Stand: 29.05.2020 13:56 Uhr  - NDR Kultur

NDR Buch des Monats Juni: "Der Lügenbaron"

Der Lügenbaron
von Anna von Münchhausen
Vorgestellt von Annemarie Stoltenberg

Die Journalistin Anna von Münchhausen ist etlichen Leserinnen und Lesern der Wochenzeitung "Die Zeit" sicherlich noch vertraut. Sie war dort Textchefin. Seit ihrer Pensionierung lebt sie in Frankfurt. Nun hat sie sich mit ihrem Vorfahren beschäftigt, dem legendären Baron von Münchhausen, und ein Buch darüber geschrieben - der Titel: "Der Lügenbaron. Mein fantastischer Vorfahr und ich".

Anna von Münchhausen: "Der Lügenbaron"

Bücherjournal -

Die erfundenen Geschichten vom Baron Münchhausen sind legendär. Nun hat seine Nachfahrin ein amüsantes Buch über sein echtes Leben verfasst. Denn es gab den Freiherrn tatsächlich.

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Eins ist von Anfang an klar: Es ist nicht immer leicht, mit dem Namen von Münchhausen durchs Leben zu gehen. Denn immerhin wird ja zwanghaftes Lügen unter dem Begriff "Münchhausen-Syndrom" geführt, und das lockt schon das ein oder andere amüsierte Lächeln auf die Gesichter derer, denen Anna von Münchhausen ihren Namen verrät. Und ebenso geht es auch allen anderen Mitgliedern ihrer Familie. Dabei trägt Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen den Spitznamen "Lügenbaron" zu Unrecht. Andere haben Geschichten unter seinem Namen erfunden und veröffentlicht. Es begann, als er mit 30 Jahren, nach etlichen überstandenen Abenteuern in St. Petersburg, in seine Heimatstadt zurückkehrte.

Nun lebt er als Gutsherr in Bodenwerder, streitet mit den Bürgern der Stadt um Grenzpfähle und Zugangsrechte, geht zur Jagd und liebt die Geselligkeit. Bei Tabak und rotem Punsch erzählt er gern raffiniert ausgeschmückte Erlebnisse aus Kriegstagen und von Jagdausflügen. Leseprobe

Spaßhafte Anekdoten werden weitergegeben

Bei einem geselligen Abend in Göttingen soll er den Universalgelehrten und Bibliothekar Rudolf Erich Raspe kennengelernt haben. 1781 erschien in Berlin eine satirische Schrift mit dem Titel "Ein Vademecum für lustige Leute", in der Münchhausens Anekdoten erzählt wurden. Der Verfasser ist nicht bekannt. Aber als Raspe vor Frau und Kindern nach London geflohen war, übersetzte er diese Sammlung spaßhafter Erzählungen ins Englische und veröffentlichte sie. Das Buch wurde in England ein Riesenerfolg. Die Geschichten gelangten dann nach Deutschland zurück. Dort übersetzte sie Gottfried August Bürger ins Deutsche und fügte allerhand abstruse Abenteuer hinzu.

Ritt auf der Kanonenkugel

Münchhausen wurde zu einer eigenständigen literarischen Figur. Er wurde zu dem überbordend abenteuerlustigen Mann, der den fantastischen Einfall hatte, sich auf eine Kanonenkugel zu schwingen, um während eines Krieges das feindliche Lager aus der Luft auszuspionieren. Eine geniale Idee. Dann führte er sich vor Augen, wie hochriskant das Unternehmen für ihn würde und wechselte auf eine entgegenfliegende Kugel, um seinen Irrtum zu korrigieren. Dieses Motiv ist sicherlich die bekannteste Szene, die man mit der Figur Münchhausen verbindet: der Ritt auf der Kanonenkugel. Den Zunamen "Lügenbaron" bekam er in ganz anderen Lebensumständen. Es ist wie im echten Leben, die meisten Unfälle passieren im häuslichen Bereich. Münchhausen hatte nach dem Tod seiner geliebten ersten Frau 1790 noch einmal geheiratet - die 17 Jahre jüngere Bernhardine von Brunn:

Schon bald danach überfällt ihn die Angst, sie könne durch Leichtfertigkeit und Lebenslust sein kleines Vermögen durchbringen oder ihm womöglich einen falschen Erben präsentieren. Daher reicht er die Scheidungsklage ein … die gewitzten Anwälte von Baronin Bernhardine verweisen in ihrer Gegenklage auf Hieronymus unseriöses Fabulieren und verleumden ihn als Lügenbaron. Leseprobe

Wir schreiben das Jahr 1794 und es hört sich doch an wie eine Geschichte aus einem der bunten Klatschblätter von heute. Anna von Münchhausen erzählt höchst amüsant und lebendig von ihrem Vorfahren. Sie hat kundige Münchhausen-Forscher besucht und befragt, sie hat Erlebnisberichte aus der Verwandtschaft, die mit dem Namen Münchhausen zu tun haben, gesammelt und sie erklärt, was es mit dem Münchhausen-Syndrom auf sich hat. Ein charmantes, gebildetes, lesenswertes Buch, das man gern und zügig zu Ende lesen mag.

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Der Lügenbaron

von
Seitenzahl:
128 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
Rowohlt
Bestellnummer:
978-3-463-00014-5
Preis:
15,00 €

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