Stand: 13.08.2020 17:24 Uhr

Alltags-Rassismus: Alice Hasters im Gespräch

von Charlotte Horn
Die Buchautorin Alice Hasters © picture-alliance/Geisler-Fotopress Foto: Jens Krick
Alice Hasters hat Rassismus am eigenen Leib erfahren.

Black lives matter - nach dem Tod von George Floyd in den USA gingen auch in Deutschland viele Menschen auf die Straße. Ihre Nachricht: Auch hierzulande gibt es Rassismus. Die deutsche Journalistin Alice Hasters ist in Köln geboren - als Kind einer schwarzen Mutter aus den USA und eines weißen deutschen Vaters. Ihr Buch "Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten" war wochenlang in der Spiegel-Beststellerliste. Im Talk auf NDR Info hat sie von ihren Erfahrungen berichtet.

In Alice Hasters' Erinnerung gibt es nicht den einen Moment aus ihrer Kindheit, in dem sie sich wegen ihrer dunkleren Hautfarbe diskriminiert gefühlt hat. Es seien eher verschiedene Erfahrungen gewesen, sagt die 31-jährige Autorin und Journalistin. Einmal sei sie als Kind zu nah an einen Sportwagen herangegangen und der Besitzer meinte, sie solle mit ihren dreckigen Händen von dem Wagen weggehen. "Als Kind habe ich nicht verstanden, dass das auch etwas Rassistisches hat."

Alice Hasters | Bild: pixxxart/Helmut Henkelsiefken © pixxxart Foto: Helmut Henkelsiefen
AUDIO: Die Buchautorin Alice Hasters im Gespräch (49 Min)

Einseitige Vorstellung von Rassismus

Erfahrungen wie diese habe sie lange nicht einordnen können. Der Rassismus sei eher subtil gewesen. "Meine These ist, dass Leute eine einseitige Vorstellung davon haben, was Rassismus ist", erklärt Hasters. Etwa, dass Rassismus erst Rassismus sei, wenn er böswillig ist. "Es muss eine radikale Ideologie dahinterstecken und es muss quasi absichtlich erfolgen." Doch für sie sei es auch eine rassistische Bemerkung, wenn jemand sage: "Du sprichst aber gut Deutsch." Und das höre sie oft. Dahinter stecke ja der Gedanke, dass sie kein Deutsch sprechen könne und auch, dass Leute, die deutsch sind, weiß seien.

"Deshalb glaube ich, es ist ganz wichtig, dass wir auch über diesen kleinen, in Anführungsstrichen, Alltagsrassismus sprechen, weil er quasi aus der gleichen Wurzeln stammt und er die Grundlage dafür ist, dass der große Rassismus überhaupt erwachsen, entstehen kann."

Aufmerksamkeit für das Thema

Alice Hasters fühlt sich in der Gesellschaft nicht wahrgenommen und auch nicht repräsentiert, auch nicht in den Medien. Man bekomme immer wieder die Information, es sei nicht gemacht für dich oder "du hast einen ganz bestimmten Platz. Und dieser Platz ist im Sport, in der Unterhaltung oder vielleicht in der Dienstleistung." Da könntest du hin und woanders sei kein Platz für dich.

In ihrem Buch mit dem langen Titel "Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten" geht es ihr um Aufmerksamkeit. Es gehöre zur gesellschaftlichen Verantwortung, antirassistisch zu sein. "Es werden Dinge sichtbar im Alltag, die man vielleicht vorher nicht gesehen hat." Es sei wichtig, dass man hinschaue und den Mund aufmache. Und auch, dass man bei sich selbst hinschaue und anfange, aktiv etwas zu ändern und zu intervenieren.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Der Talk | 16.08.2020 | 16:05 Uhr

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