Der Schauspieler Will Workman als Puppenspieler Srulik mit Puppe Lina. © Falk von Traubenberg Foto: Falk von Traubenberg

Theater Lübeck zeigt "Ghetto" als Online-Vorstellung

Stand: 30.04.2021 18:11 Uhr

Das Theater Lübeck zeigt bis zum 2. Mai Online-Vorstellungen des Stücks "Ghetto" von Joshua Sobol. In dem Stück werden neben Schauspielenden auch Puppen eingesetzt.

von Linda Ebener

Die Aufgabe ist nicht ohne: Schauspieler Will Workman spielt einen Puppenspieler, der auf seinem Arm die Puppe Lina trägt - eine doppelte Herausforderung: "Es ist eigentlich die Ausarbeitung von zwei verschiedenen Charakteren, die man gleichzeitig spielen muss."

Ghetto-Theater als Rettung vor der Erschießung

Heiner Kock mit Puppe Tobias, Andreas Hutzel (Kittel, ein Nazi Offizier), Vincenz Türpe (Weiskopf, ein Unternehmer), Will Workman (Srulik, ein Puppenspieler), Kathrin Hanak (Chaja, eine Sängerin) und Musiker auf der Bühne im Theater Lübeck. © Falk von Traubenberg Foto: Falk von Traubenberg
Will Workman als Puppenspieler Srulik (erhöht stehend) und andere Darsteller des Stückes "Ghetto" auf der Bühne im Theater Lübeck.

Worum geht es in dem Stück? Will Workman ist Srulik, ein Puppenspieler. Gemeinsam mit seiner Puppe erinnert er sich an die Zeit im Ghetto der litauischen Hauptstadt Vilnius im Jahr 1942. Die deutschen Besatzer sperrten dort die jüdische Bevölkerung ein. Jakob Gens, der Chef der jüdischen Ghettopolizei, gründet das Ghetto-Theater, um Jüdinnen und Juden ohne Arbeitsgenehmigung vor der Erschießung zu retten. Puppenspieler Srulik soll es leiten.

Will Workman ist nicht der Einzige, der einen Puppenspieler spielt. Insgesamt elf weitere Puppen hat Malte C. Lachmann in seine Inszenierung gepackt: "Die Bühnenbildnerin und ich sind letztes Jahr nach Vilnius gefahren und haben von dort Bilder zurückgebracht. Dann haben wir der Puppenbauerin Judith Mähler gesagt, wir möchten gerne die Gesichter von damals auf der Bühne sehen. Wir möchten diesen Menschen wieder eine Stimme geben und Sichtbarkeit für sie erzeugen."

Damalige Bewohner des Ghettos werden sichtbar gemacht

Und sie werden sichtbar. Auf einem großen, schwarzen Stahlgerüst, das sich im Hintergrund über die gesamte Breite der Bühne erstreckt, befestigt Srulik Schwarz-Weiß-Bilder. Auf den Bildern sind die Gesichter der Gefangenen des Ghettos.

Die Ähnlichkeit der Puppen zu diesen Bildern ist verblüffend. Das macht die Sache für Workman einfacher: "Man kann einfach auf die Puppen projizieren, wer der Mensch wirklich gewesen ist. Und dadurch, dass nach und nach die Bilder aufgehängt werden, hat man einfach einen realistischeren Zugang, trotz Puppe, als wenn wir versuchen, die Menschen nachzumachen."

Puppenspieler und Puppe im Dialog über die Vergangenheit

Es ist ein Dialog zwischen Srulik und seiner Puppe. Als Ghetto-Theaterleiter blickt er in die Ferne und erinnert sich an die letzte Vorstellung. Dabei wird er ständig von der Puppe Lina unterbrochen. Eine spannende Beziehung, sagt Workman, "weil er versucht, mit dieser Puppe Sachen zu kompensieren und eine innige Beziehung mit ihr aufgebaut hat. Eine Vater-Tochter-Beziehung. Sie rettet ihn und stößt ihn aber gleichzeitig auch immer wieder in Situationen rein, wo man nicht weiß, wer eigentlich wen von den beiden steuert."

"Ghetto" ist ein emotionales Stück und trotz Puppen sehr realistisch. Es ist auch beeindruckend, wie Will Workman beiden Rollen gerecht wird und sich schnell in die jeweils andere hineinversetzen kann.

Theater Lübeck zeigt "Ghetto" als Online-Vorstellung

In der Produktion von Joshua Sobols Stück werden neben Schauspielenden auch Puppen eingesetzt.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Theater Lübeck

Öffnungszeiten:
Online
Hinweis:
Jeweils ab 20 Uhr für 24 Stunden verfügbar. Tickets und die Onlinezugänge gibt es auf der Internetseite des Theater Lübeck.
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Moin! Schleswig-Holstein – Von Binnenland und Waterkant | 29.04.2021 | 19:00 Uhr