Stand: 11.07.2019 08:29 Uhr

Junges Theater Göttingen zieht um

von Irene zu Dohna

40 Jahren war das Junge Theater Göttingen im Otfried-Müller-Haus beheimatet. Wegen einer Sanierung zieht es nun um - mit Schneiderei, Garderoben und Bühnentechnik.

Gerade wandern 40 Brautkleider aufgereiht auf zwei Kleiderstangen in den Umzugs-Lkw. Das Junge Theater verlässt mit seinem Ensemble und sämtlichen Abteilungen die bisherige Spielstätte am Göttinger Marktplatz: Requisiten, Kostüme, Bühnenteile - alles muss mit.

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Schauspielerin Agnes Giese hilft mit beim Umzug.

Drei Tage Umzugsstress und jeder Mitarbeiter, jede Mitarbeiterin fasst mit an. So auch die Schauspielerin Agnes Giese: "Ich habe hier meinen Arbeitsplatz seit 25 Jahren. Und deswegen ist es ganz klar, dass ich mit umziehen helfe. Es ist ja auch irgendwie meine Wohnung. Da verabschiedet man sich am besten, wenn man mit umziehen hilft. Man verabschiedet sich doch den ganzen Tag von den ganzen Erlebnissen, die man hier hatte."

Seit mehr als 40 Jahren ist das Junge Theater Göttingen im Otfried-Müller-Haus beheimatet. Doch das denkmalgeschützte Haus ist marode, es muss dringend saniert werden. Sechs Millionen Euro soll der Umbau kosten.

Vorfreude auf die neuen Räumlichkeiten

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Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen helfen tatkräftig beim Verladen des Theaterinventars.

Kartons verladen im Akkord: Kronleuchter, Kostüme und sogar ein kleiner Panzer in Bobby-Car-Größe verschwinden nach und nach im Bauch des Lkw. Oben auf der Ladefläche stapelt Schauspieler Jan Reinartz die gepackten Kisten: "Es ist komisch. So die große Rührung hat sich noch nicht eingestellt. Es ist ein bisschen gespenstisch durch das Haus zu gehen, das jetzt ganz leer ist. Aber ich muss nicht weinen, ich freue mich darauf, wie es weitergeht. Also, ich freue mich auf das neue Haus. Es ist ja viel gemacht worden und das müssen wir jetzt erst einmal erobern. Ich bin ich sehr gespannt."

Die neue Spielstätte, eine ehemalige Realschule, ist nur wenige hundert Meter entfernt. Sabrina Genschow wuselt durch die frisch renovierten Räume. Sie leitet Schneiderei, Garderobe und Fundus, und hat den Umzug gleich zum Ausmisten genutzt. "Für uns war es eine gute Möglichkeit den ganzen Fundus einmal auszusortieren", erzählt sie. "Alles umzukrempeln, was raus, was weg kann. Wir haben ganz viel für die Kleiderspende gesammelt, für die Brocken-Sammlung, mit der wir auch zusammenarbeiten. Und drüben ein neues System zu etablieren wird bestimmt spannend. Zu schauen: Wie stellen wir alles, wie wird es da so? Aber ich bin da sehr guter Dinge, dass das alles klappen wird."

Am 20. September ist Premiere

Im neuen Zuhause rennt Bühnentechniker "Önny" treppauf, treppab. Schleppt Kabeltrommeln, Samtvorhänge, Glitzer-Deko. Sein persönliches Fazit: "Super läuft es. Es packen alle mit an. Wir sind hoffentlich alle bald fertig. Alles gut."

Dort, wo früher Kinder die Schul-Aula mit Leben füllten, wird die neue Theaterbühne des Jungen Theaters für die nächsten drei, vier Jahre ihr Zuhause haben. Pünktlich zur Premiere von "Der Diener zweier Herren" am 20. September heißt es dann: Vorhang auf! Doch bis dahin müssen erst einmal alle 500 Kartons wieder ausgepackt werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 11.07.2019 | 09:20 Uhr

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