Stand: 06.11.2020 13:48 Uhr

Theaterstück thematisiert ostdeutsche Identität

von Kathrin Matern

Das Theaterstück "Wie macht man gute Kunst für Ostdeutsche?" geht den Fragen von Herkunft und Identität nach. Am 10. November sollte es im Latücht Kino in Neubrandenburg seine Premiere feiern.

Wegen der Verschärfung der Corona-Maßnamen wurde die Premiere von "Wie macht man gute Kunst für Ostdeutsche" verschoben. Doch die Frage, was eigentlich Ostdeutsch ist, bleibt. Kathrin Matern hat mit den Machern über das Stück und ostdeutsche Identität gesprochen.

Das Unausgesprochene aussprechen

Latücht-Kino © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Sauer
Das 90-minütige Stück soll im Dezember seine Premiere im Neubrandenburger Kino Latücht erleben.

Das Stück erinnert an einen Varieté-Abend: Gezeigt werden 30 Szenen, manche nicht mal drei Minuten lang, mit Performance-Elementen und mit Musik der 80er- und 90er-Jahre. Die Akteure, das sind die Schauspielerin Rika Weniger, der Konzeptkünstler Noah Völker und der Choreograf Burkhard Körner. "Für uns geht's darum, dass wir den Fokus auf das legen, wo wir vielleicht lange nicht drüber gesprochen haben, wo viele unausgesprochene Sachen sind und wo es eigentlich einen Diskurs geben sollte", sagt Burkhard Körner. "Ein Gespräch, einen Dialog zwischen uns Ostdeutschen, um in die letzten 30 Jahre mal reinzuschauen."

Eigene Erfahrungen werden verarbeitet

Burkhard Körner ist in einer oppositionellen Pfarrersfamilie im sächsischen Mittweida aufgewachsen. Vor zwei Jahren traf er die Neubrandenburger Schauspielerin Rika Weniger. Weniger wurde 1981 in eine Arbeiterfamilie geboren. Ausgehend von den Erfahrungen der Eltern erzählen sie ihre eigenen Geschichten, holen sie fast vergessene Erinnerungen hoch und fragen, warum ihre Herkunft sie rund 30 Jahre nach dem Fall der Mauer noch immer nicht in Ruhe lässt. "Es gibt eine Szene, in der ich versuche zu sagen: 'Ich komme aus Neubrandenburg in Mecklenburg-Vorpommern in der ehemaligen DDR' und immer kriege ich diesen Satz nicht raus", schildert Rika Weniger.

Gibt es Gründe, sich zu beschweren?

Neben den eigenen Erfahrungen spielen aber auch Interviews eine Rolle, die sie im vergangenen Jahr mit Neubrandenburgern und mit Menschen aus Mittweida im so genannten "Laden der unerhörten Geschichten", einer Art Sprechzimmer mit Kamera und Ton, geführt haben. "Wir haben uns über das Stück versucht, dem ostdeutschen Frust anzunähern, also dem Jammerossi eigentlich, und dabei zu gucken: Ist der nur doof, der Jammerossi, oder hat der Grund sich zu beschweren", erzählt Rika Weniger. Damals wurden für sie die Brüche und Verletzungen der Ostdeutschen sichtbar. Der Dritte auf der Bühne, neben den beiden Ostgeborenen, ist Noah Völker. Er kam 1990 in Texas zur Welt, hat sich sehr mit der Opposition in der DDR auseinandergesetzt.

Ostdeutsche Identität bleibt erhalten

Was Rika Weniger und Burkhard Körner bei der Arbeit besonders aufgefallen ist: Dass sie sich gut 30 Jahre nach dem Mauerfall wieder als Ostdeutsche fühlen. Obwohl sie ihre Heimat längst verlassen haben. "Ich finde es spannend, mit diesem Projekt wirklich zurückzukommen und irgendwie auch Frieden zu schließen", sagt Körner. Das Stück gibt keine Antwort auf die Frage, wie man gute Kunst für Ostdeutsche macht. Es erzählt auch nicht von der Treuhand oder von der Stasi. Es erzählt davon, wie DDR und die Nachwendezeit die Macher geprägt haben. Ohne Nostalgie oder Zynismus, aber mit Humor.

Das Theaterstück "Wie macht man gute Kunst für Ostdeutsche" wurde von der Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Heinrich Böll-Stiftung MV unterstützt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 06.11.2020 | 19:00 Uhr