Stand: 13.06.2016 17:05 Uhr  | Archiv

Aby Warburg: Hamburgs berühmter Büchersammler

von Michael Marek
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Aby Warburg wurde 1866 in Hamburg geboren. Er starb am 26. Oktober 1929.

"Hamburger im Herzen, Hebräer von Geblüt und Florentiner der Seele" - so hatte er sich gegenüber Freunden immer wieder beschrieben. Bis heute gehört Aby Warburg zu den wichtigsten europäischen Kunstwissenschaftlern. International berühmt machte den 1866 in der Freien und Hansestadt Hamburg geborenen Bankiers- und Kaufmannssohn die Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg, kurz KBW genannt.

Warburgs Bibliothek - ein intellektuelles Zentrum

1926 hatte Warburg sein Lebenswerk eröffnen können. Noch zu Warburgs Lebzeiten galten die Büchersammlung und die Bibliothek mit dem berühmten ovalen Lesesaal als intellektuelles Zentrum der Weimarer Republik. Im Warburg-Haus in der Heilwigstraße 116 in Eppendorf verkehrten Wissenschaftler wie Ernst Cassirer und Erwin Panofsky. Auffällig war dabei die Dominanz jüdischer Gelehrter.

"Keines der maßgeblichen jüdischen Institutsmitglieder war praktizierender Jude", erinnert sich Charles Hope, Kunsthistoriker und ehemaliger Direktor des Warburg Institute in London. "Ihr Milieu vermittelte diesen Wissenschaftlern bestimmte Werte. Das würde sicher niemand leugnen. Meiner Meinung nach haben die jüdischen Wissenschaftler nicht geglaubt, dass ihr Judesein großen Einfluss auf ihre Gelehrsamkeit gehabt hätte."

Ein zarter Melancholiker

Seiten eines Kalenders © Fotolia_80740401_Igor Negovelov

Gelehrter ohne Grenzen

NDR Info - ZeitZeichen -

Am 13. Juni 1866 wird Aby Warburg geboren. Eigentlich sollte er die Warburg-Bank leiten. Stattdessen baute der leidenschaftliche Leser eine phänomenale Bibliothek auf.

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Finanziert hatte Aby Warburg sein Lebenswerk durch das Bankhaus seiner Familie und seines in die USA ausgewanderten jüngeren Bruders Max. Gleichzeitig arbeitete Aby Warburg als Kulturhistoriker, Privatgelehrter und Forscher. Freunde und Zeitgenossen beschrieben ihn als zarten Melancholiker und Hypochonder, der sich zeitweilig in psychotherapeutische Behandlung begab.

"Warburg selbst war ja ein komplexer Charakter, aber Warburg war ein großer Gelehrter, mit einem Sinn für seine Sendung", beschrieb ihn der verstorbene Kunsthistoriker und Warburg-Biograf Ernst Gombrich: "Warburg hat versucht, sein System der Kulturwissenschaft an der Aufstellung der Bibliothek zu exerzieren. Er hat besonders in der Wissenschaft immer einen Übergang gesehen, einen Fortschritt von der magischen Einstellung zur rationalen Einstellung. Und so ist die Bibliothek auch heute noch aufgestellt."

Bibliothek wurde nach London gebracht

Ihren legendären Ruf behielt die Kulturwissenschaftliche Bibliothek auch nach Warburgs Tod am 26. Oktober 1929. Bis die Machtübernahme der Nationalsozialisten den Fortbestand der KBW gefährdete und ihre Emigration nach London erzwang. Heute gehört die Bibliothek unter ihrem neuen Namen "The Warburg Institute" weiterhin zu den wichtigsten geisteswissenschaftlichen Buchsammlungen Europas.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 13.06.2016 | 19:05 Uhr