Dagmar Schlingmann © imago

Theater-Netzwerk arbeitet an gemeinsamer digitaler Strategie

Stand: 16.04.2021 16:44 Uhr

15 Theater haben sich zusammengeschlossen und das "theaternetzwerk.digital" gegründet. Das Ziel ist, gemeinsam an einer "gesamt-theatral verstandenen digitalen Strategie" zu arbeiten. Ein Gespräch mit der Generalintendantin des Staatstheaters Braunschweig, Dagmar Schlingmann.

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Frau Schlingmann, wie ist es zu der Initiative "theaternetzwerk.digital" gekommen?

Dagmar Schlingmann: Die Initiative geht von der Akademie aus Dortmund und von dem Theater Augsburg aus, die sich in den letzten Monate intensiv mit diesem Thema befasst haben und da schon weiter sind als zum Beispiel mein Haus. Das ist eine Initiative, die etwas angestoßen hat, was im Moment uns alle beschäftigt. Unsere Gesellschaft ist in einem großen Transformationsprozess, wir leben in einer sehr großen Übergangszeit, und das Digitale wird unser Leben verändern, und ich finde es sehr wichtig, dass man diese Möglichkeiten, die das Digitale bietet, auch mitgestaltet. Was bedeutet das für unsere Kunst? Was können wir da besser machen? Wie können wir uns da besser verschränken und aufstellen? Das waren die Gründe für die Entscheidung, an diesem Netzwerk teilzunehmen. Wir haben in der Corona-Zeit gemerkt, dass wir uns alle an der Stelle professionalisiert haben. Ich empfinde es auch nicht als Konkurrenz - da müssen wir sowieso umdenken -, sondern gerade das Digitale bietet uns viele Möglichkeiten, Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig mit Equipment oder mit Know-how zu helfen.

Seit dem ersten Lockdown ist bei Ihnen auch schon einiges passiert, etwa eine eigene digitale Bühne. Was ist die größte Lehre, die Sie aus dem vergangenen Jahr gezogen haben?

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Blick auf das Gebäude des Braunschweiger Staatstheaters und den Vorplatz. © NDR Foto: Julius Matuschik

Die Digitale Bühne des Staatstheaters Braunschweig

Auf der Digitalen Bühne des Staatstheaters Braunschweig werden die Online-Aufführungen des Hauses gezeigt. extern

Schlingmann: Wir haben uns die Kompetenz ins Haus geholt. Nehmen wir das kleine Projekt "Werther", was ursprünglich mal als analoges Theaterprojekt geplant war. Wir haben uns einen Regisseur hinzugenommen, der sehr gut mit Videos arbeiten kann und der das nicht nur abgefilmt hat, sondern der auch ein spezielles Projekt für die digitale Bühne entwickelt hat. Das digitale Theater wird das analoge nicht ersetzen, aber ich glaube, dass wir das Digitale für das Theater noch ganz anders benutzen können. Es gibt an unserem Haus sehr viele Überlegungen, zum Beispiel im Bereich Junges Theater, wie man das Digitale im Bereich der Vermittlung benutzen kann. Wie kann man das junge Publikum über die digitale Welt erreichen? Ich habe die Hoffnung, dass wir unsere Arbeit über die Digitalität an ein Publikum herantragen können, was nicht unbedingt zu dem klassischen Theaterpublikum gehört. Da liegt eine ganz große Chance.

Welche strukturellen Veränderungen bedeuten die neuen Entwicklungen?

Schlingmann: Ich finde es sehr wichtig, dass wir Kunst und Technik zusammendenken. Bisher gab es immer die Kunst und die Technik - und das sind angeblich zwei Welten, die sich nicht so richtig untereinander verstehen. Ich finde, man muss das als Ganzes denken, nicht nur im digitalen Bereich, sondern auch im Betrieb, in den Arbeitsstrukturen und auch in den hierarchischen Strukturen. Ich glaube, dass sich da in den nächsten Jahren vieles an den Theatern verändern wird. Ich glaube, dass wir flexibler arbeiten müssen, weil die Herausforderungen immer größer werden. Gerade wenn wir zum Beispiel so einen digitalen Bereich in unsere künstlerische Arbeit mit einbauen wollen, dann brauchen wir da ganz neue Kompetenzen. Wir brauchen aber auch eine andere Form, innerhalb einer Produktion schneller entscheiden zu können. Das ist in so einem Riesenapparat wie hier - wir sind 500 Leute - immer sehr kompliziert. Wir müssen flexiblere Arbeitsstrukturen finden, die nicht immer die Hierarchie über ganz oben nehmen müssen. Ich glaube, dass sich da einiges verändern wird.

Das Gespräch führte Alexandra Friedrich

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 16.04.2021 | 18:00 Uhr

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