Stand: 31.07.2019 09:41 Uhr

Achill Moser über sein Kilimandscharo-Buch

von Peter Helling

Achill Moser hat die halbe Welt bereist. Er hat 28 Wüsten durchquert - zu Fuß und mit Kamelen, mit Nomaden in Afrika und Asien zusammengelebt und 20 Bücher geschrieben. Der Fotojournalist und Autor ist oft mit seinem Sohn Aaron unterwegs. Auf seiner jüngsten Reise hat sich Moser mit diesem auf die Spuren seines verstorbenen Vaters begeben, um einen der sagenumwobensten Berge der Erde zu besteigen. Ein Treffen mit dem in Hamburg lebenden Abenteurer.

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Der Kilimandscharo hat gewaltige Ausmaße: Er ist mehr als 70 Kilometer breit und 6.000 Meter hoch. Eine mühsame Reise für die Mosers.

Einer will als Erster auf den Mond, ein anderer zu Fuß an den Nordpol, wieder einer will seit 50 Jahren einen Berg besteigen. "Es sind Geschichten, die uns nicht loslassen, wir kommen erst zur Ruhe, wenn wir sie selbst nacherlebt haben. Auch mein Vater hatte eine große Sehnsucht: Seit seiner Kindheit wünschte er sich, den höchsten Berg Afrikas zu sehen und zu besteigen: den Kilimandscharo", erzählt Achill Moser.

Als Moser, heute 65, eineinhalb war, ließen seine Eltern sich scheiden. Er hat seinen leiblichen Vater erst mit 28 kennengelernt. Zufällig hatte dieser ihn in einer Sendung des NDR gehört und rief den Sohn an. "Ich nahm den Hörer ab, und dann sagte er: 'Hallo Achill, ich bin dein Vater Harry Karsten, wollen wir uns mal kennenlernen?'"

Achill Moser: "Mein Vater, mein Sohn und der Kilimandscharo" (Cover) © dtv

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NDR Kultur

Es ist seine seine bislang wichtigste Reise: auf den Kilimandscharo. Der Hamburger Fotojournalist Achill Moser hat sich dort mit einem Sohn auf die Spuren seines Vaters begeben.

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Sie haben sich behutsam angenähert. Achill Moser war zu Kaffee und Kuchen im Reihenhaus des Vaters in Glinde bei Hamburg. "Dann haben wir rasch gemerkt, da ist Neugier, da ist Sympathie." Sie haben über Reisen gesprochen. So entstand die Idee zur Besteigung des Kilimandscharo. Achill Moser erzählt: "Als er mir davon erzählt hat, es war Ende der 80er-Jahre, habe ich spontan zu meinem Vater gesagt: 'Weißt du was? Das machen wir einfach zusammen.' Dann hat er mich umarmt. 'Meinst du wirklich?', fragte er." Aber wie das Leben manchmal spielt: Ein Kreuzbandriss zwang Achill, zu Hause zu bleiben. "Er ist alleine aufgebrochen, schweren Herzens und hat es letztendlich geschafft."

Lebenstraum auf einer Tonkassette für Achill Moser hinterlassen

Harry kam als ein anderer Mensch zurück, erzählt Moser: "Sein Lebenstraum hat sich dadurch erfüllt!" Den Reisebericht hat er auf eine Tonbandkassette gesprochen. Kurz vor seinem Tod im Jahr 2007 hat er sie seinem Sohn geschenkt. "Die Kassette lag in einer kleinen Plastiktüte bei mir auf dem Schreibtisch, zehn Jahre lang hatte ich sie immer im Blickfeld meiner Arbeit. Irgendwann habe ich mich getraut, die Kassette anzuhören." Dies tat er mit seinem Sohn Aaron.

Sohn und Enkel Moser wollen den Kilimandscharo besteigen

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"Der Berg sei magisch, mystisch", sagt Achill Moser, hier mit Sohn Aaron, über den Kilimandscharo.

Achill und Aaron Moser beschließen, den Spuren des Vaters und Großvaters auf den heiligen Berg der Massai zu folgen. 13 Tage dauert die Reise auf den höchsten Berg Afrikas. Eine Reise, an der schon Mount-Everest-Bezwinger Edmund Hillary und Astronaut Neil Armstrong gescheitert seien: "Das ist schon gewaltig, wenn du dich als kleiner Mensch gegenüber diesem riesigen Berg siehst, im Durchmesser mehr als 70 Kilometer breit, 6.000 Meter hoch, oben diese Schneekrone. Das ist schon magisch, mystisch", erzählt der Abenteurer.

Erneute Verletzung kurz vor dem Gipfel

Die Besteigung kostet alle Kraft. Kurz vor dem Gipfel, wie ein böser Zufall, hat Achill wieder eine Verletzung: einen verstauchten Fuß. Ihm kommt der Gedanke "Mein Gott, jetzt soll es wiederum nicht klappen, es ist dir einfach nicht vergönnt, das jetzt auch mit dem eigenen Sohn zu erleben." Aber Achill hält durch, bis zum Gipfel. Oben haben sie sich die Tonaufzeichnungen Harrys noch einmal angehört.

Vielleicht waren die knapp 40.000 Kilometer, die Achill Moser bis dahin zu Fuß gereist war, nur die Vorbereitung auf diese, "die wichtigste Reise" Mosers: "Ich bin inzwischen schon 65 Jahre alt geworden, davon 40 Jahre lang gereist. Das merkt man natürlich an den Gelenken." Er habe sich plötzlich grundsätzlich gefragt: "'Bist du eigentlich angekommen?' Natürlich werde ich weiterreisen und habe Ideen, aber innerlich, nach dieser Kilimandscharo-Besteigung, bin ich angekommen. Das ist eigentlich das schönste Gefühl."

Am 20. September erscheint das Buch Achill Mosers "Mein Vater, mein Sohn und der Kilimandscharo" bei dtv für 17,90 Euro. Mitte Oktober kommt ein Film über die Reise heraus.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 31.07.2019 | 09:20 Uhr

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