Die Hamburger Sängerin sarajane. © Sarajane

Wie geht es der Kultur in der Corona-Krise? Eine Langzeitbeobachtung

Stand: 06.05.2021 09:00 Uhr

Das Thema "Kultur in der Corona-Krise" begleitet uns seit mittlerweile 14 Monaten. Der NDR begleitet in einer Langzeitbeobachtung ein paar Kulturschaffende, z.B. die Hamburger Sängerin Sarajane McMinn.

von Susanne Birkner

Eigentlich bestreitet die Hamburger Sängerin Sarajane McMinn ihren Lebensunterhalt mit Live-Auftritten als Solo-Künstlerin und Backgroundsängerin. Wie ergeht es ihr in dieser Phase der Pandemie, wollen wir als erstes wissen: "Ich habe gestern ein paar Videos gedreht, das war ganz fabelhaft. Das hat sich angefühlt, wie zu einem Konzert zu gehen. Ich war voll geschminkt und hatte eine Gitarre auf den Rücken geschnallt."

Und das in einer Hamburger Bar - natürlich geschlossen und alle getestet. Aber die Hauptsache: endlich wieder Live-Musik. "Zwar nur für uns, aber es hat sich ganz schön angefühlt." Für Musikerinnen wie Sarajane gilt: Seit über einem Jahr können sie ihren Beruf nicht ausüben.

"Wir können uns jetzt nicht runterschrumpfen"

Klar, es gibt Förderprogramme und staatliche Hilfsgelder. Oder Aktionen wie gerade von der Hamburger Sparkasse, die Künstlerinnen und Künstler und Unternehmen miteinander verbindet. Wie eine Art Patenschaft. Eine Idee von Stefan Gwildis, und auch bei Sarajane hat sich nach einem virtuellen Vorsingen schon ein interessiertes Unternehmen gemeldet, das sie unterstützen will.

Dennoch ist die Ansage vom Bund weiterhin: "Es gibt doch die Grundsicherung." Sarajane erklärt: "Hartz IV ist natürlich die Grundsicherung. Das heißt, es wird sofort infragegestellt, ob man diese große Wohnung eigentlich braucht. Wo vielleicht ein Zimmer mehr drin ist, das dein Probezimmer ist, oder in dem du Unterricht gibst unter normalen Umständen. Das geht natürlich nicht, wir können uns jetzt nicht runterschrumpfen. Die Schwierigkeit, nach dieser Pandemie wieder zu starten, ist groß genug."

Sarajane beobachtet eine Radikalisierung im Künstlerumfeld

Natürlich ist es gut, dass es diese Grundsicherung gibt, sagt Sarajane. Aber seit über einem Jahr kaum Einnahmen - das macht etwas mit den Menschen in ihrem Künstlerumfeld, beobachtet Sarajane: "Die Radikalisierung nimmt stark zu, habe ich das Gefühl. Was ich vor allem so schlimm daran finde, ist, dass wir die Mitte komplett verloren haben, oder die Möglichkeit für einen Austausch."

Große Bandbreite an Reaktionen bei #allesdichtmachen-Aktion

Sie mag die Diskussionen in den sozialen Medien kaum noch verfolgen. Aber natürlich kann man sich als Sängerin nicht ganz davon zurückziehen. Auf sozialen Medien wirbt man für sich und bleibt mit den Fans in Kontakt.

Nach der Aktion #allesdichtmachen, bei der mehr als 50 Schauspielerinnen und Schauspieler in satirischen Videos einen Lockdown für immer forderten, sei es in ihrer Bubble hoch hergegangen: "Ganz unterschiedlich: von unfassbar, ganz hasserfüllt, bis: 'Es spricht mir aus der Seele'. Ich habe schon das Gefühl, dass es die Leute mehr angeht. Deswegen waren auch die Reaktionen so scharf. Wenn du eine Existenz hast, die seit einer ganzen Zeit auf Pause steht, beschäftigt man sich damit natürlich viel mehr." Im Sommer soll es in Norddeutschland wieder Open-Air-Konzerte geben. Bis dahin heißt es: durchhalten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 06.05.2021 | 08:55 Uhr