Ulrich Mokrusch, zukünftiger Intendant am Theater Osnabrück © Theater Osnabrück/Uwe Lewandoswki Foto: Uwe Lewandowski

Ulrich Mokrusch übernimmt am Theater Osnabrück

Stand: 03.01.2020 12:15 Uhr

Ulrich Mokrusch wird zur Spielzeit 2021/22 Intendant am Theater Osnabrück und dort Ralf Waldschmidt ablösen. Noch ist Mokrusch Intendant am Theater Bremerhaven, das er seit 2010 mit großem Erfolg leitet.

von Birgit Schütte

Die Bremerhavener würden Ulrich Mokrusch am liebsten gar nicht gehen lassen. Er ist ungemein beliebt dort. Das beruhe auf Gegenseitigkeit, betont Mokrusch. Das Theater hat sich sehr weit in die Stadt hinein geöffnet. Zusammen mit Kooperationspartnern habe man Themen der Stadt auf die Bühne gebracht. Viele in Bremerhaven identifizieren sich deshalb mit dem Theater.

Theater Osnabrück "ist eine tolle Chance"

Mit dem Theater rausgehen in die Stadt, das möchte Mokrusch auch in Osnabrück. Leerstände in der Innenstadt zum Beispiel bieten ihm Potenzial. Außerdem möchte er, dass die unterschiedlichen Sparten zusammenarbeiten. In Bremerhaven hat er für seine Arbeit viele Preise bekommen. In der Kritikerumfrage der Deutschen Bühne erhielt sein Haus eine Auszeichnung als bestes Theater abseits der Zentren. Ein Jahr später wurde das Theater als bestes Opernhaus des Jahres in der Opernwelt nominiert. Und vor vier Jahren bekam das Theater Bremerhaven den Theaterpreis des Bundes. Aber warum möchte Ulrich Mokrusch wechseln? Braucht er eine neue Herausforderung? Er habe, erklärt er, große Lust, sich und sein Theater noch mal neu zu erfinden und sich neu zu hinterfragen - mit neuen Formen, Ästhetiken und Menschen zu tun zu haben. "Das ist eine tolle Chance".

Mokrusch ist kreativ und hat Finanzen im Blick

In Osnabrück wird Ulrich Mokrusch nicht nur künstlerisch gefordert, sondern auch als Geschäftsführer. Denn 2024 sollen die städtischen Bühnen für 80 Millionen Euro saniert werden. Kein Problem, er ist der perfekte Kandidat dafür. Am Nationaltheater Mannheim hat er als stellvertretender Intendant bereits einen Umbau mitgemacht. Außerdem ist er nicht nur ausgebildeter Schauspieler, sondern hat auch Betriebswissenschaft studiert. Angefangen hat seine Begeisterung fürs Theater schon in der Schule: Er habe mit 17, 18 Jahren beschlossen, Schauspieler zu werden und das dann auch gemacht. Später, im Spielen, stellte er fest, dass ihm auch die Gestaltung viel Raum gebe und Kreativität einräume. Und so wechselte er vom Schauspieler zum Regisseur.

Ein Regisseur mit rheinländischer Gelassenheit

Ob Tanz, Schauspiel, Oper - er schätzt alle Sparten, aber eine besonders. Das moderne Musiktheater sei seine neue Leidenschaft als Regisseur. Der Sprung ins kalte Wasser gehört bei ihm immer wieder dazu. "Das macht wieder fit", sagt Mokrusch. Bisher hat es ganz gut geklappt: Was ihm sehr helfe, sei seine rheinländische Herkunft. Für den humoristischen Blick, bei allem, was einem so widerfahre, ist er seiner Mutter sehr dankbar. Auch das Motto "Et hätt noch immer jot jejange" habe ihm sehr oft, sehr gut geholfen.

Das Theater ist Mokrusch's Lebenselixier

Auf die Frage, was er außer Theater nach Feierabend mache, antwortet er: "Nicht viel, ehrlich gesagt." Er sei sehr glücklich mit einer Schauspielerin verheiratet. Da sehe man schon, er sei nicht weit weg vom Theater gekommen. Das Theater in all seinen Spielformen sei schon sein zentrales Lebenselixier, bekräftigt Ulrich Mokrusch. Er gehöre zu den wenigen, die ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht hätten. Das sei tatsächlich ein großes Privileg, das er genauso empfinde.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 03.01.2020 | 16:20 Uhr