Schauspielerin Helena Zengel im Film "News of the World" © Universal/Courtesy Everett Collection

"Unorthodox" und Helena Zengel für Golden Globes nominiert

Stand: 04.02.2021 09:16 Uhr

Bei den Golden Globes gibt es 2021 Gewinnchancen für Deutschland: für die Serie "Unorthodox" und für die zwölfjährige Helena Zengel. Ein Gespräch mit der ARD-Korrespondentin Katharina Wilhelm aus Los Angeles.

Frau Wilhelm, die Golden Globes gelten neben den Oscars als wohl die renommiertesten Filmpreise der Welt. Wer ist da nominiert?

Katharina Wilhelm: Zum einen die Miniserie "Unorthodox" von Maria Schrader - eine Serie über eine Frau, die in einer ultraorthodoxen Gemeinschaft in New York aufwächst und dann nach Berlin flieht. Die Serie selbst ist nominiert, und außerdem die Schauspielerin Shira Haas. Ich glaube, die Serie hat keine schlechten Chancen, denn letztes Jahr ist sie bei den Emmys auch ausgezeichnet worden.

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Zum anderen gibt es auch eine kleine Überraschung, denn die deutsche Schauspielerin Helena Zengel wurde als beste Nebendarstellerin für den Film "Neues aus der Welt" nominiert. Das ist ein Film, der in der Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges spielt - mit Tom Hanks in der Hauptrolle.

Welche Serie und welcher Film gehen als Favoriten ins Rennen?

Wilhelm: Bei den Golden Globes ist es wieder einmal sehr divers. Das Interessante ist, dass dort Serien und Filme ausgezeichnet werden - also eine noch größere Auswahl als bei den Oscars. Der Film "Mank" hat die meisten Nominierungen erhalten, nämlich sechs. "Mank" ist eine Biografie des Drehbuchautoren Herman Mankiewicz, den alle Mank nennen. Er hat mit Orson Welles an dem Film "Citizen Kane" zusammengearbeitet. Die Hauptrolle darin spielt Gary Oldman.

Bei den Serien gibt es zwei Favoriten: "The Crown", eine Serie über das britische Königshaus, und die Comedy-Serie "Shitt's Creek", ein Publikumsliebling, zumindest in den USA. Beide sind schon in den vergangenen Jahren Favoriten gewesen.

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In den vergangenen Jahren gab es viele Diskussionen über die Ungerechtigkeiten in der Filmbranche, gegenüber Frauen oder gegenüber People of Colour. Ist bei den diesjährigen Nominierungen eine Trendwende sichtbar?

Wilhelm: In den ersten Reaktionen lässt sich ablesen, dass zumindest das Thema "People of Colour" nicht so sehr berücksichtigt wurde. Es gab Kritik daran, dass zum Beispiel kein Film mit einem schwarzen Hauptdarsteller oder -darstellerin in der Kategorie bestes Drama nominiert wurde, obwohl es da viel Auswahl gab: zum Beispiel "One Night in Miami" oder "Ma Rainey’s Black Bottom". Auch der Spike Lee-Film "Da 5 Bloods" wurde überhaupt nicht beachtet. Das wundert einige Kritiker.

Positiver sieht es bei den Frauen aus. Zum Beispiel wurden drei Regisseurinnen im Bereich bester Film nominiert: Emerald Fennell für "Promising Young Woman", Regina King für "One Night in Miami" und Chloé Zhao für "Nomadland". Das sind dieses Mal tatsächlich mehr Frauen als Männer, die in dieser Kategorie nominiert wurden.

Das Interview führte Jürgen Deppe.

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