Männer beten in einer Moschee © imago

Wie reagieren Moscheegemeinden auf die Corona-Lage?

Stand: 19.11.2021 11:49 Uhr

Aufgrund der Religionsfreiheit sind Einschränkungen für Freitagsgebete eher gering. Nun werden die Moscheegemeinden aktiv - nach Möglichkeit sollen vielerorts künftig nur Geimpfte und Genesene in die Moschee.

Männer beten in einer Moschee © imago
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von Michael Hollenbach

Noch gelten für die Gebete in den Moscheen die bisherigen AHA-Regeln. Außerdem müssen die Muslime ihre eigenen Gebetsteppiche mitbringen und sich anmelden. Doch Recep Bilgen, Vorsitzender der Schura Niedersachsen, tendiert zu 3G- oder 2G-Regeln in den Gemeinden: "Grundsätzlich haben wir den Moscheegemeinden empfohlen, wenn es möglich ist, diese Regelungen einzuführen, und die Moscheegemeinden sind jetzt dabei, das zu überprüfen."

Doch noch entscheiden die Moscheegemeinden zumeist eigenständig, wie sie mit den allgemein steigenden Infektionszahlen umgehen: "Wenn es die Räumlichkeiten nicht hergeben, dann können wir die 2G- oder 3G-Regelung nicht praktizieren", so Bilgen.

Und auch in den Moscheegemeinden, in denen 3G oder 2G praktiziert wird, soll es noch die Option geben, ohne Beschränkungen am Freitagsgebet teilzunehmen. Das religiöse Angebot des Freitagsgebets will man den Gläubigen nicht verwehren.

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"2G würde das Gebet in seiner traditionellen Form ermöglichen"

Dass Gottesdienste und Freitagsgebete staatlicherseits weniger reglementiert werden als beispielsweise Kulturveranstaltungen, das liegt an der grundgesetzlich geschützten Religionsfreiheit. "Das ist auch der Grund, weshalb das seitens des Senats mit spitzen Fingern angefasst wird; man fürchtet Klagen dagegen. Das ist eine Rechtsgüterabwägung", erklärt Rechtsanwalt Norbert Müller, der Vorstandsmitglied der Schura Hamburg ist. Gemeint ist die Rechtsgüterabwägung zwischen der Religionsfreiheit und dem Gesundheitsschutz. Auch in Hamburg gilt für die Gebete in den Moscheen bislang noch 0G: Jeder kann - unter AHA-Regeln - kommen.

"Ich persönlich würde bevorzugen, dass - ohne dass das vom Senat kommt - wir auch in den Moscheen, soweit möglich, 2G einführen", sagt Müller. Also Zutritt nur für Geimpfte und Genesene. Das will Norbert Müller am Sonntag bei der Mitgliederversammlung der Schura vorschlagen. Das hätte auch einen religiösen Vorteil, findet er: "Das würde wieder das Gebet in seiner traditionellen Form ermöglichen, wie wir es vor Corona hatten." Es dürften dann wieder mehr Muslime in die Moschee, man müsste nicht mehr mit Abstand beten.

"Es gibt auch unter den Muslimen Impfverweigerer"

Allerdings weiß Norbert Müller auch, dass die Empfehlung einer 2G-Regelung Konfliktpotential besitzt: "Weil das auch innerhalb der Gemeinden durchgesetzt werden muss, und wie überall in der Gesellschaft gibt es auch unter den Muslimen Impfverweigerer. 2G durchsetzen bedeutet auch die Konfrontation mit diesen Leuten."

Wobei der Hamburger Anwalt sagt, er habe noch nicht gehört, das Impfgegner ihre Ablehnung mit religiösen Motiven begründet hätten: "Die Leute sagen das gleiche Zeug, was andere Impfgegner auch erzählen." Von Unsicherheiten über vermeintliche Spätfolgen über Angst vor der Spritze bis hin zu kruden Verschwörungsfantasien.

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Impfen als ethisch-religiöse Pflicht

Die Position der islamischen Gemeinschaften ist eindeutig, betont der Niedersachse Recep Bilgen. Die Imame würden in den Freitagsgebeten immer wieder dazu aufrufen, sich impfen zu lassen. Und das Impfen, so der Vorsitzende der Schura in Niedersachsen, sei für ihn eine ethisch-religiöse Pflicht: "Weil es darum geht, Menschen und Mitmenschen zu schützen. Am Ende kann der Verlauf so schwerwiegend sein, dass Menschen dadurch sterben - und diese Verantwortung können wir nicht hinnehmen."

Vor allem in Hamburg haben sich die Moscheegemeinden vor Ort aktiv an Impfkampagnen beteiligt, betont Norbert Müller. Mit großem Erfolg: "Das holt die Menschen ab, bei denen bislang die Informationen nicht angekommen sind, die das nicht auf die Reihe bekommen haben, zum Arzt zu gehen. Das ist eine gute Sache und da haben sich viele Gemeinden sehr aktiv beteiligt." Und das soll nun wieder verstärkt passieren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Freitagsforum | 19.11.2021 | 15:20 Uhr