Die Alte Nationalgalerie in Berlin © picture alliance/dpa Foto: Christoph Soeder

Wohin steuert die Stiftung Preußischer Kulturbesitz?

Stand: 04.12.2020 18:13 Uhr

Die Eröffnung des Berliner Humboldt Forums wurde aufgrund der Corona-Pandemie auf den Spätsommer 2021 verschoben. Hauptnutzerin des Humboldt Forums ist die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, über deren Zukunft in diesem Jahr eine heftige Debatte entbrannt ist. Eine Zwischenbilanz.

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von Christiane Peitz

Sie kommen nicht aus den Schlagzeilen, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), und die Staatlichen Museen zu Berlin. Im Juli hatte der Wissenschaftsrat den anderen Bereichen der Stiftung, etwa der Staatsbibliothek, ein recht ordentliches Evaluations-Zeugnis ausgestellt. Für die wichtigste Einrichtung jedoch, die Staatlichen Museen mit ihren 19 Häusern und 15 hochkarätigen Sammlungen, fiel das von Kulturstaatministerin Monika Grütters beauftragte Papier vernichtend aus.

Ein Weckruf für Deutschlands bedeutendste Kulturinstitution

Die externe Analyse monierte lähmende, "tief gestaffelte" Hierarchien, unklare Verantwortlichkeiten, unzureichende personelle und finanzielle Ausstattung sowie eine Öffentlichkeitspolitik, die die Häuser eher abschottet, als für sie zu werben. Die Gutachter machten einen radikalen Vorschlag: Auch die Dachstruktur sei "dysfunktional", deshalb empfahlen sie nicht die Reform, sondern de facto die Zerschlagung der Preußen-Stiftung.

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Ein Donnerschlag, ein Weckruf für Deutschlands größte, bedeutendste Kulturinstitution. Seitdem haben sich die schlechten Nachrichten gehäuft. Im August bestätigten die Museumsdirektorinnen und -direktoren den Gutachter-Befund in einem offenen Brief. Sie fordern ein Mitspracherecht beim Erneuerungsprozess und mehr Eigenverantwortung - was einer Meuterei Richtung Stiftungspräsident Hermann Parzinger und Museums-Generaldirektor Michael Eissenhauer gleichkommt. Während die Öffentlichkeit sich an der extrem zögerlichen Wiedereröffnung der Staatlichen Museen nach dem ersten Corona-Lockdown störte, führte die wegen einer verfehlten Liegenschaftspolitik endgültige Abwanderung der Sammlung Flick aus dem Hamburger Bahnhof zu weiteren Negativ-Schlagzeilen. Als dann der Stiftungsrat tagte, kam er überein, dass die SPK nicht zerschlagen, sondern lediglich reformiert werden soll. Und zwar mit Hilfe einer Kommission, der die bisherigen Player aus Politik und Chefetage angehören. Die Verantwortlichen für die jetzige Situation reformieren sich selbst, kann das gehen?

Intransparenz und Versäumnisse

Im Oktober bestätigte sich die Experten-Kritik dann noch einmal auf traurige Weise. Das Krisenmanagement nach den erst durch Medienberichte publik gewordenen Kunstanschlägen auf der Berliner Museumsinsel, bei denen rund 60 Werke beschädigt wurden, zeugte erneut von Intransparenz und Versäumnissen - auch bei der Sicherheit in den Museen. Die Kulturstaatsministerin zeigte sich ungehalten, mehrere Sammlungschefs brachten eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen ihren Vorgesetzten Eissenhauer ein. Der Generaldirektor glänzt in der Öffentlichkeit schon lange durch Abwesenheit. Inzwischen wurde bekannt, dass er zumindest seinen Zweit-Job nächstes Jahr abgeben muss, die Leitung der Gemäldegalerie.

Stiftungs-Präsident Parzinger betreibt derweil Schadensbegrenzung. Den Museumsteams bescheinigt er hohe Expertise, Engagement und Reformwillen. Wobei sich die Frage stellt, warum es dann einen externen Anstoß brauchte, wenn man intern längst die Missstände erkannt hat, und auch weiß, dass es nicht am Geld liegt.

Außenwirkung der Berliner Museen muss verbessert werden

4,2 Millionen Besucher zählten Berlins Staatliche Museen 2019. Allein der Pariser Louvre lockte doppelt so viel Publikum an, und jedes einzelne der großen Londoner Häuser kommt auf mehr als sechs Millionen, vom British Museum bis zur Tate Modern. Auch im deutschsprachigen Raum zieht es Kunstinteressierte eher zum Städel in Frankfurt am Main, nach Wien, nach Basel zur Fondation Beyeler oder ins nahegelegene Potsdamer Museum Barberini. Als hätten die Berliner Weltrang-Sammlungen nichts zu bieten. Immerhin fragt Parzinger endlich selbstkritisch, wie deren immenses Potential stärker nach außen wirken könne.

Ende November dann die nächste, wenig überraschende Hiobsbotschaft. Wegen des verlängerten zweiten Lockdowns kann das Humboldt Forum im wiedererrichteten Schloss seinen mehrfach verschobenen Eröffnungsreigen jetzt nicht einmal in diesem Dezember starten. Das Schloss wird nur digital teil-eröffnet - mit Livestreams und Online-Führungen. Nun ist das Humboldt Forum zwar in einer eigenen Stiftung organisiert: Die Politik wollte der allzu mächtigen Preußen-Stiftung nicht auch noch dieses nationale Prestigeprojekt überantworten. Mit dem Einzug des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst fungiert die Stiftung Preußischer Kulturbesitz aber als wichtigste Schloss-Nutzerin; die Museen füllen die meisten Geschossflächen. Deren Etappenstart ist nun für den nächsten Spätsommer vorgesehen, aber wer weiß schon, ob wenigstens dieser Termin gehalten werden kann.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Gedanken zur Zeit | 06.12.2020 | 19:00 Uhr