Stand: 26.06.2018 11:59 Uhr

Schüler spielen umstrittenes Selbstmorddrama

von Thomas Jähn

Erwachsen zu werden, ist nicht leicht - und einige junge Menschen zerbrechen sogar daran. Thematisiert wird dieser Kampf im Theaterstück "Tote Mädchen lügen nicht". Das Stück hat jetzt im Monsun-Theater in Hamburg-Ottensen Premiere gefeiert, aufgeführt von den Zehntklässlern des Gymnasiums Othmarschen.

Zehntklässler bringen den Stoff, der zunächst als Jugendroman und Netflix-Serie existierte, auf die Bühne.

"Hallo zusammen, hier spricht Hannah Baker, live und in Stereo", ertönt es. Hannah spricht per Kassette zu ihren Mitschülern. Vorhänge aus meterlangen, schwarzen Tonbändern reichen von der Decke. Ein roter Walkman und Kopfhörer liegen auf dem Boden. "Ich hoffe ihr seid bereit, denn ich will euch die Geschichte meines Lebens erzählen, genauer gesagt, warum mein Leben ein Ende fand." 13 Gründe gibt es, die zu Hannahs Selbstmord geführt haben, und 13 Personen, die damit zu tun hatten.

Es ist ein äußerst sensibles Thema, an das sich die 16 Schülerinnen und Schüler vom Gymnasium Othmarschen gewagt haben. "Niemand möchte sich damit auseinandersetzen", sagt Darstellerin Anna, "aber sowas passiert immer wieder - direkt vor unseren Augen. Und deswegen finde ich, dass man sich auch in unserem Alter damit auseinandergesetzt haben muss."

Jugendroman und Netflix-Serie als Vorbild

Das Stück "Tote Mädchen lügen nicht" basiert auf dem Jugendroman von Jay Asher und der gleichnamigen Netflix-Serie, von der seit einem Monat die zweite Staffel in Deutschland läuft. "Viele hatten die Serie schon davor geguckt", erzählt Karen. "Wir haben dann aber alle das Buch zusammen gelesen und an dem Text gearbeitet."

Das Schuljahr über haben sich die Zehntklässler mit dem Thema beschäftigt. Eigene Erfahrungen haben die Jugendlichen noch nicht damit machen müssen. "Aber man hört ja immer davon, dass es an Schulen Mobbing gibt und sich jemand etwas antut", sagt Frederik, der die Rolle des Marcus spielt.

Aufruf zu mehr Achtsamkeit

Kassette für Kassette erzählt Hannah aus ihrem Schulalltag: Vom Freundefinden und -verlieren, vom Beliebtsein und Gemobbtwerden, von Partys und Abstürzen, vom Sichverlieben und Enttäuschtwerden. Viele große und kleine Puzzlestücke setzen sich zusammen und ergeben schließlich Hannahs Geschichte.

Ihre Mitschüler werden Teil davon, ob sie wollen oder nicht. Regisseurin Françoise Hüsges arbeitet seit zehn Jahren mit und für Jugendliche und inszeniert mit ihnen Theaterstücke. "Achtsamkeit ist das große Thema", meint Hüsges. "Ich denke, dass Verletzungen überall vorkommen. Die Frage ist, wie man mit den Verletzungen umgeht."

Klare Botschaft

"Eine Kassette haben wir bereits geschafft, sogar beide Seiten. Schritt für Schritt, so werden wir vorangehen", ertönt Hannahs Stimme. "Jessica Davis, Süße, du bist die nächste." Jessica wird im Stück von einem Mitschüler vergewaltigt. Die Szene wird nicht explizit dargestellt, ein Tanz soll ausdrücken, wie sich Jessica nach dem Vorfall fühlt.

Mobbing, sexuelle Gewalt und letztlich Hannahs Tod: Wegen der expliziten Szenen wurde die Serie vor allem in den USA kontrovers diskutiert. "Es geht nicht darum, dass man diese Aktionen sieht, sondern dass man sieht, was sie auslösen", schildert Anna. "Wie so etwas einem Menschen nahgehen kann und wie er dadurch zerstört werden kann."

"Tote Mädchen lügen nicht" ist ein Stück von jungen Menschen für junge Menschen, das die Probleme auf Augenhöhe erzählt.

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Schüler spielen umstrittenes Selbstmorddrama

Zehntklässler bringen in Hamburg ein Stück auf die Bühne, das zunächst als Buch und als Netflix-Serie existierte. Das Drama "Tote Mädchen lügen nicht" hat im Monsun-Theater Premiere.

Art:
Bühne
Datum:
Ort:
Monsun Theater
Friedensallee 20
22765  Hamburg
Telefon:
(040) 390 31 48
Preis:
6 bis 13,90 Euro im Vorverkauf, 6,50 Euro bis 14,50 Euro Abendkasse
Hinweis:
Tote Mädchen lügen nicht - Frei nach dem gleichnamigen Jugendroman von Jay Asher
Leitung: Francoise Hüsges
Spiel: Theaterkurs Klasse 10 des Gymnasiums Othmarschen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 26.06.2018 | 19:00 Uhr

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