Stand: 20.06.2019 11:00 Uhr

Carl Schurz: ein Kämpfer für die Freiheit

Libertys Lächeln
von Andreas Kollender
Vorgestellt von Jürgen Deppe
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Kollenders Roman handelt von dem deutschen Revolutionär Carl Schurz, der auch in Übersee für Freiheit und Gerechtigkeit kämpfte.

Dem Hamburger Schriftsteller Andreas Kollender gelang 2015 mit "Kolbe" ein großer Erfolg. Demnächst erscheint der historische Roman über den Berliner Ministerialmitarbeiter Fritz Kolbe, der 1943 zum geheimen Widerstandskämpfer und wichtigsten Spion für die USA wurde, auch auf Slowakisch und Chinesisch. Auf Deutsch ist gerade Kollenders neuer Roman erschienen: "Libertys Lächeln" - wieder ein historischer Roman, diesmal über den deutschen Radikaldemokraten Carl Schurz.

Mit gerade einmal 20 Jahren kämpft Carl Schurz 1848 für eine Demokratie im Deutschen Bund, für eine Republik, für Freiheit. Sie hatten sich aufgelehnt. Sie hatten die Monarchie herausgefordert, den König, seine Prinzen, den Adel, die Staatsmacht. Das badische Heer war zu ihnen übergelaufen in diesem kurzen Sommer der Revolution. Doch vergebens und die Rache würde fürchterlich sein. Die kannten seinen Namen. Carl war Sprecher der Revolutionäre gewesen, er hatte Reden gehalten und war bejubelt worden. Sein Name hatte sich herumgesprochen.

Flucht nach Amerika

Als die Niederlage der Aufständischen feststeht flieht Carl. Erst nach Frankreich und England, wo er unter anderem den jungen Eiferer Karl Marx trifft. Schurz kehrt von London aus inkognito noch einmal nach Preußen zurück, um seinen Lehrmeister aus der Haft zu befreien, dann setzt er sich mit seiner gerade frisch angetrauten Frau Margarethe endgültig nach Amerika ab - ins Land der ersehnten, erträumten, erhofften Freiheit, wie er bei der Ankunft noch glaubt:  

"Sie haben hier einen Namen für uns, Herr Schurz. Die Amerikaner nennen uns die 48er", sagte ein Mann aus Hamburg.
"Wir haben verloren", sagte Carl. "Wir haben gottverdammt nochmal verloren."
"Und, Schurz, was haben Sie vor?", fragte der Mann aus Hamburg.
"Viel", sagte Carl. Leseprobe

Karriere als politischer Aktivist

Er wird recht behalten. Wie sehr, das breitet Andreas Kollender in seinem Roman aus: "Das ist wahrscheinlich ein Stück weit auch eine Naturelle-Frage: Der war eben so. Der hat Zeit seines Leben verhement für Freiheit gekämpft, ein ziemlicher Dickkopf, der Mann. Soll im Privaten trotzdem recht umgänglich gewesen sein. Einer, der immer unter Dampf gestanden hat", weiß der Autor.

Schurz macht in den USA eine steile Karriere: als politischer Aktivist, als brillanter Rhetoriker, als Redenschreiber unter anderem für den republikanischen Präsidenten Abraham Lincoln. Unter ihm wird Schurz für ein Jahr Botschafter der USA in Spanien, später Brigadegeneral der Nordstaaten im amerikanischen Bürgerkrieg.

Carl Schurz - in den USA ist er bis heute ein Begriff. Hierzulande, sagt Andreas Kollender, sind nur ein paar Straßen, eine Schule und in Freiburg ein Verein für deutsch-amerikanische Freundschaft nach ihm benannt. "In Amerika ist Carl Schurz wesentlich bekannter. In New York City in einem Park am Hudson River steht ein riesiges Carl-Schurz-Denkmal", sagt der Autor.

Ein Denkmal in Romanform

Andreas Kollender setzt ihm jetzt ein großes, beachtenswertes Denkmal in Romanform: dem deutschen Revolutionär, der als Radikaldemokrat auch in Übersee für Freiheit und Gerechtigkeit kämpfte, der mit Inbrunst gegen die Sklaverei focht, gegen die Unterdrückung der Indianer und für etwas, für das es damals noch keinen Begriff gab, das man heute aber "Umweltschutz" nennen würde.

"Wenn man in Bezug auf Kolonialismus, auf Demokratie, auf Freiheitsrechte, auf Umweltschutz, Passagen der Reden von Carl Schurz liest, dann könnte man die 1:1 nach heute übertragen", findet Kollender. Er habe überlegt, sagt Kollender im Interview, dem Roman einen Ausschnitt aus einer Schurz-Rede unkommentiert voranzustellen. Vermutlich, sagt er, wäre niemand darauf gekommen, dass diese Gedanken und Sätze schon vor 150 Jahren so gedacht und formuliert worden sind.

In New York fing alles an

Im Roman blickt ein in die Jahre gekommener Carl Schurz altersweise auf sein Leben zurück. Der Kreis hat sich geschlossen, er ist dorthin zurückgekehrt, wo er zuerst amerikanischen Boden betrat, nach New York. Dort, auf einer Parkbank am Hudson River, vis-à-vis der Freiheitsstatue, passiert es dann, das titelgebende Lächeln der Miss Liberty.

Wir Leserinnern und Leser von heute, 2019, müssen eingestehen: Ohne diesen hochinteressanten Roman, der die Figur Carl Schurz schillernd wieder zum Leben erweckt, führte dieser große deutsche Freiheitskämpfer wohl weiter ein Schattendasein in der Geschichte. Es ist Kollenders großes Verdienst, das geändert zu haben.

Libertys Lächeln

von
Seitenzahl:
304 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
Pendragon
Bestellnummer:
978-3-86532-642-3
Preis:
24,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 21.06.2019 | 12:40 Uhr

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Andreas Kollender: "Libertys Lächeln"

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Mit "Libertys Lächeln" erweckt Andreas Kollender die Figur Carl Schurz wieder zum Leben. Der große deutsche Freiheitskämpfer führt ein Schattendasein in der Geschichte. Audio (04:46 min)

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