Die Sängerin Christa Ludwig 2013 am Meer in Cannes.  Foto: Guillaume Horcajuelo

Zum Tod von Christa Ludwig: "Ich wäre so gern Primadonna gewesen"

Stand: 25.04.2021 19:59 Uhr

Die Opernlegende Christa Ludwig hatte eine der schönsten und vielseitigsten Mezzosopran-Stimmen ihrer Zeit und war eine der führenden Sängerinnen ihres Fachs. Nun ist sie im Alter von 93 Jahren gestorben.

von Dieter David Scholz

Fast ein halbes Jahrhundert stand die am 16. März 1928 in Berlin geborene Sängerin auf der Bühne der Wiener Staatsoper, an der sie 43 Partien sang. 1994 verabschiedete sich die Mezzosopranistin von der Bühne. Sie hat mit den großen Dirigenten gearbeitet, mit Otto Klemperer, Karl Böhm, Herbert von Karajan, Georg Solti und Leonard Bernstein, sie wurde umjubelt und feierte einen Triumph nach dem anderen. Und doch blieb sie immer ganz "normal", eine "Primadonna" ist sie nie geworden. Sie sagte einmal: "Ah... das ist mir viel zu viel Arbeit, ich bin ja von Hause aus faul und eine Primadonna zu sein, das ist ja eine furchtbare Anstrengung."

Die Sängerin Christa Ludwig 2013 am Meer in Cannes.  Foto: Guillaume Horcajuelo
AUDIO: Ein Nachruf auf Christa Ludwig (115 Min)

Christa Ludwig: Die Musikalität wurde ihr in die Wiege gelegt

Sie war ein Naturtalent. Ihre Stimme und ihre Musikalität wurden ihr gewissermaßen in die Wiege gelegt, denn sie war die Tochter des Sängerpaares Anton Ludwig und Eugenie Besalla. Von ihr erhielt sie Gesangsunterricht. Sie wuchs in Aachen und Hanau auf und versuchte sich unter der Obhut der Mutter schon bald an Koloraturarien. Schon mit 17 trat sie ihr erstes Engagement in Gießen an. Nach Frankfurt, Darmstadt und Hannover wurde sie 1955 an der Wiener Staatsoper engagiert, und von dort aus eroberte sie die internationale Opernwelt, sowohl als Mozart-, wie als Verdi-, als Wagner- und als Richard Strauss-Sängerin, aber auch als gefragte Konzert- und Liedinterpretin.

Sopranistin mit ausdrucksfähiger Stimme

Christa Ludwig hatte alles, was man von einer Sängerin verlangt: Eine kerngesunde, große, schöne und ausdrucksfähige Stimme, eine psychologisch intelligente Nuanciertheit im Sängerischen und absolute Wortverständlichkeit. Sie hatte auch die Chuzpe, sich schon sehr jung auf die Bühne zu stellen, enorme Bereitschaft zu Fleiß, den festen Willen, sich nie unterkriegen zu lassen, immer Neues zu wagen und auszuprobieren, aber sich zu nichts ihrer Stimme Abträglichem überreden zu lassen.

Christa Ludwig: "Sängerin möchte ich nie wieder sein!"

Walter Berry und Christa Ludwig bei einer Fotoprobe für "Wozzeck" in der Wiener Staatsoper 1963.  Foto: IMAGNO/Votava
Walter Berry und Christa Ludwig bei einer Fotoprobe für "Wozzeck" in der Wiener Staatsoper 1963.

Sie trat im Vollbesitz ihrer Stimme ab und bekannte nach Ende ihrer Karriere: "Sängerin möchte ich nie wieder sein!". Vor allem ihr Privatleben wurde immer hintenangestellt für die Gesangskunst. Das Motto der Marschallin aus dem Rosenkavalier war ihr Altersmotto: „Leicht muss man sein, mit leichtem Herzen und leichten Händen, halten und nehmen, halten und lassen". Bis zuletzt hatte sie Charisma, Witz und Humor. Sie war eine gefragte Gesangspädagogin bei vielen Masterclasses. Aber sie nahm sich die Freiheit, die Sängerausbildung an den Hochschulen scharf zu kritisieren. Vor allem monierte sie, dass die heutigen Gesangsstudenten vor lauter Theorie die Praxis vernachlässigen und zu spät mit dem Singen beginnen und dann oft der Verlockung erliegen, am Beginn ihrer Laufbahn mit viel zu großen Partien zu singen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 25.04.2021 | 19:00 Uhr