Elke Duda © Anke Illing

"Women in Architecture": Festival startet in Berlin

Stand: 02.06.2021 17:52 Uhr

Frauen in typisch männlichen Berufen sind auch im Jahr 2021 immer noch rar. Architektinnen zum Beispiel sind selten. Dagegen will das Berliner Festival "Women in Architecture" etwas tun. Die Architektin Elke Duda koordiniert das Festival.

Frau Duda, was hat Sie bewegt, warum haben Sie das Festival jetzt, zu diesem Zeitpunkt initiiert?

Elke Duda: Wir sind ein Netzwerk von Architektinnen und Planerinnen, und uns gibt es schon seit fast 18 Jahren in Berlin. Wir haben schon ganz viele Aktionen zum Thema Gleichstellung und Chancengleichheit für Planerinnen gemacht, mussten aber dann feststellen, dass das auf die Dauer ein sehr einseitiges Unterfangen ist. Wir haben aber im Zuge der "Frau Architekt"-Ausstellung in Frankfurt am Main das Symposium "Yes, we plan!" gestartet, und gesagt: Diese Ausstellung und das enorme Begleitprogramm, das es damals gab, das muss es auch in Berlin geben. Das war der Auslöser. Und tatsächlich planen wir dieses Festival seit Ende 2018.

Warum sind Frauen so selten in der Architektur? Was macht sie so unsichtbar?

Duda: Es gibt mit Sicherheit einige, die aufgrund persönlicher Gründe kurz nach dem Berufsstart verschwinden. Nach dem Studium sind es noch 50 Prozent und nach den ersten Berufsjahren reduziert sich die Zahl leider auf 30 Prozent. Da kann ich letztendlich nur spekulieren, dass es vielen Frauen durch die gläserne Decke verwehrt bleibt, nach oben zu kommen und sie aus Frustration aufgeben und den Beruf verlassen, weil sie nicht weiterkommen. Oder weil sie durch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht ausreichend unterstützt werden - seitens des Partners oder seitens des Büros, in dem sie arbeiten. Und die Frauen, die es gibt, werden eher selten sichtbar sein. Allein der Pritzker-Preis wurde 44 Mal vergeben, und nur fünf davon gingen an Frauen. Auch hier müssen sich diese Institutionen an die eigene Nase fassen und schauen, ob sie da nicht mehr für mehr Sichtbarkeit sorgen können.

Was machen Frauen bei der Gestaltung von Häusern und Wohnungen anders? Was ist das typisch Weibliche, das anders ist als das typisch Männliche?

Duda: Das ist eine schwierige Frage, die dürfen Sie mir nicht stellen. Ich finde sie auch ein Stück weit irrelevant. Letztendlich geht es darum, dass es Männer und Frauen gibt, die die Baukultur gestalten. Und genauso gibt es auch Männer und Frauen, die die Architektur, die die Stadt nutzen. Es müssen beide Seiten zum Tragen kommen und die Möglichkeit haben, diese Umwelt mitzugestalten. Insofern sind sie auf eine gewisse Weise zu einer Neutralität verpflichtet.

Aber glauben Sie nicht, dass Sie trotzdem als Frau einen anderen Blick auf die Dinge haben, auf die Bedürfnisse, auf Häuser, auf Wohnungen, die neu gestaltet werden sollen?

Duda: Definitiv. Diesen Blick hat jedes Individuum, Frauen aufgrund ihrer Sozialisation, Männer bekommen ganz andere Werte mit auf den Weg. Insofern ändert sich auch die Perspektive. Aber in welcher Form sich das ausdrückt, das kann ich nicht sagen - ich will auch keine Stereotype produzieren.

Nun verändert sich gerade in der Pandemiezeit viel: Büros werden nach Hause verlagert und Wohnungen werden entsprechend noch wichtiger. In Venedig läuft gerade die Architekturbiennale, die auch unter dem Motto steht: "Wie werden wir zusammen leben?" Beschäftigen Sie sich mit solchen Fragen auch in Berlin?

Duda: Das Thema Homeoffice oder Arbeitswelten ist in der Architektur schon länger ein Thema. Es wird immer wieder versucht, Wohnungen zu schaffen, die in ihrer Nutzung flexibel sind und neutrale Räume haben. Die Pandemie hat uns gezeigt, dass es geht: Flexible Arbeitszeiten und flexible Arbeitsorte sind machbar.

Was sind Ihre Hoffnung für das Festival? Was wünschen Sie sich?

Duda: Der Umbau des Berufsbildes ist ein Ziel, ein Claim, den wir für das Festival aufgestellt haben. Es geht darum, den Beruf offener für weibliche Perspektiven zu machen. Es gibt mittlerweile viele partizipatorische Prozesse in Bauvorhaben, die enorm wichtig sind und die man auch einbinden muss.

Das Interview führte Claudia Christophersen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 02.06.2021 | 18:00 Uhr