Stand: 23.08.2019 11:36 Uhr

"Was ihr wollt": Lechtenbrink in Herzensrolle

von Daniel Kaiser

Es war eine besondere Geburtstagsparty im Hamburger Ernst Deutsch Theater. Volker Lechtenbrink hatte sich zu seinem 75. Geburtstag das Stück "Was Ihr wollt" von Shakespeare gewünscht. Er hat den Text neu bearbeitet, gemeinsam mit seiner Tochter Saskia Ehlers Regie geführt und selbst in der Rolle des Narren den ganzen Abend auf der Bühne gestanden. Am Donnerstag hat das Stück Premiere gefeiert.

Ernst-Deutsch-Theater mit der Shakespeare-Komödie "Was ihr wollt"

Volker Lechtenbrink in "Was ihr wollt"

Hamburg Journal -

Volker Lechtenbrink feiert im Ernst Deutsch Theater mit der Shakespeare-Komödie "Was ihr wollt" Premiere, als Schauspieler und als Regisseur.

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Er deklamiert, singt und rappt sogar. Volker Lechtenbrink ist immer da. In der Rolle des Narren im hellen Leinenanzug sitzt er auf einem Holzfass, beobachtet das Treiben auf der Bühne und lächelt ins Publikum: "Das kann ja heiter werden!" Lechtenbrink ist ganz er selbst.

Eine Insel mit Plastikbananen

Volker Lechtenbrink im Shakespeare-Stück "Was Ihr wollt" auf der Bühne des Ernst Deutsch Theaters in Hamburg. © Oliver Fantitsch

Volker Lechtenbrink feiert mit Shakespeare Geburtstag

NDR 90,3 - Kulturjournal -

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In Shakespeares verwirrender Verwechslungs- und Verkleidungskomödie verlieben sich die Menschen ineinander - ob Mann oder Frau scheint egal. Man will sich die Augen reiben: Ist das Stück wirklich 400 Jahre alt? Aktuelle Gender-Debatten greift der Abend allerdings nicht auf. Nur die Musik ist modern, wenn als Leitmotiv zum Beispiel immer wieder "The Lion sleeps tonight" vom Band erklingt. Das Stück war erklärtermaßen Lechtenbrinks Herzenswunsch zum Geburtstag.

Gerade jedoch im ersten Teil fehlt der Shakespeare-Spirit. Manche Dialoge und Monologe versickern und verenden. Die Zeit dehnt sich und man erwischt sich dabei, über die Plastikblumen und Plastikbananen, die auf dem Schiffswrack in der Bühnenmitte etwas lieblos angeklebt sind, zu meditieren. Die Drehbühne ist eine Insel mit Zimmerpflanzen und Sand. Auf ihr stranden alle Figuren.

Tragik mit gelben Strumpfhosen

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Jonas Minthe (r.) spielt den hysterischen, ängstlichen Ritter; hier in einer Szene mit Volker Lechtenbrink (l.) und Thomas Cermak (Mitte).

Vor allem, wenn der junge Schauspieler Jonas Minthe als hysterischer, ängstlicher Ritter mit langem weißem Haar auf der Bühne steht, kommt Shakespeare auf Betriebstemperatur. Da wird der Abend dann wirklich zum prallen, saftigen Volkstheater - inklusive stürmischer Fechtszene. Besonders stark auch Roland Renner als tragischer Hofmeister Malvolio, ein Opfer böser Intrigen, der am Ende in gelben Strumpfhosen gedemütigt auf der Bühne steht. Das waren dann die glücklichsten und dichtesten Momente, von denen es gern deutlich mehr hätte geben können.

Shakespeare verträgt mehr Tempo und mehr Rhythmus, als Volker Lechtenbrink und Saskia Ehlers an diesem Abend gezeigt und dem eigentlich spielfreudigen Ensemble (unter anderem mit Ines Nieri als Viola, Parbet Chugh als Orsino und Stella Roberts als Gräfin Olivia) ermöglicht haben. Am Ende gibt es vom Premierenpublikum viel Applaus sowie einen Riesenstrauß weißer Rosen und auf der Premierenfeier dann noch ein Geburtstagsständchen für Volker Lechtenbrink.

Porträt

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 23.08.2019 | 19:00 Uhr

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