Ein Schild mit dem Wort "geschlossen" hängt hinter einer Glastür. © photocase Foto: axelbueckert

Trotz Corona-Schließung: Museen arbeiten auf Hochtouren

Stand: 09.12.2020 12:18 Uhr

Aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sind die Kultureinrichtungen im Norden geschlossen. Wie bereiten sich die Hamburger Museen auf die Wiedereröffnung vor?

von Kerry Rügemer

Ein Summer öffnet den Seiteneingang des Museums für Hamburgische Geschichte. Die Luft dahinter riecht ein klein bisschen dumpf, es herrscht Stille. Nur ein Pförtner, den man hinter dem Tresen kaum bemerkt, blickt fragend auf, ruft dann den Kurator Sönke Knopp an. Der führt über dunkle, teilweise recht enge Gänge in dem alten Gemäuer zu seinem Büro. "Wir bereiten natürlich weiter Ausstellungen vor und müssen vor allem die Sammlung pflegen", sagt er.

Die Corona-Sammlung wird schon vorbereitet

Sönke Knopp kümmert sich gerade ganz aktuell um eine Corona-Sammlung. "Wenn wir die nicht pflegen, dann kann in 100 Jahren niemand etwas über diese Zeit von heute sagen - so wie wir das heute zum Beispiel über die Cholera-Epidemie sagen können." Ein kugeliges, grellblaues Plastik-Coronavirus-Kostüm mit schrillen Tentakeln steht mitten im Raum - es war einmal für eine Aufführung im Thalia Theater gedacht. Daneben stapeln sich Kleinkram und Kisten.

Elbschlosskeller-Schloss wird zum Museumsstück

Eine braune Tür mit einem kaputten schwarzen Schloss und einem darüber installierten neuen Schloss © Picture Alliance/dpa Foto: Daniel Bockwoldt
Der Hamburger Elbschlosskeller musste wegen des Coronavirus zum ersten Mal seit 70 Jahren schließen.

"Da haben wir eigentlich das schönste Objekt unserer Corona-Sammlung. Und zwar ist es das Schloss der Kneipe Elbschlosskeller", erzählt er. Das ist ziemlich imposant, aber auch völlig verrostet. "Die Kneipe hat seit ungefähr 70 Jahren immer offen gehabt, jeden Tag im Jahr, 24 Stunden am Tag", sagt Sönke Knopp. Im Zuge des ersten Lockdowns habe die Kneipe zumachen müssen und festgestellt, dass die Tür nicht schließt und das Schloss das auch gar nicht hergibt, "weil die einfach nie geschlossen hatten". Die vielen neuen Objekte müssen für die Nachwelt eingeordnet und sortiert werden.

Die nächsten Ausstellungen werden schon geplant

Mangel an Arbeit gibt es auch hinter den verschlossenen Türen des MARKK nicht: Dort wird unter der Leitung von Kuratorin Rahel Wille die nächste große Sonderausstellung aufgebaut, "Steppen und Seidenstraßen". Und das alles, ohne zu wissen, wann sie denn eröffnen kann: "Es ist schon ein merkwürdiges Gefühle, eine Ausstellung aufzubauen, fertigzustellen, ohne diesen Moment zu haben und noch nicht einmal die konkrete Aussicht, wann man diesen Moment denn nachholen kann und in welcher Form", erzählt sie. "Ausstellungen machen wir natürlich in erster Linie für unsere Besucherinnen und Besucher und nicht für uns selbst."

Emsiges Treiben hinter verschlossenen Türen

Mit dieser Unsicherheit und diesem Frust leben momentan alle: In der Kunsthalle bereitet man die große De-Chirico-Ausstellung vor und hofft, dass sie zum geplanten Termin am 22. Januar öffnen kann. Das Museum für Kunst und Gewerbe wartet mit zwei fertigen Ausstellungen auf Besucher und in den Deichtorhallen soll die Fotoausstellung von Matt Black und Jerry Berndt verlängert werden. Gearbeitet wird trotz der Schließung aber überall emsig und oft bis spät abends.

Ein stilles, leeres Museum - das sei übrigens gar nicht so gruselig, wie man vielleicht denken mag, erzählen die beiden Kuratoren zum Schluss: "Ein Museumsgeist - der ist mir noch nicht über den Weg gelaufen, würde aber gut hierher passen", sagt Sönke Knopp. "Diesen Gruselfaktor haben wir, glaube ich, nicht", so Rahel Wille.

Dieses Thema im Programm:

Kulturjournal | 08.12.2020 | 19:00 Uhr