Stand: 22.03.2019 18:27 Uhr

Theater-Streit in Schwerin geht weiter

Axel Seitz, NDR 1 Radio MV

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Theater-Generalintendant Lars Tietje wird von den Staatstheater-Mitarbeitern massiv kritisiert.

"Landesregierung lässt Theater im Regen stehen" - so ist eine Mitteilung aus dem Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin von Freitagmittag überschrieben. Darin äußern sich das Schauspielensemble und die Mitglieder der Mecklenburgischen Staatskapelle besorgt über den Zustand im Haus. Bereits Ende vergangenen Jahres hatten sich der Betriebsrat sowie mehrere Mitarbeiter öffentlich zum offensichtlich schlechten Betriebsklima  geäußert. Danach hatten sich die Gesellschafter des Theaters, die Intendanz sowie die Mitarbeiter auf einen Fünf-Punkte-Plan geeinigt, um die Probleme am Theater zu lösen. Nun äußern sich die Kritiker, dass von einer Verbesserung des Betriebsklimas keine Rede sein könne.

Ensemblesprecher: Intendant als "Abrissbirne des Landes"

Das Vertrauen zwischen Mitarbeitern und Intendanz sei nach wie vor weitgehend zerrüttet. Es habe den Anschein, dass die Probleme ausgesessen und weggelächelt werden - auf Kosten des Theaters, heißt es in dem Schreiben. "Die Anbindung des Theaters zur Stadt geht allmählich verloren", sagte der Schauspieler Martin Neuhaus, der auch Sprecher des Schauspielensembles ist, NDR 1 Radio MV. Das sei auch an der Person des Intendanten festzumachen, der als "Abrissbirne des Landes" in das Theater eingesetzt worden sei, so Neuhaus weiter.

"Wir haben Zeitdruck!"

Nachdem der Betriebsrat und auch die Ensembles beim Aufsichtsrat ihre Lage dargestellt hatten, habe man ein Sofortmaßnahmenpaket von der Landesregierung und vom Intendanten verkündet bekommen, so der Schauspiel-Sprecher. In diesen Gesprächen mit dem Ministerium sei mehrfach gesagt worden, dass man von der Nicht-Verlängerung des Intendanten bis 2021 ausgehe. Das sei aber nicht offiziell bestätigt worden. "Das heißt: Wir haben Zeitdruck!" Die Ausschreibung der Intendanz-Stelle brauche ab der Berufung zwei Jahre Vorlauf. "Wenn wir jetzt die ganze Vorbereitung einer Neuausschreibung dazu nehmen, sind wir eigentlich schon ein Jahr zu spät."

Intendant will an Maßnahmen festhalten

Der kritisierte Intendant Lars Tietje möchte hingegen nach wie vor von den im Dezember verabredeten Maßnahmen nicht abrücken. An deren Umsetzung werde akribisch gearbeitet, "um bestimmte Missstände abzubauen, um die Kommunikation zu verbessern, um das Gefühl am Theater zu verbessern, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern und auch um den Spielplan anders auszurichten", so Tietje zum NDR. Dass einige, die in den jüngsten "Kämpfen" am Theater ihre Interessen nicht haben durchsetzen können, nun "noch nicht ganz Ruhe geben würden", sei erwartbar gewesen. "Deswegen ist das im Moment einfach der falsche Zeitpunkt, mitten in diesen Maßnahmen das Ganze wieder infrage zu stellen", so Tietje weiter.

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Ensemble fordert Rücktritt

Neben dem Intendanten werden auch die Gesellschafter des Mecklenburgischen Staatstheaters in dem Schreiben kritisiert: das Land, die Städte Schwerin und Parchim sowie der Landkreis Ludwigslust-Parchim. Sie sollten unter anderem dafür sorgen, dass die Doppelfunktion - Intendant und Geschäftsführer - aufgelöst wird. Ensemblesprecher Neuhaus forderte zudem den Rücktritt von Tietje: “Einfach, weil in der jetzigen Situation sonst kein Frieden mehr hereinkommt und eine Trendwende - der Abbruch bei den Abos, bei den Sponsoren - nicht hergestellt werden kann." Die Beschäftigten seien besorgt um ihr Theater. "Die Anbindung des Theaters hier in Schwerin ist ein hohes Gut. Das geht verloren."

Tietje mahnt zur Ruhe

Tietje lehnt einen Rücktritt indes ab und verweist auf die Vielschichtigkeit der Probleme, die die Unruhe verursacht hätten: "Ich glaube, wir sollten uns einfach alle in Ruhe auf die vereinbarten Maßnahmen konzentrieren und gemeinsam versuchen, aufeinander zuzugehen anstatt den Rücktritt von irgendwelchen Leuten zu fordern oder irgendwelche Maßnahmen zu fordern." In den kommenden Tagen wird sich zeigen, wie die jetzt in der veröffentlichten Erklärung angesprochenen Gesellschafter auf die Kritik reagieren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 22.03.2019 | 19:00 Uhr

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