Besucher in der Ausstellung des Museums Kalkriese. © VARUSSCHLACHT im Osnabrücker Land Foto: Hermann Pentermann

Varusschlacht Museum: Großes Interesse nach Netflix-Serie

Stand: 08.07.2021 09:51 Uhr

Die Netflix-Serie "Barbaren" hat einen Hype um den Hermann-Mythos ausgelöst. Davon profitiert auch das Varusschlacht Museum in Kalkriese, das die digitalen Möglichkeiten in Zukunft noch besser nutzen möchte.

von Anina Pommerenke

Auf Instagram hat der Account des Varusschlacht Museum seit einiger Zeit einen prominenten neuen Follower: Den österreichischen Schauspieler Laurence Rupp. Er spielt in der erfolgreichen Netflix-Serie "Barbaren" den Arminius. "Eigentlich war es auch schon fest vereinbart, dass die drei Hauptdarsteller der Serie mal bei uns vorbei kommen", schmunzelt Geschäftsführer Dr. Stefan Burmeister und outet sich gleich als Fan der Produktion: "Ich habe sie logischerweise gleich am ersten Wochenende gesehen". Ihm habe gut gefallen, wie die Serienmacher die zahlreichen Leerstellen gefüllt haben, die es in der Forschung rund um die Varrusschlacht immer noch gibt. Einiges könnte tatsächlich so gewesen sein, sagt Burmeister. Nur die Varusschlacht sei am Ende etwas kurz gekommen. Aber dafür gibt es ja auch das Varusschlacht Museum. Einige der Kolleginnen stehen im Austausch mit Laurence Rupp, der seinen Besuch hoffentlich noch nachholen wird.

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"Barbaren" löst Hype um den Hermann-Mythos aus

Die Serie hatte kurzfristig einen richtigen Hype rund um den Hermann-Mythos und die Varrusschlacht ausgelöst. Auch zahlreiche Medien haben sie zum Anlass genommen, sich mit dem aktuellen Forschungsstand rund um das Ereignis auseinanderzusetzen. Und zu hinterfragen, wie authentisch Netflix bei der Darstellung geblieben ist. "Das war denkbar schlechtes Timing, eine Woche nach dem Serienstart, wurden die Museen geschlossen", erinnert sich Burmeister. Er ist sich sicher, dass sich das sonst in den Besucherzahlen niedergeschlagen hätte. Auch jetzt werde das Team in Kalkriese immer wieder auf die Serie angesprochen.

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Zwei Kämpfer bei den Römer- und Germanentagen in Kalkriese. © NDR Foto: Thomas Stahlberg

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Varusschlacht Museum fehlen die Schulklassen

Nun ist der Betrieb in Museum und Park also endlich wieder angelaufen. Die Besucherinnen und Besucher nehmen das dankbar an, freut sich Burmeister: "Das ist ja auch Sinn und Zweck des Museums, dass Menschen zusammen kommen an einem Ort mit den Objekten, dass Austausch stattfindet." Für Verunsicherung auf allen Seiten würden nach wie vor die sich ständig ändernden und teilweise nicht ganz eindeutigen Regeln sorgen. So gelte etwa für Outdoor-Erwachsenenbildung Maskenpflicht, bei Stadtführungen nicht.

Was dem Museum besonders schmerzhaft fehlt sind die Schulklassen: Normalerweise besuchen 2.000 Schulklassen im Jahr das Varusschlacht Museum. Das sind 30.000 Kinder und Jugendliche und damit rund 40 Prozent der Besucher. Erfreulicherweise habe aber der Landkreis Osnabrück signalisiert, dass man bei wirtschaftlichen Problemen nicht im Regen stehen gelassen werde.

Neue Formate in der Pandemie entwickelt

Ein Mann und ein Mädchen - jeweils mit einer Schutzmaske - stehen vor einer Schulklasse. © Varusschlacht im Osnabrücker Land
Das Varusschlacht Museum kommt in die Schule- das Outreach-Programm wird laut dem Museum von den Schulen gern angenommen.

Durch die Corona-Pandemie hat sich das digitale Angebot des Museums erweitert und zunehmend professionalisiert. So wurden Online-Führungsangebote entwickelt und das Infotainment-Angebot in den Sozialen Medien ausgeweitet. Interessanterweise taten sich so auch ganz neue Zielgruppen auf, wie zum Beispiel die deutschen Schulen im Ausland.

Außerdem habe man sich neue "Outreach-Programme" überlegt. "Wenn die Schulen nicht zu uns kommen dürfen, gehen wir halt in die Schulen", resümiert Burmeister. Das Angebot werde sehr gut angenommen und werde daher auch weiter ausgebaut.

Als Museum sei es ohnehin wichtig, nicht stehen zu bleiben. Nicht nur der Faktenstand der Forschung ändere sich, auch die Interessenslage der Menschen und ihre Sehgewohnheiten. Aktuelle Debatten werden in Kalkriese aufgegriffen - wie zum Beispiel bei der Ausstellung "2 Millionen Jahre Migration" im vergangen Jahr.

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Ein Holzstich nach Hermann Plüddemann von 1855 zeigt die Varusschlacht. © picture-alliance / akg-images

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Augmented Reality soll die Historie erlebbar machen

Eine Frau hält ein Tablet in der Hand und guckt darauf. © Varusschlacht im Osnabrücker Land
Mit Hilfe von Augmented Reality und einer App soll Geschichte im Museumspark noch lebendiger werden.

Ebenso wie neue technische Trends: Ausstellungen, die vor zehn Jahren konzipiert wurden, sehen heute schon veraltet aus, gibt der Geschäftsführer zu bedenken. So arbeite man gerade an App-Anwendungen für den Park, die auch mithilfe von Augmented Reality funktionieren sollen. Besucherinnen und Besucher könnten sich dann mit dem Smartphone durch den Park bewegen und sich etwa historische Darstellungen direkt am Ort des Geschehens anschauen. Optisch wolle man sich dabei an den Sehgewohnheiten von modernen Computerspielen orientieren.

Inhaltlich ist die Planung für die kommenden Jahre fortgeschritten, auch wenn die Corona-Pandemie nach wie vor für große Unsicherheit sorgt: "Ich kann mir vorstellen, dass da noch mal eine große Schlussrechnung aufgemacht wird. Das wird sich gerade im Kulturbereich in den nächsten Jahren noch ganz bitter darstellen", befürchtet Burmeister. Er wünscht sich daher auch eine breitere Diskussion darüber, warum Kultur systemrelevant ist.

Ausstellung zu Pompeii im kommenden Jahr geplant

Burmeister hat mit seinem Team für das kommende Jahr schon eine Ausstellung zum Untergang von Pompeii in der Pipeline. Im übernächsten wird Jahr wird die eigene Forschung im Fokus stehen. Bis dahin ist auch der römische Schienenpanzer restauriert. Den spektakulären Fund hatten Archäologen auf dem Gelände frei gelegt.

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Eine erste Illustration des Schienenpanzers Typ Kalkriese anhand des Neufunds aus Kalkriese. © Roland Warzecha / Varusschlacht im Osnabrücker Land - Museum und Park Kalkriese Foto: Roland Warzecha

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Nun kann sich das Team aber erst mal auf den Sommer freuen. Da viele Familien wegen der Pandemie auf Urlaubsreisen verzichten, rechnet Burmeister mit mehr Besucherinnen und Besuchern als vor der Pandemie. Das Haus bietet außerdem ein umfangreiches Sommerferienprogramm für Familien an.

Karte: Varusschlacht-Museum Kalkriese

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 14.11.2020 | 13:40 Uhr