Stand: 15.01.2018 10:15 Uhr

Till Demtrøders Bühnendebüt als Bösewicht

Für Till Demtrøder beginnt das Jahr aufregend. Man kennt ihn als Henning Schulz aus dem Großstadtrevier oder von den Karl May Festspielen in Bad Segeberg - jetzt steht er zum ersten Mal auf einer Hamburger Theaterbühne. "Vincent will Meer" heißt das Stück von Florian David Fitz nach dem vielprämierten Film. Am Sonntag ist Premiere an den Hamburger Kammerspielen.

Herr Demtrøder, wie sehr geht Ihnen die Pumpe vor dieser Premiere?

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Gibt an den Kammerspielen sein Theaterdebüt: Schauspieler Till Demtrøder.

Till Demtrøder: Zum Glück weniger, als man vielleicht meinen sollte. Aber wenn man so gut vorbereitet wie wir, dann kann eigentlich nichts passieren. Und dann ist auch das Lampenfieber relativ gering.

Text lernen und das ganze Drumherum ist beim Theater noch mal anders als beim Film. Beim Film ist es doch eher komfortabel, oder?

Demtrøder: Das sollte man meinen. Aber es ist anders. Beim Film dreht man auch lange Szenen, die dann parat sein müssen und dreht auch viel mehr. Hier haben wir sechs Wochen Probenzeit und da muss der Text auch sitzen. Ich gehe ohne meinen Text nicht auf die Bühne, das ist das Handwerkszeug. Der Text muss nicht nur in den Kopf, er muss auch in den Bauch. Ohne diesen Prozess brauche ich mich gar nicht erst auf die Bühne zu stellen.

Wie lernen Sie Text? Gehen Sie um die Alster mit Karteikarten?

Till Demtrøder © ARD/ Glitsch

Till Demtrøder über "Vincent will Meer"

Das Interview zum Nachhören.

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Demtrøder: (lacht) Ich werde das nicht verraten, jeder hat so seine eigenen Betriebsgeheimnisse. Ich denke in Bildern. Viele Erinnerungen kommen über Bilder. Ich befinde mich in Szenen und dann fällt der Text mir wieder ein.

Sie spielen den Vater dieses tourettekranken jungen Mannes. Eher einen Bösewicht. Wie groß ist die Herausforderung hierbei? Muss man als Schauspieler andere Gehirnregionen aktivieren?

Demtrøder: Im Prinzip ist das ein Fressen für jeden Schauspieler, über seinen Schatten springen zu können und auch mal das Arschloch zu spielen. In diesem Fall spiele ich ein richtiges Arschloch. Das macht mir auch entsprechend Spaß weil ich etwas spiele, was ich so privat nicht bin. Ich bin vielleicht den Fernsehzuschauern eher als Protagonist bekannt als als Antagonist. Gerade das ist das Reizvolle. Oft ist es so, dass Produzenten wenig gegen den Strich besetzen. Deswegen sieht man viele Schauspieler oft in gleichen Rollen. Es kann durchaus für den Zuschauer spannend sein, wenn man seinen Schauspieler, den man schon so lange kennt wie die Hamburger mich, einfach mal von einer anderen Seite kennenlernt. Dafür rate ich jedem unbedingt, einfach mal herzukommen.

Raus aus der Schublade. Auch für Sie ist ja ganz aufregend.

Demtrøder: Ja natürlich. Also alles, was gegen den Strich ist, ist einfach spannend.

Der Film ist ein Roadmovie von drei psychisch gehandicapten jungen Leuten, die durch ganz Europa reisen. Wie bringen Sie diese Reise auf die Bühne?

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Das Ensemble des Stückes "Vincent Will Meer" hat sich von Therapeuten und Betroffenen über das Tourette-Syndrom beraten lassen.

Demtrøder: Einfach herkommen und gucken! Um ehrlich zu sein, als ich das Stück angeboten bekommen habe, habe ich mich natürlich auch an den Film erinnert, der sehr gut ist und nicht ohne Grund so viele Filmpreise eingeheimst hat. Das ist schon ein großes Kunstwerk hier und eine Gratwanderung. Ich glaube, es wird uns gelingen diese Fantasie in die Köpfe der Zuschauer zu transplantieren. Wir haben ein sehr puristisches Bühnenbild, aber ich glaube, schon im zweiten Akt haben wir die Zuschauer an der Hand gepackt und nehmen sie mit auf diese bunte Reise über die Alpen bis ans Meer.

Wie viel Tourette, wie viel ungewollt ausgesprochene Schimpfworte gibt es hier?

Demtrøder: Ich bin es ja zum Glück nicht, sondern mein junger Kollege Moritz Leu. Der macht das ausgezeichnet. Es geht nicht darum, Behinderung zu persiflieren, sondern eher auf diese Art von Behinderung aufmerksam zu machen. Wir haben uns sehr gut von Therapeuten beraten lassen. Und wir hatten in der Probe einen jungen Mann, der unter Tourette leidet. Der hat auch das Gütesiegel gegeben. Er hat sich nicht verarscht, sondern mitgenommen gefühlt. Das ist auch das, was wir wollen. Die Zuschauer unterhalten und zum Nachdenken stimulieren, dass diesen Menschen ihre Behinderung durchaus bewusst ist. Das wissen viele nicht. Ich glaube, das hier ist eine schöne Gratwanderung zwischen Komödie, Unterhaltung, aber auch Ernsthaftigkeit.

Till Demtrøders Bühnendebüt als Bösewicht

Die Bühnenadaption des Films "Vincent will Meer" feiert am Sonntag Premiere an den Hamburger Kammerspielen. Till Demtrøder spielt darin einen Bösewicht - der Schauspieler im Interview.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Hamburger Kammerspiele
Hartungstraße 9-11
20146  Hamburg
Preis:
19 bis 44 Euro inklusive aller Gebühren
Hinweis:
Vincent will Meer
Schauspiel von Florian David Fitz
Regie: Ralph Bridle
Mit Christopher Amann, Till Demtroeder, Angelina Häntsche, Moritz Leu, Marina Weis
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 12.01.2018 | 19:00 Uhr

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