Stand: 02.12.2019 14:44 Uhr

Wenn das Weihnachtsessen aus der Dose kommt

Die Weihnachtsgeschwister
von Alexa Hennig von Lange
Vorgestellt von Annemarie Stoltenberg

Alexa Hennig von Lange scheint zu den Menschen zu gehören, denen sich viele Türen weit öffnen, sobald sie sich nähern. Schon bei einem Schreibwettbewerb des Norddeutschen Rundfunks "Kinder schreiben für Kinder", bei dem sie als 13-Jährige mitgemache, gehörte sie zu den Preisträgerinnen. Ihr Wunsch Schriftstellerin zu werden, wuchs. Inzwischen hat sie etliche erfolgreiche Bücher veröffentlicht und anderes in der Medienbranche gemacht. In diesem Herbst ist ein Weihnachtsbuch von ihr erschienen: "Die Weihnachtsgeschwister". 

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"Die Weihnachtsgeschwister": Bis aus dem verkorksten Fest eine besinnliche Feier wird, ist es ein schwieriger Weg.

Eine richtige, echte Weihnachtsgeschichte braucht genau so streng abgemessene Zutaten wie Weihnachtsgebäck, wie Zimtsterne, Stollen oder Pfeffernüsse. Sie muss sehr traurig beginnen, aber wider Erwarten eine friedliche Lösung bekommen, die sich - als Zutat Nummer 75 - genau pünktlich zu Heiligabend einstellt. Dazu gehören noch viel Liebe, eine Prise Realitätssinn und Gespür für die Gefühle kleiner und großer Leute.

Eine unangenehme Überraschung für die Gäste

Diese Weihnachtsgeschichte beginnt nun so: Die Geschwister Tamara, Ingmar und Elisabeth rücken, wie in jedem Jahr, zum Feiern am 24. Dezember bei den Eltern an. Alle sind verheiratet beziehungsweise liiert - und alle drei haben selbst je zwei Kinder. Sie sehen sich das übrige Jahr über nicht, feiern aber traditionell gemeinsam Weihnachten. Als sie bei ihren Eltern, den Großeltern, in deren gemütlichem, kleinem Reihenhaus ankommen, sagt die Mutter:

"'Ich habe ein paar Dosen aufgemacht. Ich wollte heute nicht für alle Kartoffeln schälen.' Ein paar Dosen aufgemacht? Das hatte es noch nie gegeben." Leseprobe

Es wird nicht die einzige skandalöse Neuheit bleiben. Der Baum ist noch nicht geschmückt, der Kamin nicht an, das Festessen nicht im Ofen. Tamara und ihre beiden jüngeren Geschwister reagieren zunehmend streitlustig und gestresst aufeinander. Alle Geschwister sind heftig eifersüchtig und bewachen jede Geste oder Bemerkung. Erschwerend kommt hinzu, dass auch die dazugehörigen Ehepartner schwierige, hochkomplizierte Menschen sind, mit speziellen Ansprüchen an das, was gegessen wird und wann es gegessen wird.

Nichts ist so wie sonst

Einer der Enkel brüllt auch gleich laut und deutlich, dieses Zeug esse er überhaupt gar nicht. Eine der anreisenden Kleinfamilien hat auf der Herfahrt schon bei einem bekannten Schnellimbiss angehalten, um die Kinder bei Laune zu halten. Elisabeth bringt Holger mit, einen neuen Lebensgefährten, der unverschämt gut aussieht und nett wirkt. Tamara beginnt mit Holger zu flirten.

Elisabeths Tochter Marie weiß, dass ihre Mutter traurig ist über das gestörte Verhältnis zu den Geschwistern:

"Darum hoffte sie jedes Mal wieder auf ein Weihnachtswunder. Total zwecklos. Tante Tamara und Onkel Ingmar meldeten sich einfach nie, wenn Mama ihnen mal eine WhatsApp schrieb oder ihren Kindern Geschenke zum Geburtstag schickte." Leseprobe

Am Ende wird alles gut

Ein richtig besinnlicher Weihnachtsabend bahnt sich also an, und die Konflikte verheddern und verschärfen sich von Stunde zu Stunde. Aber eine Weihnachtsgeschichte muss ja ein Wunder enthalten, das man glauben kann. Es muss die Idee vom liebevollen Miteinander, der Freude über diesen besonderen Tag, an dem eine besondere Zärtlichkeit in der Luft über allem schwebt, vermitteln und die Botschaft vom Frieden in die Welt tragen.

Diese Geschichte wird noch eine sehr schöne Weihnachtsgeschichte. Zum Lesen und Vorlesen!

Die Weihnachtsgeschwister

von
Seitenzahl:
160 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
DuMont
Bestellnummer:
978-3-8321-9775-9
Preis:
18,00 €

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