Julia Schnetzer © Gabriela Valdespino

Welttag der Ozeane: Meeresbiologin Julia Schnetzer im Gespräch

Stand: 08.06.2021 16:41 Uhr

Die Meere liegen Julia Schnetzer sehr am Herzen - deshalb hat die Meeresbiologin, Podcasterin und Bloggerin das Buch geschrieben: "Wenn Haie leuchten: Eine Reise in die geheimnisvolle Welt der Meeresforschung".

Julia Schnetzer © Gabriela Valdespino
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Frau Schnelzer, meine erste Frage bezieht sich auf den Titel Ihres Buches: Wie kommt es, dass Haie leuchten?

Julia Schnetzer: Es gibt zwei verschiedene Arten. Die Biolumineszenz, das heißt, das sind Haie, die von selber leuchten, das ist hauptsächlich in der Tiefsee der Fall. Und es gibt die Biofluoreszenz - das kennt man auch aus der Disko, wenn die Klamotten neonfarbig leuchten. Das können Haie und auch andere Meerestiere auch. Wenn man im Dunkeln mit UV-Licht auf diese Tiere strahlt, dann leuchten die in ganz tollen Neonfarben.

"Meeresbiologie ist definitiv das sexy Fach unter den Naturwissenschaften" - so schreiben Sie in Ihrem Buch. Aber Ozeane sind längstens nicht so erforscht wie viele andere Gebiete der Naturwissenschaften. Woran liegt das?

Schnetzer: Das liegt daran, dass das Wasser im Meer für uns ein fremdes Element ist. Wir können da nicht einfach rein und uns umgucken, sondern wir brauchen technische Hilfsmittel, um das tun zu können. Das ist sehr teuer und aufwendig. Und da das Meer sehr groß ist, ist das noch nicht so gut erforscht.

Haie stehen bei ihnen im Fokus. Wie leben die Tiere unter Wasser? Gibt es so etwas wie Gesellschaftssysteme?

Schnetzer: Nein. Man kann das mit Tieren an Land vergleichen. Es gibt Tiere, die in Symbiose miteinander leben, es gibt Tiere, die in Konkurrenz zueinander sind. Es gibt verschiedene Verhältnisse, wie Tiere miteinander leben. Aber natürlich sind alle irgendwie voneinander abhängig und miteinander verbunden.

Neben Tieren, Fischen gibt es einen Boden, der tiefer und tiefer wird. Wie sieht es da aus? Irgendwann kommen die tiefen Abgründe, die Berge, die Ströme und so weiter.

Schnetzer: Tatsächlich kann man sich vorstellen, dass auf dem Meeresboden richtige Gebirgszüge und Täler sind. Es ist sehr dunkel und sehr kalt da unten, und es herrscht dort sehr hoher Druck. Die Tiere, die da leben - ja, es leben tatsächlich Tiere auch am tiefsten Grund des Meeres - müssen sich speziell anpassen, um mit dieser Kälte und dem Druck klarzukommen. Es ist sehr faszinierend, dass sie das geschafft haben. Dafür haben sie einen speziell aufgebauten Körper und spezielle Proteine, die ihnen helfen, mit diesem Druck klarzukommen.

Es ist inzwischen unstrittig, dass Meere geschützt werden müssen. Trotzdem gibt es viel Müll im Meer. Was ist Ihnen da alles untergekommen?

Buchcover: Julia Schnetzer: "Wenn Haie leuchten" © Hanser Verlag
"Wenn Haie leuchten" ist im Hanser Verlag erschienen und kostet 18,00 Euro.

Schnetzer: Ich glaube, das hat schon jeder erlebt, der am Meer war, dass da Müll am Strand liegt oder im Wasser schwimmt. Mich hat es mal auf den Kanaren sehr beeindruckt, als eines Tages der ganze Strand voll mit lauter kleinen Mikroplastikteilen war. Diese sind wahrscheinlich von einem Containerschiff verloren gegangen - das ist quasi der Ursprung des Plastiks. Und weil sich da wohl die Strömungen geändert haben, wurde alles an den Strand geschwemmt. Aber so schnell das gekommen ist, so schnell war das auch wieder weg, weil das Meer das am nächsten Tag wieder aufgenommen hat. Das war faszinierend zu sehen und gleichzeitig sehr traurig.

Was muss getan werden, um Müll nicht nur zu reduzieren, sondern ganz aus dem Meer zu lassen? Gibt es Projekte, die Sie besonders überzeugen?

Schnetzer: Es ist am wichtigsten, die Quelle zu stoppen, damit der Müll nicht weiterhin ins Meer gelangt. Es ist der wichtigste Schritt, das zu reduzieren. Einen Teil des Plastiks können wir aus dem Meer rausholen, gerade, wenn er an den Stränden angeschwemmt wird oder an der Oberfläche schwimmt. Aber es ist tatsächlich so, dass das meiste Plastik im Meer wohl auf dem Meeresgrund liegt. Und da werden wir es nicht mehr entfernen können, ohne dass wir den Meeresgrund zerstören - was nicht gut für das Ökosystem wäre. Deswegen sind Initiativen, die versuchen zu verhindern, dass das Plastik überhaupt erst ins Meer gelangt, sehr sinnvoll und effektiv, gerade wenn Projekte an Flüssen ansetzen.

Sind Sie optimistisch, wenn Sie über den Zustand der Weltmeere nachdenken, oder haben Sie eher Sorgenfalten?

Schnetzer: Das ist immer so ein bisschen tagesabhängig, je nach dem, was man gerade so hört. Es gibt viele schlechte Nachrichten, aber es gibt ab und zu auch gute, wie zum Beispiel, dass die Seepferdchen wohl wieder zurück an der deutschen Nordseeküste sind, was ich sehr schön finde. Wenn wir uns anstrengen und da wirklich etwas gemacht wird, habe ich Hoffnung, dass sich die Situation noch verbessert.

Das Interview führte Claudia Christophersen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 08.06.2021 | 18:00 Uhr