Stand: 02.12.2019 10:57 Uhr

Viel Jubel für Neumeiers "Glasmenagerie"

von Annette Matz

In der Hamburgischen Staatsoper hat am Sonntag John Neumeiers Balletts "Die Glasmenagerie" nach Tennessee Williams Uraufführung gefeiert. 1944 war das Theaterstück erstmals in Chicago gezeigt worden. Eine Familiengeschichte um die gehbehinderte Laura Wingfield, die sich in ihrer Sammlung zerbrechlicher Glastieren verliert. Nun gab es das vielschichtige Familiendramas als Ballett.

Bühnenausschnitt des Theaters "Die Glasmenagerie".

John Neumeiers "Die Glasmenagerie" feiert Premiere

Hamburg Journal -

John Neumeier bringt das Theaterstück "Die Glasmenagerie" von Tennessee Williams als Ballett auf die Bühne. Der kanadische Solist Félix Paquet tanzt darin die Rolle seines Lebens.

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"Glasmenagerie": Stilles Stück als Ballettabend

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Alina Cojocaru (in der Mitte) tanzt Laura Rose Wingfield, Edvin Revazov Tennessee und Patricia Friza Lauras Mutter Amanda Wingfield.

Anfangs schien da Publikum fast etwas benommen - aber dann gab es Jubel für das Hamburg Ballett und seinen Chef John Neumeier für einen ausgezeichneten Abend, dem man ansah, wie viel Herzblut und Arbeit sich dahinter verbirgt. Doch die Reihen lehrten sich überraschend schnell: John Neumeier hat sein Ballettpublikum offenbar herausgefordert. Mit Stille, mit einer komplexen Geschichte, der man folgen können muss, um den Abend zu verstehen und von Anfang bis Ende spannend zu finden. Er hat eher ein stilles Theaterstück, ohne Worte erzählt, als einen Ballettabend kreiert.

Musik von Charles Ives

Die Musik ist gleich zu Beginn ein Sog: Es sind die Geigen in der Komposition von Charles Ives, die einen sofort in die Familiengeschichte der Wingfields hineinziehen. Hauptpersonen sind die gehbehinderte Laura Wingfield, ihr Bruder Tom, der Kunst machen will, aber in einer Schuhfabrik arbeiten muss und die Mutter Amanda, die mehr in ihrer heiteren Vergangenheit lebt, als in der Gegenwart. "Ein Spiel mit Erinnerungen" heißt es im Titel des Theaterstücks. Auch im Ballettstück wechseln sich immer wieder Vergangenheit und Gegenwart ab.

Wenn man die Geschichte kennt, wird klar, wie sehr sich Neumeier bildlich an Williams Vorlage hält, in der zum Beispiel historische Schallplattenaufnahmen der unglücklichen, zarten Laura Trost spenden. Ein Tisch mit den titelgebenden Glastieren steht rechts auf der Bühne. Die typisch amerikanischen Feuertreppen, über die man die Wohnung im Hinterhaus erreicht, sind rechts und links zu sehen.

Neumeier bewegt das Stück seit seinem 17. Lebensjahr

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Bei der Rolle von Lauras Bruder Tom (Félix Paquet) weicht Neumeier von der Vorlage ab.

Schon als 17-Jähriger hatte John Neumeier "Die Glasmenagerie" tief beeindruckt in Chicago gesehen. Wie bei vielen seiner Ballette, denen eine literarische Vorlage zugrunde liegt, dauerte es seine Zeit, bis sich der Choreograf sich an die Realisierung wagte. In diesem Fall mehr als 60 Jahre. Die Zusammenarbeit mit dem internationalen Ballettstar Alina Cojocaru gab nun den Ausschlag: Für sie hat John Neumeier die Rolle der Laura kreiert. Deren Mutter Amanda wird außerordentlich präsent getanzt von Patricia Friza. Félix Paquet ist neuer Solist in der Compagnie und tanzt den Lauras Bruder Tom. Tänzerisch und inhaltlich ein beeindruckendes Debüt. Seine Rolle weicht von der literarischen Vorlage ab: Tom fühlt sich offensichtlich zu Männern hingezogen. Die Homosexualität war in den 40er-Jahren ein unausgesprochenes Thema der "Glasmenagerie". Wie alle Stücke von Tennessee Williams trug es autobiografische Züge.

Er sehe seine Werke weniger als Demonstration technischen Könnens, sondern vielmehr als "Körpergedichte", sagt John Neumeier. Das hört sich nicht so feinsinnig an, wie es bei der Uraufführung war. Hervorragende Tänzer und eine voller Tiefe erzählte Geschichte. Eine Besucherin sagt: "Es war sehr schön, tolle Musik, die zu den Emotionen, die gezeigt wurden, passten. Es war sehr ergreifend, ein tolles Erlebnis."

Viel Jubel für Neumeiers "Glasmenagerie"

Es war ein ausgezeichneter und herausfordernder Abend, den John Neumeier mit dem Hamburg Ballett mit Tennessee Williams' "Glasmenagerie" kreiert hat. Das Publikum war begeistert.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Staatsoper Hamburg
Dammtorstraße 28
20354  Hamburg
Telefon:
(040) 35 68 68
E-Mail:
ticket@staatsoper-hamburg.de
Preis:
von 6 bis 109 Euro
Kartenverkauf:
Große Theaterstraße 25, 20354 Hamburg
Montag bis Sonnabend 10 bis 18.30
24. Dezember geschlossen
31. Dezember 10 bis 14 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 02.12.2019 | 10:20 Uhr

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