Stand: 26.11.2018 11:13 Uhr

Theater für Kinder: "Tiere im Hotel"

von Daniel Kaiser
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Das Kaninchen "Bellhopp" (Sophia Vogel) ist an seinem ersten Arbeitstag ganz alleine im Hotel.

Man möchte sofort einziehen in dieses Grand Hotel mit k.u.k-Charme mitten im Wald mit einer Wand aus Birkenstämmen, einem Retro-Lift und einer grasgrünen Sitzgruppe im Foyer, durch das Easy-Listening-Musik weht. An der Rezeption steht das Kaninchen "Bellhopp" (Sophia Vogel) in cognacfarbener Pagenuniform, Jahrgangsbester der Hotelfachoberschule. An seinem ersten Arbeitstag ist "Bellhopp" ganz allein im Hotel und wird sofort zum stellvertretenden Direktor, weil sich der Chef aus dem Staub gemacht hat. Aus Gründen. Denn ein missgelaunter Bär, unter dessen Schritten das ganze Hotel erzittert, checkt zum Winterschlaf ein.

Ohne erhobenen Zeigefinger

Der Bär übergibt "Bellhopp" ein großes Ei, das er gern nach dem Winterschlaf als Frühstück hätte. Schnell wird aus dem Ei das Küken "Henriette", das wächst und gedeiht. Wie kann Kaninchen "Bellhopp" seinem Hotel-Job gerecht werden und trotzdem das Huhn davor retten, als Bärenfrühstück zu enden? In Gertrud Pigors hinreißendem Stück geht es darum, wie man eigene Entscheidungen trifft - alles beiläufig und ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit viel Spaß. "Tiere im Hotel" ist ein fantasiestrotzendes, witziges Stück.

Chaotische Waschbären und tanzende Hühner

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Ein missgelaunter Bär checkt zum Winterschlaf in das Hotel ein.

Eine Waschbärenfamilie mit dicken schwarzen Augenringen und buschigen Schwänzen (Sergej Gößner, Gabriel Wähler und Christine Ochsenhofer, herrlich witzig in Timing und Mimik) bringt dann so richtig Tempo und auch ein gerüttelt Maß Chaos ins Hotel. Immer wieder singen sie dem erwachenden Bären Schlaflieder. Als "Henriettes" Eltern auftauchen und die "Karriere" ihres Kindes verfolgen wollen, gelingt ein besonders zauberhafter Moment: Hahn und Henne legen mit ihren eitel geföhnten Haaren ein Pas de deux hin - ein poetischer Augenblick, den man einfrieren möchte.

Kostüme zum Verlieben

Dass dieses Tierhotel so lebendig ist, liegt nicht zuletzt an den Kostümen von Hannah Petersen, der es gelingt, die Tier-Merkmale kreativ auf den Punkt zu bringen. Man kann und will sich nicht sattsehen. Ein kurzsichtiger Falke (Vorname: "Wander") untersucht als Inspektor im Jäger-Outfit sowohl den hygienischen Zustand des Hotels als auch einen mysteriösen Honigschmuggel, in den die Waschbären offenbar verwickelt sind. Katherina Sattler bringt den Wortspiel-Salat des Falken so präzise und lustvoll auf die Bühne, dass man sich ein Spin-off mit weiteren Fällen dieses Wald-Ermittlers wünscht.

75 wundervolle Minuten

Die Kinder im Publikum schauen von der ersten bis zur letzten Minute gebannt zu. Die Kleinen staunen, die Erwachsenen kichern. Gertrud Pigor und ihrem Team ist einer der vielleicht stärksten Theatermomente dieser Saison gelungen - unter all den jetzt gerade gleichzeitig aufpoppenden Weihnachtsmärchen ohnehin. Es sind 75 wundervolle Minuten für Kinder ab 5 Jahren - und Erwachsene. Die Großen sollten sich Kinder, Nichten, Neffen oder Patenkinder schnappen und schnell in diesem Tierhotel einchecken.

Theater für Kinder: "Tiere im Hotel"

Das Junge Schauspielhaus Hamburg hat "Tiere im Hotel", ein Stück für Kleine und Große ab fünf Jahren, auf die Bühne gebracht. Es ist einer der stärksten Theatermomente dieser Saison.

Art:
Bühne
Datum:
Ort:
Deutsches Schauspielhaus
Kirchenallee 39
20099  Hamburg
Telefon:
040/248710 (Zentrale)
E-Mail:
kontakt@schauspielhaus.de
Preis:
13 Euro
Kartenverkauf:
040/24 87 13
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 26.11.2018 | 19:00 Uhr

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