Stand: 20.05.2020 15:41 Uhr  - NDR Kultur

Interaktive Lichtkunst-Inszenierung in Neustrelitz

von Kathrin Matern

"Theater bewegt": In diesen Zeiten stimmt dieser Satz nur bedingt. Denn überall bietet sich das gleiche Bild: Keine Opernaufführung, keine Ballett-Inszenierung, keine Schauspielpremiere. Auf das Landestheater Neustrelitz allerdings trifft der Satz noch zu. An der Seenplatte gibt es seit neuestem immer mittwochs am Großen Haus der Theater und Orchester GmbH in Neustrelitz eine lebendige Theaterfassade.

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Die Zuschauer sind das Stück: Die Bewegungen auf dem Vorplatz des Theaters spiegeln sich in der Lichtkunst wieder.

"Ihr müsst euch schon bewegen, also nicht nur mit den Armen wackeln, sondern auch laufen", ruft Beleuchtungsmeister Eric Wegener. Eine Handvoll Schaulustiger läuft vor dem Portal des Landestheaters Neustrelitz hin und her. Mit jeder Bewegung auf dem Platz schieben sich auf der Theater-Fassade Bausteine von links nach rechts, wölben sich Säulen nach vorn. "Ein interaktives Zusammenspiel zwischen Videoprojektion, Videomapping und Licht, also ein optischer Spielplatz für die Leute", erklärt Wegener.

Lichtkunst: Zuschauer sind Teil der Inszenierung

"Wir tracken die Leute, also wir betracken die Bewegung und gleichzeitig mappen wir das Video auf Bilder, sodass die Formen sich bewegen" erklärt Physiker Marcus Döring. Vor zwei Jahren hat er mit der Deutschen Tanzkompanie Neustrelitz das Stück "The Corona Effect" auf die Neustrelitzer Bühne gebracht, eine Symbiose aus Physik und Tanz. Nun hat er mit Wegener die Lichtkunst für die Fassade ausgetüftelt. Die Zuschauer sind dabei Teil der Inszenierung. "Nicht nur Gucken, sondern Mitmachen", sagt Döring.

Infrarot-Kamera erfasst Bewegungen auf dem Platz

Möglich ist dies durch eine Infrarot-Kamera auf dem Theaterplatz. Mit Wärmestrahlen werden Körper erfasst. Ein Computersystem, das Marcus Döring entwickelt hat, bringt diese Projektionen als Interaktionen auf die Fassade. Dazu laufen Sprüche über das Portal: "Lebt Solidarität", "Rettet Leben" oder "Veränderung". "Wir müssen uns doch an einen anderen Umgang miteinander gewöhnen", sagt Döring. "Andere Wirtschaftssituation und auch eine andere Theatersituation."

Keine einmalige Aktion am Theater Neustrelitz

Schauspiel-Direktorin Tatjana Reese gefällt die Inszenierung: "Dass sozusagen die Zuschauer, die Leute, die hier rumlaufen, das Theater bewegen, das ist das Entscheidende." Wegener und Döring werden ihre Lichtkunst in den nächsten Wochen immer mittwochs zwischen 22 Uhr und 23 Uhr präsentieren. In anderthalb Jahren wollen sie mit der Technik dann sogar ein Stück von Stanislaw Lem inszenieren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 20.05.2020 | 07:40 Uhr

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