Stand: 14.04.2020 10:16 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Corona: Theater Schwerin hofft auf kommende Spielzeit

von Axel Seitz
Die Premiere für den Ballettabend "Frida¡!Carmen" ist auf unbestimmte Zeit verschoben, eigentlich hätte sie am 13. März stattfinden sollen.

Keine Opernaufführung, keine Ballett-Inszenierung, keine Schauspielpremiere - für die Theater bietet sich überall das gleiche Bild: Die Häuser stehen in der Corona-Krise vor großen Herausforderungen. Auch das Mecklenburgische Staatstheater in Schwerin macht derzeit eine nicht erwünschte Theaterpause - sämtliche für April geplante Premieren und die Schlossfestspiele im Sommer wurden abgesagt.

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Das Mecklenburgische Staatstheater hat unter dem Hashtag #MSTdigital einen virutellen Theaterraum eingerichtet.

"Ich will dem Schicksal in den Rachen greifen, ganz niederbeugen soll es mich gewiß nicht" - dieses Zitat von Ludwig van Beethoven ist seit einigen Tagen auf einem großen Plakat über dem Haupteingang des Mecklenburgische Staatstheater in Schwerin zu lesen. Damit macht das Mehrspartenhaus in Corona-Zeiten auf sich und seine Kulturangebote im Internet aufmerksam. Im Großen Haus stehen zwei Theatermitarbeiter in der Kulisse für Brechts "Mutter Courage und ihre Kinder" und proben technische Abläufe. An diesem Freitag hätte die Premiere sein sollen.

Die Premiere des Ballettabends "Frida¡!Carmen" hätte schon im März stattfinden sollen. Die Generalprobe fand noch statt. "Man hat gespürt, dass etwas in der Luft lag, die Tänzer waren nicht ganz frei und dann haben sie am Ende der Probe gefragt: 'Und haben wir morgen Premiere?'", erzählt Ballettdirektorin Jutta Ebnother. Die Absage habe die Darsteller hart getroffen. "Da ist erst mal eine Welt zusammengebrochen", meint Ebnother. "Aber es war auch richtig, es wäre auch eine Premiere geworden, die nicht frei gewesen wäre."

Auch Operndirektor Toni Burkhardt konnte die Inszenierung "Die tote Stadt" nicht mehr umsetzen: "Die tote Stadt" hätte jetzt im April Premiere gehabt und wir haben an dem Abend da gesessen und gesagt, 'den Abend haben wir uns anders vorgestellt.'"

Spielplan für kommende Spielzeit noch ungewiss

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Intendant Lars Tietje rechnet nicht mehr damit, dass der Spielbetrieb in dieser Spielzeit noch einmal aufgenommen wird.

Die Premierenabsagen haben auch konkrete Auswirkungen auf die kommende Spielzeit. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Premieren-Spielplan so stattfinden kann, wie er geplant ist", sagt Theaterintendant Lars Tietje. "Wir werden im Mai wahrscheinlich keine Spielzeit vorstellen, sondern wir werden damit kurzfristiger kommen, wenn wir wissen, wann wir wirklich wieder in den Produktions- und Spielbetrieb kommen." Alle für April geplanten Inszenierungen sollen möglichst verschoben werden. Auf welchen Monat, weiß auch der Intendant noch nicht.

Schlossfestspiele: Finanzieller Verlust statt Überschuss

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So sollte das Bühnenbild für die Oper "Fidelio" aussehen - die Inszenierung entfällt ersatzlos.

Komplett abgesagt ist bislang nur die Oper "Fidelio", die im Rahmen der Schweriner Schlossfestspiele aufgeführt werden sollte. "Wir haben entschieden, dass 'Fidelio' tatsächlich ersatzlos abgesagt wird, weil wir in der Vorbereitung des nächsten Jahres schon zu weit sind", sagt Tietje. Auch der Bezug zum Beethovenjahr sei nächstes Jahr nicht mehr da.

Dass das Mecklenburgische Staatstheater erstmals seit 1999 weder eine Oper noch ein Musical unter freiem Himmel präsentiert, bedeutet für das Haus auch finanzielle Einbußen. "Wir rechnen bei den Schlossfestspielen auf dem Alten Garten immer mit einem sechsstelligen Überschuss, der das Theater das ganze Jahr über mitfinanziert", erklärt Tieje. Statt einem Überschuss wird es dieses Jahr ein deutliches Minus geben. "Es ist nicht so, dass durch die Absage alle Kosten entfallen", sagt Tietje. "Es gibt vertragliche Verpflichtungen mit Künstlerinnen und Künstlern, über die im Moment verhandelt wird. Insofern ist das ein starker Verlust für das Mecklenburgische Staatstheater."

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Hoffnung in ungewissen Zeiten

Der Intendant geht davon aus, dass es in der laufenden Spielzeit keine Aufführungen mehr geben wird. Umso größer wird die Freude in der Zeit nach der Corona-Krise sein. Ballettdirektorin Jutta Ebnother meint: "Das Ziel ist sehr weit weg, aber es wird kommen. Wir freuen uns auf die Premiere, die irgendwann kommen wird."

Bis Frida und Carmen tanzen können, präsentiert sich das Mecklenburgische Staatstheater auf der eigenen Internetseite mit kleinen Kulturvideos. Zu sehen sind Schauspielerinnen und Sänger, Tänzerinnen und Musiker mit Liedern und Musikstücken, Geschichten und Anekdoten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 16.04.2020 | 19:00 Uhr

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