Stand: 03.03.2020 18:34 Uhr

Wohin steuert die katholische Kirche mit Bischof Bätzing?

Der Limburger Bischof Georg Bätzing ist zum Nachfolger von Kardinal Reinhard Marx und damit zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt worden. Florian Breitmeier, Leiter unserer Redaktion Religion und Gesellschaft, hat die Wahl in Mainz beobachtet.

Herr Breitmeier, der Name Bätzing wurde im Vorfeld durchaus auch gehandelt. War die Wahl also keine Überraschung?

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Georg Bätzing © picture alliance/Pressebildagentur ULMER

Bischofskonferenz: Limburger Bätzing gewählt

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Florian Breitmeier: Er war richtigerweise ein Kandidat der reformorientierten Kräfte in der Deutschen Bischofskonferenz. Deshalb hatten ihn auch viele auf dem Zettel. Es war spannend zu beobachten, dass er sich am Ende doch durchsetzen konnte und nicht die Bischöfe, die vielleicht einen noch entschiedeneren Kurs gefahren wären: etwa Heiner Wilmer aus Hildesheim oder Franz-Josef Overbeck aus Essen. Er ist ein Mann des Ausgleichs, der Mitte. In Limburg hat er nach den dortigen Geschehnissen viel Vermittlungsarbeit leisten müssen. Deshalb ist seine Wahl sicherlich keine Überraschung, aber doch eine Richtungsentscheidung hin zu einer reformorientierten katholischen Kirche.

Wie war die Stimmung in Mainz? Haben Sie besondere Reaktionen aufschnappen können?

Breitmeier: Ich fand es interessant, dass sich Heiner Wilmer aus Hildesheim relativ schnell gemeldet und seinem Mitbruder gratuliert hat. Wilmer war mit Außenseiterchancen in dieses Rennen gegangen, und wie man hört, war er bis zuletzt auf dem Zettel einiger. Er ist jemand, der vielleicht dem neuen Bischofskonferenzvorsitzenden helfen kann, wenn es beispielsweise um die Kommunikation mit dem Vatikan geht. Denn Bätzing spricht kein Italienisch oder Spanisch und möchte in dieser Frage der Kommunikation gerne als Teamplayer agieren, vielleicht auch mit mehreren Bischöfen nach Rom fahren, um an der Kurie manches zu klären. Es wird noch spannungsreich werden in diesem Reformprozess, dem sogenannten Synodalen Weg.

Kommentar
Der neue Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Limburgs Bischof Georg Bätzing, auf einem Porträtfoto. © dpa - Bildfunk Foto: Harald Tittel

Bischof Bätzing: Ein Mann des Ausgleichs

Der Limburger Bischof Bätzing ist neuer Vorsitzender der katholischen Bischofskonferenz. Ihm ist zuzutrauen, im Reformprozess eine auf Ausgleich bedachte Rolle einzunehmen, meint Florian Breitmeier. mehr

Bätzing hatte als Nachfolger von Franz-Peter Tebartz-van Elst das Limburger Bistum aus den Schlagzeilen gebracht. Wir erinnern uns an Kostenexplosionen, an eine überteuerte Badewanne. Hat er sich in Sachen Krisenmanagement bewährt?

Breitmeier: Bätzing konnte sicherlich Gräben zuschütten, auch Brücken bauen. Das Bistum Limburg mit dieser neuen Residenz, die der ehemalige Bischof sich geschaffen hat, stand ja für Intransparenz, für männerbündische Strukturen und für Machtmissbrauch. Da ist Georg Bätzing ein ganz anderer Typ, und dass er hier so vermittelnd tätig werden konnte, das war auch ein Pluspunkt bei der Wahl in Mainz.

Kardinal Reinhard Marx hatte mit einem Paukenschlag seinen Rückzug angekündigt. Zu den Gründen hat er sich bis heute nicht klar geäußert. Viele Baustellen hat er hinterlassen. Wurden diese nach sechs Jahren Amtszeit womöglich zu komplex für ihn?

Breitmeier: Ich glaube schon, dass er sich geärgert hat, dass einige konservativen Bischöfe in Rom manches Mal interveniert haben, wenn ihnen etwas nicht gefallen hat. Es gibt ja einige Herausforderungen dort in der katholischen Kirche. Das hat sicherlich dazu geführt, dass er nicht mehr alles machen wollte. Aber dass er weiterhin mitreden will, dass er publizistisch tätig sein will, dass er für Reformen werben möchte, dass er sich entschieden für manche Öffnungen innerhalb der katholischen Kirche einsetzen will, das hat er schon deutlich gemacht. Das ist also kein Rückzug ins Biedermeier, den Kardinal Marx anstrebt.

Wohin steuert jetzt die katholische Kirche mit Georg Bätzing?

Breitmeier: Sicherlich in zunehmend aufbrausendes Fahrwasser. Wenn der Synodale Weg nun richtig Fahrt aufnimmt, werden auch die Konflikte nicht weniger, weil viele innerhalb der katholischen Kirche auf Reformen hoffen und diesen Synodalen Weg als die letzte Chance der katholischen Kirche in Deutschland ansehen. Da muss man sicherlich viel erklären können, wenn beispielsweise Rom Reformvorhaben abschmettert oder in einem Zustand der entschiedenen Unentschiedenheit hält, was auch ein quälender Prozess wäre. Dort muss er sicherlich sehr viel vermitteln, aber er kann als Mann des Ausgleichs sicherlich einiges bewirken.

Spannend wird auch die Frage in der Ökumene sein. Bätzing ist im nächsten Jahr Gastgeber des Ökumenischen Kirchentags in Frankfurt, und er ist Mitglied in einer Kommission, die sich dafür ausgesprochen hat, dass es durchaus denkbar ist, ein gemeinsames Abendmahl an diesem Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt zu feiern. Ich glaube schon, dass er auch ein Mann der Ökumene werden kann.

Das Gespräch führte Claudia Christophersen

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 03.03.2020 | 19:00 Uhr