Rald Waldschmidt vor dem Osnabrücker Theater © picture alliance / dpa | Friso Gentsch Foto: Friso Gentsch

Theater Osnabrück: Abschied von Intendant Waldschmidt

Stand: 12.07.2021 17:58 Uhr

Der Intendant des Osnabrücker Theaters Ralf Waldschmidt verlässt nach zehn Jahren das Haus und geht an die Staatsoper Hamburg. In einem großen Finale haben sich Waldschmidt und Schauspieler und Sänger, die das Ensemble verlassen, am Sonntagabend verabschiedet.

Vor allem von Musikliebhabern wird Ralf Waldschmidt in Osnabrück geliebt. Er brachte Uraufführungen wie "Das große Heft" nach einem Antikriegs-Roman der ungarisch-schweizerischen Schriftstellerin Ágota Kristóf auf die Bühne. Mit selten gespielten zeitgenössischen Opern kam das Theater Osnabrück unter Waldschmidt immer wieder in die Schlagzeilen. "Mich hat es immer interessiert, Werke zu finden, die zu Unrecht vergessen sind", sagt der scheidende Intendant. "Werke, die aus politischen Gründen hinten runtergefallen sind, weil die Komponisten Juden waren und in Deutschland nicht mehr gespielt werden durften." 2014 wurde in Osnabrück die Oper "Die Vögel" des jüdischen Komponisten Walter Braunfels aufgeführt. Die Arie "Der Prolog der Nachtigall" aus der Oper war auch im Finale zu hören.

Größter Erfolg: Wiederentdeckung von "Guercoeur"

Das größte Aufsehen jedoch erregte Ralf Waldschmidt mit einer anderen Entdeckung: "Guercoeur" von Alberic Magnard. "Der größte Erfolg war natürlich diese Ausgrabung, den französischen Parzival wieder auf die Bühne gebracht zu haben, ein Werk von unglaublicher Tiefe", erinnert sich Waldschmidt. Erstmals seit der Uraufführung 1931 wurde das Werk in Osnabrück wieder aufgeführt. Für die Wiederentdeckung bekam das Theater in der Fachwelt international Anerkennung und "das größte Medienecho des Theaters nach dem Zweiten Weltkrieg".

Auch das Symphonieorchester feierte während Waldschmidts Intendanz große Erfolge. Herausragend ein Konzert 2015 zum 70. Jahrestag des Ende des Zweiten Weltkriegs. Damals spielte das Osnabrücker Orchester in Wolgograd, dem ehemaligen Stalingrad.

Waldschmidt rief Osnabrücker Dramatikerpreis mit ins Leben

Eine Neuerung war zudem der Osnabrücker Dramatikerpreis, der 2013 gemeinsam mit dem Osnabrücker Theaterverein ins Leben gerufen wurde. "Der Dramatikerpreis ist das Highlight was ich aus dieser Intendanz mitnehme, das ist eine großartige Zusammenarbeit gewesen", sagt der Vorsitzende Axel Zumstrull. "Der Verein hätte das allein nicht geschafft hätte und es hat sehr viel Spaß gemacht auch mit seinem Engagement und seinen Ideen, diesen einzigartigen Preis ins Leben zu rufen."

Auch wenn er die die zehn Jahre mit Ralf Waldschmidt am Theater Osnabrück genossen habe, sieht er den Abschied Ralf Waldschmidts mit einem lachenden und einem weinenden Auge: "Ich finde es schade, dass er geht, aber als Theaterliebhaber bin ich auch der Meinung, dass sich das Rad spätestens alle zehn Jahre weiterdrehen muss, denn es ist die Aufgabe des Theaters neuen frischen Wind reinzubekommen." Ab der kommenden Saison wird dann Ulrich Mokrusch das Stadttheater leiten. Er ist zur Zeit noch Intendant in Bremerhaven.

Weitere Informationen
Ulrich Mokrusch, zukünftiger Intendant am Theater Osnabrück © Theater Osnabrück/Uwe Lewandoswki Foto: Uwe Lewandowski

Ulrich Mokrusch wird Intendant am Theater Osnabrück (03.01.2020)

Seit 2010 leitet Ulrich Mokrusch mit großem Erfolg das Stadttheater Bremerhaven. 2021 wechselt der Regisseur nach Osnabrück. Dort ist er als Theatermacher und Geschäftsführer gefordert. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 12.07.2021 | 06:40 Uhr

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