stamm einen verwirrenden Roman vorgelegt: Ein Mann trifft sich selbst. Was sich liest wie ein Gang durch ein verspiegeltes Labyrinth, klingt, in Göttingen vom Autor gelesen, ziemlich schlüssig. In Göttingen hat Stamm das Buch präsentiert.

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Gemeinsames Zuhören und Nachdenken: Alexander Solloch und Peter Stamm bei der Lesung in Göttingen

Peter Stamm beginnt die Lesung seines Buchs "Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt" auf der Bühne des Alten Rathauses in Göttingen pünktlich, und es entwickelt sich ein munteres Gespräch mit Moderator Alexander Solloch. Dabei gibt der Schweizer Autor den einen oder anderen Einblick ins Persönliche, zum Beispiel, wenn es um die Parallelen zwischen Romanfigur und Autor geht und die Opfer, die ein Schriftsteller für seine Kunst bringen muss: "Ich hab jahrelang unter der Armutsgrenze gelebt und so vor mich hin gearbeitet. Aber ich habe es nicht als Opfer empfunden. Es war ja das, was ich machen wollte. Ich will nicht behaupten, es ist einfach, aber ich glaube, dieses Bild vom Schriftsteller, das ich auch mal hatte ganz am Anfang, dass man halt in die Berge geht, in einem abgelegenen Hotel am perfekten Text drechselt, das funktioniert so nicht."

Peter Stamm auf der Bühne: Fast schüchtern

Stamm liest ruhig, fast besonnen. Er liest so, als wolle er die Wirkung seiner Worte nicht durch zu starkes Dramatisieren strapazieren. Im Grunde ist sein Ton so minimalistisch, wie er auch in seinen Büchern arbeitet. Er verlässt sich eher auf seine sonore Stimme und die Kraft der Texte. Irgendwie wirkt Stamm fast schüchtern auf der Bühne. Vor sich ein halbes Glas Rotwein. Konzentriert im Gespräch und bei der Lesung: "Literatur ist ja erst mal Sprache. Und Sprache ist am schönsten, wenn sie gesprochen wird und nicht stumm gelesen. Von daher finde ich schon, der Text wird lebendiger beim Lesen. Man hört den Rhythmus besser. Man hört die Klänge besser. Also ich mach das Lesen wirklich gern."

Stamm ist ein Träumer geblieben

Alexander Solloch und Peter Stamm auf dem Podium bei einer Lesung in Göttingen am 9. April 2018 in Göttingen © NDR Fotograf: Jürgen Jenauer

Peter Stamm liest in Göttingen

NDR Kultur -

Mit "Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt" hat der Schweizer Autor Peter Stamm einen verwirrenden Roman vorgelegt. In Göttingen hat er aus dem Buch gelesen.

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Nebenbei erfährt man einiges über den Menschen hinter dem Autor: So ist er einer, der schon früh Jules Verne liebte, genauso Existenzialisten wie Albert Camus schätzte und der, bevor er Autor wurde, auch bereits Geld mit dem Schreiben verdiente - staubtrocken, als Buchhalter. Trotzdem ist er aber ein Träumer geblieben, der beim Schreiben gar nicht so genau weiß, woher die Inspirationen eigentlich kommen: "Es muss vermutlich das Unterbewusstsein sein. Ich merke es nur schon, wenn ich an Tagen nicht gut schreiben kann, denn ich schreibe Texte, die genau dieselbe sprachliche Qualität haben, und trotzdem sind sie unbrauchbar. Das, was den Text wirklich zu Literatur macht, ist nichts, was nur mit Sprache oder Inhalt zu tun hat, sondern es ist wirklich eine Art von Lebendigkeit. Und die kann in einem Text stecken. Aber wie das genau entsteht - weiß ich nicht."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 10.04.2018 | 06:40 Uhr

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