Der untere Körper von zwei Frauen in Jogginghosen vor grauem Hintergerund. © fotolia.com Foto: antve, Robert Kneschke

Was macht die Corona-Krise mit der Mode?

Stand: 09.12.2020 10:23 Uhr

Corona und Mode - das passt erst mal nicht zusammen: Im Homeoffice bleiben Kostüme und Anzüge im Schrank, die Jogginghose hat Konjunktur. Wie geht es weiter?

von Stefanie Wittgenstein

Es stimmt wirklich. Jeder gesellschaftliche Umbruch hat auch seine Mode gehabt. Nach der Französischen Revolution wollten die Frauen keine aufwendigen Roben mehr tragen, sondern luftig-locker geschnittene Empire-Kleider. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Röcke der Frauen kürzer oder gleich ganz gegen Hosen getauscht. Und die Hippie-Bewegung mit ihren bunten Klamotten entstand aus Protest gegen den Vietnam-Krieg. Was macht die Corona-Pandemie mit der Mode?

Mehr Oberteile, weniger Hosen und Anzüge

Derzeit beobachte man eine veränderte Nachfrage, sagt die Hamburger Designerin von Hello, Susanne Gröhnke: "Wir haben schon gesehen, dass die Kunden vermehrt Oberteile kaufen, im Verhältnis zu Hosen und Röcken oder klassischen Kostümen." Einiges laufe über Online-Konferenzen, viele arbeiteten im Homeoffice, "und dann sieht man eben nur den Oberkörper." Auch Bent Angelo Jensen, Designer für Herrenmode für Herr von Eden, kann den Trend bestätigen. "Natürlich ist es nicht überraschend, dass wir weniger Anzüge verkaufen. Unglücklicherweise ist uns im März und April auch die ganze Hochzeitssaison weggebrochen."

Corona trifft die Modebranche hart

Die Modebranche wurde hart von der Corona-Krise getroffen, ähnlich wie die Reisebranche. Die Einbrüche lagen bei vielen bei weit über 40 Prozent. Auch große Marken straucheln, Hugo Boss beispielsweise beklagt einen Umsatzverlust von 60 Prozent. Wie geht es jetzt weiter?

Die Mode 2021 wird farbenfroh

Gerade entwerfen die Designer ihre Kollektion fürs nächste Jahr. Für den Sommer 2021 - mit viel Glück also den Sommer nach Corona? Susanne Gröhnke findet diese Aussicht inspirierend: "Wir glauben, dass dann wieder ein anderes Lebensgefühl entsteht. Wir stellen uns das jedenfalls vor, dass wir rausgehen und wieder ein bisschen mehr Freiheit haben." Mehr Farbe, mehr Muster - als Gegengift zur langen Zeit zu Hause auf dem Sofa. "Das sind leichte Stoffe, und die Kleider sind auch feminin, wir entwerfen viele Kleider, weil wir uns vorstellen, dass unsere Kundinnen da drauf stehen nächsten Sommer, und das macht auch richtig Spaß."

Die Frauen also werden wieder viel femininer - und die Männer? Bent Angelo Jensen entwirft interessanterweise in eine ähnliche Richtung - nämlich wieder maskuliner. "So wie wir es damals in den 50er-Jahren erlebt haben oder den 40er-Jahren - wenn Stärke vom Menschen abverlangt wird, dann werden die Schultern betont, dann kommt die Kraft in das Outfit", sagt er. Zudem würden Farben und Muster kombiniert: "Also bloß nicht Blau mit Blau mit Blau vor Blau."

Was wird aus der Jogginghose?

Werden wir das in vielen Jahren in unseren Geschichtsbüchern lesen? "Im Sommer nach Corona, da trugen wir Farbe und Muster, die Frauen Kleider, die Männer breite Schultern?" Und wird da dann vielleicht auch stehen: "Eine Jogginghose hat seitdem nie wieder jemand getragen?" Susanne Gröhnke ist sich da nicht sicher, "vielleicht im Wechsel." Branchenkenner vermuten, dass die sogenannte Lounge Wear, also die bequeme Kleidung, sogar eher noch wichtiger wird, was zweistellige Umsatzzuwächse bei Sportartikel-Herstellern wie Nike auch belegen. Auch wenn das nicht jedem gefällt: "Das war die letzten Jahre schon viel, viel, viel zu viel", sagt Bent Angelo Jensen. "Also dass erwachsene Männer in Jogginghosen ohne Socken in irgendwelchen Slippern rumlaufen, das ist unerträglich."

Dieses Thema im Programm:

Kulturjournal | 09.12.2020 | 19:00 Uhr

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