Stand: 01.02.2020 06:15 Uhr  - NDR Info

Die Geschichte einer misslungenen Schwimmstunde

Freischwimmen
von Adam Baron
Vorgestellt von Katharina Mahrenholtz

Langsam trudeln die Neuerscheinungen des Frühjahrs in den Buchläden ein, darunter auch unzählige Titel für Kinder und Jugendliche. "Freischwimmen" von Adam Baron ist eins davon. Jari, unserem Testleser-Kind, hat das Buch über die misslungene Schwimmstunde gut gefallen.

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Das Buch "Freischwimmen" handelt von dem neunjährigen Cym, der einiges über seine Familie erfährt.

Hauptperson und Ich-Erzähler des Buches ist der 9-jährige Cym - eigentlich Cymbeline, nach dem Theaterstück von Shakespeare, denn Cyms Vater war Schauspieler. Er ist gestorben, als Cym ein Jahr alt war, so wurde es dem Jungen zumindest erzählt. Dass das nicht stimmt und welches Familiengeheimnis dahintersteckt, darum geht es in diesem Roman. Das Buch beginnt allerdings mit einem ganz anderen Problem.

"Eine komplette Katastrophe"

Ich, Cymbeline Iglu, bin noch nie geschwommen. (…) Bis letzten Montag. Schuld ist meine Mum. Echt. Die ist einfach nie mit mir irgendwo hingegangen, wo man schwimmen kann. Wenn ich sie gefragt habe, warum nicht, kam sie immer nur mit irgendwelchen Ausreden. Eine fauler als die andere (…) Mum hätte mit mir Schwimmen gehen müssen. Letzten Montag wurde das nochmal eindrücklich bewiesen. Da ist nämlich etwas passiert, das ich nur so beschreiben kann: als totale, komplette Katastrophe.

Denn am Montag geht die Klasse zum Schulschwimmen. Cym will nicht zugeben, dass er nicht schwimmen kann. Stattdessen behauptet er, "phänomenal gut" schwimmen zu können und lässt sich dann auch noch vom Angeber Billy provozieren - die Lieblingsstelle unseres Testleser-Kindes Jari: "Dann sagt Billy, du kannst bestimmt nicht so gut schwimmen wie ich. Ich kann Schmetterling - und du? Cym sagt halt: 'Motte' und das ist ja gar keine Schwimmart. Darum finde ich die Stelle auch ziemlich lustig, weil alle so denken: 'Hä, was ist das denn?' Auf jeden Fall denken jetzt Billy und sein Freund Lance, dass Cym total gut schwimmen kann. Nur, das ist ja gar nicht so. Und das bringt ihn mächtig in Schwierigkeiten."

Eine Geschichte mit vielen Wendungen

In der Schwimmstunde wird Cym von Billy gedrängt, seine Fähigkeiten vorzuführen. Das geht gründlich schief. Schließlich muss Cym von Veronique Chang, in die er ein bisschen verliebt ist, aus dem Wasser gezogen werden. Seine Mutter muss ihn von der Schule abholen und macht sich nun große Vorwürfe, dass sie nie mit ihrem Sohn Schwimmen gegangen ist. Und dann wird alles sehr merkwürdig. Jari sagt: "Was da jetzt passiert, möchte ich noch nicht verraten. Aber man denkt halt: 'Aha, so ist es' und auf den nächsten fünf Seiten wieder: 'Nee, dann ist es doch so.' Und das Ende ist dann ganz anders als erwartet. Das gefällt mir wirklich gut an dem Buch."

Besser kann man kaum zusammenfassen, warum "Freischwimmen" ein exzellentes Kinderbuch ist. Adam Baron erzählt auf 200 luftig gesetzten Seiten eine komplexe Geschichte über Schuld und Schweigen, über Verlust und falsche Entscheidungen. Dabei bleibt er konsequent auf Augenhöhe seines Protagonisten, lässt Raum für Humor und schafft so etwas, das nur wenigen Autoren gelingt: Einen literarisch anspruchsvollen Roman zu schreiben, der seine Zielgruppe an keiner Stelle überfordert.   

Freischwimmen

von
Seitenzahl:
224 Seiten
Genre:
Kinderbuch
Verlag:
Hanser
Bestellnummer:
978-3-446-26607-0
Preis:
15,00 €
FSK:
ab 10 Jahren

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Mikado | 02.02.2020 | 14:05 Uhr

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