Stand: 05.07.2019 15:06 Uhr

Hitchcocks Meisterwerke der Filmgeschichte

Alfred Hitchcock - Sämtliche Filme
von Paul Duncan (Herausgeber)
Vorgestellt von Benedikt Scheper

Er gilt als "Master of Supense", als Meister in der Kunst, Spannung zu erzeugen: Alfred Hitchcock. Der britische Regisseur erschuf mit Filmen wie "Der Mann, der zu viel wusste" oder "Vertigo" Meilensteine der Filmgeschichte. Nun bietet ein Bildband einen Überblick zu seinem Werdegang und seinem umfangreichen Werk. Von Filmstills und Set-Fotos bis hin zu einer Sammlung seiner Cameo-Auftritte in den eigenen Filmen.

Hitchcocks Psychothriller

Ein grau-silberne Propeller-Maschine fliegt nur wenige Meter über eine einsam gelegene Asphaltstraße. Das Flugzeug treibt den Hauptdarsteller Cary Grant geradezu vor sich her, schießt immer wieder auf ihn. Die Salven verfehlen den Mann nur knapp. Während er läuft und sich immer wieder in den Staub wirft, um Deckung zu suchen, verrutscht seine Krawatte immer weiter. Schließlich flieht der Verfolgte in ein vertrocknetes braun-gelbes Kornfeld. Die atemberaubende Szene aus dem Film "Der unsichtbare Dritte" - ein Stück Filmgeschichte. Das beschriebene Bild - nur eines von zahlreichen ikonografischen Bildern, die Cineasten sofort dem jeweiligen Streifen zuordnen können und viele spätere Regisseure inspirierten.

Ein Regisseur mit Sinn für Präzision und Details

Filmstills aus allen 53 Hitchcock-Streifen verdeutlichen, wie präzise und detailverliebt der Altmeister gearbeitet hat. Sie offenbaren aber auch serielle Elemente und Techniken; typische Elemente in Hitchcocks Filmen. So beobachten immer wieder einzelne Figuren andere Menschen oder Orte. Mal mit der Kamera, mal mit dem Fernglas, wie in dem Film "Das Fenster zum Hof". Auch zeigt Hitchcock häufig gefesselte Schauspieler, wie in "Nummer Siebzehn" oder "Der falsche Mann". Vier ausführliche Kapitel beleuchten geradezu wissenschaftlich, warum der oscarprämierte Produzent vieles wiederholte und das in eigenen Essays auch unterstrich.

"Statt seine eigene Arbeit selbst zu analysieren, zog er es eindeutig vor, seine Leser mit Bezügen zu den sexuellen Untertönen seiner Filme zu erregen, wie dem immer wiederkehrenden Fetisch in Form von Handschellen und den delikaten sexuellen Vergnügungen hinter dem kühlen Äußeren seiner blonden weiblichen Charaktere", heißt es im Vorwort.

Kameraperspektive unterstützt die Wirkung

Ebenfalls typisch für Hitchcock: Zentrale Szenen spielen an hoch gelegenen Orten. Immer wieder haben Personen im Film große Angst abzustürzen. So stürzen die drei Protagonisten des Films "Jung und unschuldig" mit ihrem Auto in einen Minenschacht. Die beiden Männer springen auf die Abbruchkante und versuchen, die blonde Frau festzuhalten - Hochspannung, die das Publikum faszinierte.

Daher inszenierte Hitchcock in etlichen Kassenschlagern schwindelerregenden Situationen - mal auf dem Dach des British Museum in "Erpressung", mal "Über den Dächern von Nizza". Auch kameraperspektivisch - so belegen die Fotos und Texte des Bandes - neigte Hitchcock hier zu bewährten Mitteln.

Er muss ein sehr ängstlicher Mensch gewesen sein. Abgründe waren seine dramatischen Crescendos. Die Stürze wurden gewöhnlich von einem hohen Blickwinkel aus aufgenommen, wobei sich die Kamera oft auf die Hände einer Person richtet, die sich, um zu überleben, an andere klammert, die Person in einen Strudel des Abgrunds fällt oder zu fallen droht. Leseprobe

Hitchcock ist ein Meister im Darstellen von Gefühlen

Auch dies wurde stilprägend für viele spätere Filme. Farbige Original-Filmplakate ergänzen den Band und lockern die unzähligen, überwiegend schwarz-weißen Serien von Standbildern aus Filmen etwas auf.

Zwar entfalten Filme durch das bewegte Bild, die Dialoge, Geräusche und die Filmmusik viel besser die Atmosphäre der Handlung. Doch einen Vorteil haben Standbilder gegenüber dem Film: Der Betrachter kann sie in Ruhe anschauen, ja studieren. So sieht er noch viel deutlicher, wie etwa eine Schauspielerin nicht nur durch einen Schrei, sondern vor allem ihre Mimik genau die Emotion erzeugt, die der Regisseur von ihr verlangte. Denn Gefühl, Sehnsucht und Furcht bildlich so zu transportieren, dass das Publikum sich in den Darstellern gespiegelt sieht, war die Meisterleistung des "Master of Supense". Mehr als 680 Seiten laden Filmfans zum Gruseln und Staunen ein.

Alfred Hitchcock - Sämtliche Filme

von
Seitenzahl:
688 Seiten
Genre:
Bildband
Zusatzinfo:
In Leinen gebunden, 17 x 24 cm
Verlag:
Taschen Verlag
Bestellnummer:
978-3-8365-6681-0
Preis:
30,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 07.07.2019 | 17:40 Uhr

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